Ausgrabungen: Historischer Pleezbrunnen freigelegt

Friedberg (jw). Für den Laien sieht es aus wie ein großer Steinhaufen, für Fachleute ist es ein bedeutsamer Fund: Grabungstechniker unter Leitung des Kreisarchäologen Dr. Jörg Lindenthal haben Ende letzter Woche auf dem Elvis-Presley-Platz den zweiten großen Stadtbrunnen entdeckt.
08. September 2014, 18:28 Uhr
Noch ist der Pleezbrunnen von einem steinernen Gewölbe abgedeckt.

Der Pleezbrunnen liegt vor dem Hotel Trapp, seitlich der Einmündung der Wolfengasse in die Kaiserstraße. Ob er erhalten bleibt und im Rahmen der Platzumgestaltung dauerhaft präsentiert wird oder wie die anderen bisherigen Funde mit flüssger Erde verfüllt wird, steht laut Lindenthal noch nicht fest.

Erst Reste mittelalterlicher Häuser, dann ein römischer Töpferofen, Spuren des römischen Vicus und dann der 18 Meter tiefe Schacht des Waaghausbrunnens – der zentrale Platz auf der Kaiserstraße ist ein historischer »Hot-Spot«, wer hier gräbt, stößt auf Spuren der Vergangenheit. Nun wurde das Gewölbe des Pleezbrunnens freigelegt. Seine Lage war dank alter Pläne und Abbildungen bekannt. Er wurde, wie die beiden anderen historischen Brunnen auf der Kaiserstraße – neben dem Waaghausbrunnen noch der Katharinenbrunnen am Alten Rathaus – in der Mitte des 19. Jahrhunderts umgebaut. Damals wurde die Umrandung bis unter das Straßenniveau abgetragen und mit einem Basaltgewölbe überdeckt. Der Scheitelpunkt des Gewölbes liegt wie beim Waaghausbrunnen nur knapp 30 Zentimeter unter dem Niveau der heutigen Fahrbahndecke.

Die genaue Bauzeit des imposanten, über 22 Meter tiefen mittelalterlichen Bauwerkes ist aus dem archäologischen Befund bisher nicht zu ermitteln. Dass das Brunnengewölbe ohne Beschädigung freigelegt wurde, sei dem vorsichtigen Vorgehen der Ausgräber und Bauarbeiter zu verdanken, sagte Lindenthal am Montag vor Ort und hob besonders das Gespür von Grabungstechniker Roland König hervor. Er stoppte rechtzeitig den Baggerfahrer, als der Straßenbelag abgetragen wurde. Die Lage des Brunnens außerhalb der Fahrbahn machte es möglich, den Brunnen zu erhalten. Noch muss aber das gesamte Gewölbe aufgedeckt und dokumentiert werden. Stadt und Archäologische Denkmalpflege suchen nach einer Lösung, wie die vorhandene Substanz in die Planungen des Platzes integriert werden kann, um sich für die Zukunft alle Möglichkeiten für die Gestaltung des Brunnens offen zu halten.

Durch die im Stadtarchiv vorbildlich aufgearbeiteten Quellen lässt sich der archäologische Befund schnell zu einem informativen Bild erweitern. So zeigt eine Abbildung den Brunnen vor seiner Überdeckung in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Ein Foto von 1863 zeigt den nun überwölbten (nicht mehr sichtbaren) Brunnen, der mit Schwengelpumpe und Brunnentrog ausgestattet war. Wie gefährlich offene Brunnen waren, zeigen Berichte über Unglücksfälle. Glück hatte ein betrunkener Schmiedeknecht, der Pfingsten 1542 in den Pleezbrunnen fiel (der Wasserspiegel liegt heute bei etwa 15 Meter) und erst nach mehrstündigem Rufen lebendig herausgezogen werden konnte. Wie die Stadtbrunnen früher aussahen, erfährt man im Wetterau-Museum. Im Hof ist die prächtige Brunnenbekrönung des ebenfalls um 1850 überwölbten Katharinenbrunnens zu sehen.

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