Auf der Wilhelmshöhe wird ein Pfadfinder-Traum wahr

Friedberg/Usingen (jw). Seit 26 Jahren gibt es den Pfadfinderbund Kreuzfahrer. »Und genauso lange suchen wir nach einem Pfadfinderheim oder einem Zeltplatz«, erzählt Volker Michel - nach einem Ort, wo die rund 100 Pfadfinder gemäß ihrem Motto »Freiheit - Abenteuer - Christus« zelten, singen, die Natur erleben und andere Jugendliche treffen können. Nun ist der Traum in Erfüllung gegangen.
14. Juni 2010, 18:32 Uhr
Mit einem Faltblatt wirbt Volker Michel um Unterstützung für den Betrieb des Zeltplatzes.

Friedberg/Usingen (jw). Seit 26 Jahren gibt es den Pfadfinderbund Kreuzfahrer. »Und genauso lange suchen wir nach einem Pfadfinderheim oder einem Zeltplatz«, erzählt Volker Michel - nach einem Ort, wo die rund 100 Pfadfinder gemäß ihrem Motto »Freiheit - Abenteuer - Christus« zelten, singen, die Natur erleben und andere Jugendliche treffen können. Nun ist der Traum in Erfüllung gegangen. Die Kreuzfahrer haben zwischen Usingen, Eschbach und Wernborn ein 2700 Quadratmeter großes Grundstück gekauft. »Ein traumhaftes Gelände«, schwärmt Michel. 50 000 Euro hat es gekostet, »das Geld haben wir über all die Jahre angespart.« Im September 2009 wurde der symbolische erste Spatenstich vollzogen, ein Jahr später soll der Zeltplatz fertig sein. Am 19. September (10.30 Uhr) wird ein Open-Air-Gottesdienst gefeiert, dann können sich auch die Friedberger über den neuen Platz informieren, über den es einiges zu erzählen gibt.

Die Kreuzfahrer wurden über eine Zeitungsserie auf das Anwesen aufmerksam. Bauliche Relikte aus der NS-Zeit wurde darin vorgestellt, ein Artikel widmete sich der Wilhelmshöhe, einem kleinen Haus, benannt nach einem Trompeter des HR-Vorgängers Radio Frankfurt, der durch die Wirren des Zweiten Weltkriegs obdachlos wurde. Mit seiner Familie verschlug es ihn nach Wernborn, und bei der Suche einer eigenen Bleibe verwies ihn die Gemeinde auf einen ehemaligen Fliegerabwehrbunker. Der war im Krieg Teil des Verteidigungsrings um das »Führerhauptquartier Adlerhorst«. Auf den Mauern des Bunkers baute der Musiker ein kleines Haus, doch damit begann ein jahrelanger Ärger mit den Behörden. Die Baugenehmigung fehlte, obwohl die Behörden Bescheid wussten. Wilhelm wehrte sich gegen die Abrissverfügung, der Hessische Verwaltungsgerichtshof gab ihm letztlich Recht.

Nach wie vor gab und gibt es ein Problem: Die Wilhelmshöhe ist nicht erschlossen. Es gibt keinen Strom, kein Wasser, keine Abwasserleitung. Deshalb durften Nachbesitzer dort nicht wohnen, und die Stadt Usingen suchte händeringend nach einer Verwendung für das Anwesen.

Wasser aus dem Brunnen und Biotoiletten

Als der Pfadfinderbund sein Interesse anmeldete, wurden ihm alle Türen geöffnet. Die Kreuzfahrer legten ein Nutzungskonzept vor, das die Gemeinde überzeugte. Ein »Runder Tisch« der Behörden wurde initiiert, um die Modalitäten der Erschließung zu klären, und da die 150 000 Euro gekostet hätte, wurde eine »kleine Lösung« ins Auge gefasst: Wasser gibt es aus einem Brunnen mit Handpumpe; Biotoiletten werden aufgestellt; für das Abwasser gibt’s eine Sondergenehmigung zum Bau einer geschlossenen Grube; Haus und angrenzender Stall dürfen lediglich als Lager genutzt werden, Pkw-Stellplätze werden eingerichtet, und auf der Zeltwiese müssen Obstbäume gepflanzt werden.

