Neuer Elvis-Presley-Platz entsteht: Ganz schön groß

Friedberg (jw). Der Elvis-Presley-Platz sehe »jeden Tag ein bisschen anders aus«, sagt ein Friedberger, der hier täglich vorbeikommt. »Wie’s am Ende aussieht, weiß kein Mensch.« Aber so langsam kann man sich ein Bild davon machen. »Wir liegen im Zeitplan«, sagt Bürgermeister Michael Keller. Mitte November soll alles fertig sein.
08. September 2014, 18:28 Uhr
So langsam erkennt man die Formen: Der Elvis-Presley-Platz in Friedberg.

Baumaschinen lärmen, Kiesstaub liegt in der Luft. Wer ein Geschäft betreten will, muss eine Absperrbake umkurven. Die Bauarbeiten auf dem Elvis-Presley-Platz gehen in den sechsten Monat, doch ein Ende ist in Sicht, bestätigt Oberbauleiter Uwe Golereit von der Firma Eurovia. »Es läuft.« »Wir sind aus dem Gröbsten raus«, sagt Bürgermeister Keller. Und dies, obwohl die Archäologen schon wieder fündig wurden: Der zweite mittelalterliche Brunnen ist aufgetaucht (siehe Seite 23). Ob er wie die anderen Funde wieder verfüllt oder als »Fenster in die Vergangenheit« präsentiert wird, steht noch nicht fest. Den Fortgang der Arbeiten hat der Fund nicht behindert, sagt Kreisarchäologe Dr. Jörg Lindenthal. »Wenn’s hochkommt, hat die Baufirma wegen unseren Grabungen insgesamt vielleicht drei Tage verloren.«

Das liegt laut Lindenthal »an der guten Zusammenarbeit«, aber auch daran, dass die Archäologen ein Jahr vorher mit ihrer Arbeit begannen. Die Kosten trägt die Stadt, so will es das Gesetz. Aber auch hier gibt Keller Entwarnung: »Das bleibt im überschaubaren Rahmen.« Der komplette Umbau des Elvis-Presley-Platzes kostet 1,4 Millionen Euro, die archäologischen Grabungen dürften sich auf 100 000 bis 150 000 Euro belaufen.

Zwei Drittel der Baukosten sind, wie Keller sagt, im Erdreich verschwunden. Gemeint sind Wasser- und Abwasserkanäle, Strom- und Gasleitungen. »Der technische Stand reicht für die nächsten 100 Jahre.« Mindestens genauso lange wurde dort nichts mehr getan – einer der Gründe, warum die Bauarbeiten notwendig waren. Der andere liegt laut Keller auf der Hand: »Das ist eine Top-Lage für Geschäfte, die muss in einem Top-Zustand sein.« Mittlerweile verlagere sich die Diskussion der Baustellen-Kiebitze von der Beschwerde zur Haltung: »Das sieht doch ganz gut aus.« Das bestätigen besagte Kiebitze. »Der Platz wird schön«, sagt Blumenhändler Richard Bosland. »Aber muss der so groß sein? Hätte man nicht 20 Parkplätze erhalten können?« Und könnte man nicht den Wochenmarkt dort ansiedeln, damit anderswo die Parkplätz erhalten bleiben? Stephan Gundermann, Azubi im Lotto-Shop Koch, macht sich Gedanken um die Anlieferung von Waren. Wie weit kommen die Lkw an die Geschäfte ran? Positiv sei die Umgestaltung dennoch: »Wir können ein Café mit Außenbewirtschaftung einrichten.«

Das Parkplatz-Kapitel ist längst abgeschlossen. »Das hat die Politik schon vor über zehn Jahren so entschieden«, sagt Keller. Ob der Markt umzieht, kann er noch nicht sagen. »Wenn das gewünscht wird, stehen wir nicht im Weg.« Auch die Frage, ob das »Café Rund« eine Toilette bleibt (dann aber grundsaniert) oder aber als Stadtinfo oder Café genutzt wird (dann müsste eine neue Toilette gebaut werden), ist noch offen.

Optischer und akustischer Puffer

Groß ist der Platz tatsächlich, länger als ein Fußballfeld. »Der muss das ganze Jahr über bespielt werden«, sagt Keller. Nicht nur Kinder dürfte das Wasserspiel in den Sommermonaten anlocken. Es entsteht mitten auf dem Platz, die Besucher sollen die Füße ins kühle Nass stecken können, sich wohlfühlen. Zur Kaiserstraße hin werden in zwei Reihen schattenspendende Platanen gepflanzt. Einige der Baumscheiben (eigentlich Beton-Quadrate) liegen schon; die Platanen werden abends von unten angeleuchtet. Auch der Graben für eine Ligusterhecke ist ausgehoben; sie soll einen »optischen und akustischen Puffer zur Kaiserstraße« bilden. Die Lampen werden gerade montiert, es gibt versenkbare Stromanschlüsse für Marktbeschicker und zwei Bodenbeläge: Historisches Kopfsteinpflaster und moderne Steinplatten, die Keller augenzwinkernd »Rollatoren-Autobahn« nennt. Sie garantieren einen holper- und stolperfreien Zugang zu den Geschäften.

2015 soll der zweite Bauabschnitt des Kaiserstraßen-Umbaus geplant werden, 2016 könnten die Bauarbeiten (von der Haagstraße bis zur Sparkasse) beginnen. Trotz der dann zur Geltung kommenden Straßenbeitragssatzung macht sich Keller keine Sorgen um die Akzeptanz der Maßnahme: »Das wird keine Luxussanierung, notwendig ist sie aber. Und spätestens wenn die Geschäftsinhaber den neuen Elvis-Presley-Platz sehen, kommt der Ruf: Das wollen wir auch.«

Der Eröffnungstermin des Elvis-Presley-Platzes steht indes fest: Am zweiten Adventswochenende (5. bis 7. Dezember) steigt dort der Friedberger Adventsmarkt. Lena Herget von der Wirtschaftsförderung im Rathaus: »Wir beziehen die Wolfengasse ein, schaffen eine Verbindung zur Stadtkirche.« Dort findet am 6. Dezember der Weihnachtsmarkt der evangelische Kirchengemeinde statt. Auf dem Elvis-Presley-Platz wird es neben dem Weihnachtsbaumverkauf auch Glühwein- und andere weihnachtliche Buden geben. »Es sind noch Plätze frei, wer Interesse hat, kann sich im Rathaus melden.« Außerdem wird den Besuchern Musik geboten. Der Wetterauer Kulturpreisträger Martin Schnur wird mit Band auftreten, ebenso der Gospelchor Swinging Tones, die Marvin-Dorfler-Bigband, die Stadtkapelle, die Kalli-Velten-Jazz-Band und weitere Gruppen.

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