Friedberg

Wirt zeigt Gästen den Hitlergruß

21. Oktober 2013, 14:58 Uhr

Richter Dr. Stüber verurteilte Marc B., der derzeit im Gefängnis in Dieburg einsitzt, zu einer Freiheitsstrafe von zwei Monaten.

Marc B., bis zu seinem Haftantritt im Juni Wirt, berichtete, er habe am 1. Mai dieses Jahres in seiner Kneipe den ganzen Tag gefeiert und getrunken. »Dann hab’ ich das wohl gesagt. An den genauen Wortlaut kann ich mich aber nicht mehr erinnern«, sagte der 49-Jährige während der Verhandlung. Der Ausspruch, mit dem der Wirt seine Gäste beim Anstoßen zwischen Steaks und Würstchen empört hatte, lautete »auf Führer, Volk und Vaterland«, es folgte der Hitlergruß, garniert mit den Worten »Sieg Heil«. Sogar für die Passanten auf dem Bürgersteig sollen die Worte hörbar gewesen sein, hieß es in der Anklageschrift.

Der Angeklagte, er wurde in Fußfesseln in den Saal gebracht, sitzt derzeit eine Haftstrafe wegen diverser Rechtsbrüche ab, erinnerte sich, die Polizei sei an jenem Abend noch in der Kneipe vorbeigekommen. »Die haben mich pusten lassen, da hatte ich 2,7 Promille«, gestand der 49-Jährige. »Halleluja«, kommentierte Richter Dr. Stüber dieses Ergebnis des Atemalkoholtests.

Vor 30 Jahren das erste Mal verurteilt

Stüber hakte beim Angeklagten nach, ob dieser tatsächlich noch wisse, dass er den Hitlergruß gezeigt habe, oder ob er es nur annehme, da er an jenem Abend betrunken gewesen sei. »Sie wissen ja, wie es läuft: Ich verurteile Sie nicht für etwas, das Sie nicht mehr wissen«, sagte der Richter zu dem Mann, dessen kriminelle Karriere vor 30 Jahren begann. »Doch, doch. Ich hab’ das gesagt und gemacht«, antwortete Marc B. Warum, das könne er nicht erklären. »Ich habe mit einigen von der Burschenschaft getrunken. Ich hab’ eigentlich gar nicht diese Gesinnung.«

Richter Stüber erinnerte den Angeklagten an ein Verfahren aus dem Jahr 2008. Damals stand B. wegen Körperverletzung vor Gericht. In der Anklageschrift soll jedoch auch der Vorwurf des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen angeklungen sein. Der Vorwurf konnte damals nicht nachgewiesen werden. Dennoch: Marc B. habe das Bild von sich in der Öffentlichkeit mit der aktuellen Tat nicht korrigiert. »Das kommt so rüber, als hätten Sie öfter Feste rechtsradikaler Gesinnung gefeiert«, sagte Stüber zu B.

»Die Burschenschaftler haben sich in einem Schreiben deutlich davon distanziert, solches Gedankengut zu haben«, berichtete Stüber. Und überhaupt: Er wisse nicht recht, was mit dem Angeklagten los sei, warum dieser es schaffe, immer wieder auf der Anklagebank zu sitzen.

Dort ist B. Dauergast. 1983, im Alter von 19 Jahren, war er das erste Mal verurteilt worden, war ohne Führerschein Auto gefahren, ein Delikt, das er in den folgenden Jahren mehrfach wiederholte. Hinzu kamen Diebstahl, Nötigung, Körperverletzung und der Erwerb von Drogen. Insgesamt 20 Vorstrafen hat der Mann im Lauf der Jahre kassiert, mehrfach saß er im Gefängnis.

Verteidiger Günter Lamotte regte eine Einstellung des Verfahrens gegen seinen Mandanten an, die Vertreterin der Staatsanwaltschaft merkte an, dass das aus ihrer Sicht unmöglich sei.

»Regeln sind Ihnen egal«

Sie forderte eine zweimonatige Freiheitsstrafe, hielt dem Angeklagten sein Geständnis zugute. Eine positive Sozialprognose könne sie B. jedoch aufgrund seiner vielen Vorstrafen nicht stellen, eine Bewährung sei daher ausgeschlossen. Verteidiger Lamotte sah das anders und beantragte eine einmonatige Freiheitsstrafe. Er wies auch darauf hin, dass es sogenannte Gesinnungsdelikte im angloamerikanischen Recht nicht gebe und man dort sagen könne, was man wolle.

Stüber verurteilte B. zu einer Freiheitsstrafe. Der 49-Jährige, der seine Gefängnisstrafe eigentlich Ende September 2014 abgesessen hätte, wird zwei Monate länger hinter Gittern bleiben müssen. Stüber sagte zum Angeklagten: »Der Alkohol zieht sich wie ein roter Faden durch Ihr Leben, immer wieder fahren Sie ohne Führerschein, denn Regeln sind Ihnen egal.« Auch auf die von Lamotte angesprochene Gesinnungsdelikte ging der Richter ein. »Wir Deutschen sehen das sehr eng.« Das liege in der Geschichte begründet. Abschließend fragte er B., wie dieser, als Mann mittleren Alters, mit der nun verhängten 21. Vorstrafe nach dem Gefängnisaufenthalt wieder auf die Füße kommen wolle. Der antwortete: »Es wird schwer werden.«

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