Einige Arbeiten sind bereits erledigt, andere sollen bis September fertig sein. Im August wird der Brunnen gebohrt, 18 Meter tief durch festen Taunusquarzit, eine Spezialfirma erledigt das für rund 10 000 Euro. Vorher hatte ein Wünschelrutengänger Wasseradern gesucht und gefunden. Am Wochenende sollte die Abwassergrube ins Erdreich versenkt werden, doch die angelieferte Wanne hatte einen Riss. Das Haus soll noch gestrichen werden, neue Fensterläden müssen her. Bezahlt ist alles, »unser Erspartes ist komplett draufgegangen«, sagt Michel. Doch es kommen laufende Kosten auf die Kreuzfahrer zu, etwa für die Überprüfung des Wassers und die regelmäßige Entleerung der Grube. Mit einem Infoblatt werben die Pfadfinder daher um Förderer.

»Das Gelände sieht aus wie eine wunderschöne, kleine Ranch«, sagt Volker Michel, der Bundesführer der Kreuzfahrer ist und sich im Dachverein, der Kreuzbundgilde, als Vorstandsmitglied um die Baumaßnahme kümmert. »Das Panorama ist einfach herrlich.« Der Zeltplatz liegt inmitten von Feldern und Wiesen, am Horizont erheben sich die Taunusberge, die Eschbacher Klippen sind nicht weit entfernt, Feldberg und Winterstein sind zu erkennen, Verkehr gebe es dort so gut wie keinen, »das ist Natur pur«.

Auch andere Jugendgruppen willkommen

Nicht nur die Kreuzfahrer, auch andere Jugendgruppen aus Friedberg und der Umgebung sollen in den Genuss des Zeltplatzes kommen, sagt Michel. Vorzugsweise Pfadfinder oder solche Gruppen, die sich mit den Kreuzfahrern, die Teil der evangelischen Kirchengemeinde sind, verbunden fühlen. »Wir betreiben den Platz aber nicht aus kommerziellen Gründen, sind nicht auf eine Auslastung angewiesen. « Ein komfortables Zimmer für Gruppenleiter gibt es auf der Wilhelmshöhe nicht, waschen können sich die Kinder und Jugendlichen am Waschbecken und gekocht wird am Lagerfeuer oder auf dem Grill.

Der Pfadfinderzeltplatz Wilhelmshöhe liegt (von Eschbach kommend) kurz vor Wernborn, oberhalb des Talhofs, unweit des Radwegs R 6. Mit dem Auto sind es von Friedberg 21 Kilometer; man kann auch dorthin wandern, mit dem Rad durchs Usatal oder über den Winterstein gelangt man in rund 90 Minuten ans Ziel.

Pfadfinderbund Kreuzfahrer

Der Pfadfinderbund Kreuzfahrer wurde 1984 gegründet. Bundeszeichen ist die Kreuzlilie, in der Symbole der Pfadfinderbewegung und des Christentums verschmelzen. Die Jugendarbeit sei »frei und abenteuerlich, alles wird ehrenamtlich geregelt«, sagt Bundesführer Volker Michel aus Friedberg. Kreuzfahrer-Gruppen gibt es in Friedberg, Bad Homburg, Oberursel und Butzbach. Die Mitglieder sind zwischen 8 und 48 Jahre alt. In Friedberg, wo es derzeit keine Mädchengruppe gibt, treffen sich die Jüngeren donnerstags und die Älteren dienstags um 18 Uhr im evangelischen Kindergarten (Kaiserstraße 144). Dabei wird gespielt und gesungen, Pfadfindertechniken werden vermittelt, und es geht auf Reisen: in diesem Sommer auf Segeltörn nach Estland, in früheren Jahren zum Reiten in die Mongolei, zum Wandern in die USA oder nach Sibirien und künftig immer öfter in den Taunus auf den eigenen Zeltplatz Wilhelmshöhe.

Informationen gibt’s bei Volker Michel, Tel. 0 60 31/77 26 56 sowie 01 75/3 55 06 36 oder per E-Mail: mickel@kreuzfahrer.org. (jw)

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