Bewährungsstrafe: Student hortet 18 000 Kinderpornos

24. Mai 2013, 16:18 Uhr
Tausende von kinderpornografischen Bilddateien hat ein 24-jähriger Student aus Friedberg auf mehreren Festplatten und Computern gehortet. Jetzt saß er auf der Anklagebank. (Foto: dpa)

Seine Füße zappeln nervös, der Blick ist ängstlich: Der 24-jährige Student ist davon überzeugt, »dass er ins Gefängnis muss«, verrät Verteidigerin Susanne Lang. Muss er nicht, entscheidet Dr. Oliver Buckolt, Richter am Friedberger Amtsgericht, am Donnerstag. Er spricht den Angeklagten des Verbreitens eines kinderpornografischen Videos und des Besitzes von 18 000 kinderpornografischen Bilddateien schuldig und verurteilt Marius K. (Name geändert, die Redaktion) zu einer achtmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung. K., der noch bei seinen Eltern lebt, sieht nach der Urteilsverkündung aus, als könne er sein Glück kaum fassen.

Marius K., Student an der Friedberger Hochschule, zeigte sich bereits zu Beginn der Verhandlung geständig. Er gab zu, im März 2012 anderen Nutzern eines Forums im Internet eine rund 20-minütige Videodatei zum Herunterladen zur Verfügung gestellt zu haben. Der Film zeigte eine Frau und zwei Mädchen bei sexuellen Handlungen. Zudem gab K. zu, 18 000 kinderpornografische Bilddateien besessen zu haben. Aufgeflogen war er, als die Polizei im Juli 2012 bei einer Hausdurchsuchung drei Computer und mehrere Festplatten des unscheinbar wirkenden jungen Mannes sichergestellt hatte. K. hatte die Bilder zwar zu dem Zeitpunkt bereits gelöscht, Experten in Sachen Computer hatten die Dateien jedoch wieder herstellen können.

»Ich habe gemerkt, dass es falsch ist, was ich da tue und hab mich an eine Vertrauensperson in der christlichen Gemeinde gewandt«, berichtete K. Er habe sich bereits in therapeutische Behandlung begeben.

»Kinder, die nicht viel älter als ein Säugling sind, Kleinkinder, jüngere und ältere Mädchen – die Bandbreite ist ja schon sehr groß«, sagte Richter Dr. Oliver Buckolt mit Verweis auf die 18 000 pornografischen Dateien, die K. besessen hatte. »Da wurde ordentlich gesammelt und archiviert«, kommentierte der Richter, der wissen wollte, woher das Interesse des Studenten an Kinderpornografie komme. »Ich weiß es nicht. Vielleicht liegt es daran, dass ich früher in der Schule ein Mobbingopfer war und mehr Kontakt zu jüngeren Schülern hatte. Aber das ist heute nicht mehr so«, antwortete K. Heute sei es für ihn nicht mehr verlockend, sich solche Bilder anzusehen, berichtete der Student. Er sei in der Therapie nämlich mit der Folge seines Tuns konfrontiert worden, habe die Perspektive gewechselt und wisse nun, »dass das für die Kinder gar nicht gut ist«. Seine Eltern – zunächst war der polizeiliche Verdacht wohl auf den Vater des 24-Jährigen gefallen – seien sehr schockiert gewesen. »Aber sie stehen hinter mir«, sagte K., der zuvor noch nie strafrechtlich in Erscheinung getreten war.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft, Rechtsreferendarin Spamer, sprach sich für eine zehnmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung aus. Drei Jahre solle die Bewährungszeit betragen, K. solle 100 Stunden soziale Arbeit ableisten und eine Therapie machen, forderte sie. Verteidigerin Susanne Lang plädierte für eine Bewährungsstrafe. Richter Buckolt verurteilte K. zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe, zudem muss der Student eine ambulante Therapie machen und 50 Stunden im Dienst der Allgemeinheit arbeiten.

Bereits nach dem Urteilsspruch entspannte Marius K. sich sichtlich, auch das nervöse Fußgezappele stoppte – allerdings nur für wenige Sekunden.

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