Metzgerei Herold will wissen, woran sie ist

Friedberg (har/ütz). Metzgermeister Frank Herold durchlebt wie die anderen Geschäfte in der Fauerbacher Straße eine schwierige Phase wegen der gegenwärtigen Sperrung des Abschnitts bis zur Dorheimer Straße (die WZ berichtete). Bei ihm kommen aber noch ganz andere Probleme hinzu.
17. Juli 2008, 17:40 Uhr
Hier soll der Kreisel entstehen, und das Eck- wie auch das Kühlhaus sollen abgerissen werden. (Foto: Schuchardt)

Denn: An der Ecke Fauerbacher/Fritz-Reuter-Straße soll im Zuge der Teilortsumgehung Fauerbach ein Kreisverkehr gebaut werden. Dazu freilich würde ein Teil des Herold-Grundstücks benötigt. Unter anderem müsste das Schlachthaus dem Kreisel weichen. Die Stadt hat der Metzgerei schon ein Ersatzgrundstück im neuen Teil des Gewerbegebiets West angeboten. Aber: Herold würde nur umziehen, wenn er vom Amt für Straßen und Verkehrswesen (ASV) eine ausreichende Entschädigung erhält. Die Zeit dränge für die Entscheidung, sagt er. Aber etwas Verbindliches hat er vom ASV bislang nicht gehört.

Herold hatte ursprünglich mit dem Gelände der Metzgerei, die 1900 von seinem Urgroßvater gegründet wurde, etwas ganz anderes vor, als es zu verkaufen. Vor zehn Jahren hatte er einen Bauantrag gestellt, um den Betrieb um eine Küche und Sozialräume zu erweitern. »Meine erste Planung wurde zurückgewiesen, weil eine Zweckentfremdung von Wohnfläche bemängelt wurde«, erzählt er. Er reichte also eine neue Planung ein, die auch vom Bauamt genehmigt wurde. »Der Architekt wurde bezahlt, die Statik erstellt, doch dann sagte die Straßenbauverwaltung nein«, so Herold.

Schon damals gab es den Plan der Teilortsumgehung durch eine Verlängerung der L 3351. »Da wäre meine Betriebseinfahrt weggefallen«, so Herold. Seitdem habe sich nichts getan, bis zur Vorstellung der neuen Planung mit einem Kreisel im April vergangenen Jahres. Wird diese Planung umgesetzt, müssten das Eckhaus, das Schlachthaus und ein Teil des Kühlraums abgerissen werden. Es habe, berichtet Herold, ein Gespräch mit dem Ersten Stadtrat Peter Ziebarth, den Amtsleitern und Vertretern der Straßenverkehrsbehörde stattgefunden, in dem ihm ein Grundstück im neuen Gewerbegebiet angeboten worden sei. Ob er dies annehmen soll, weiß Herold nicht. Denn wann mit dem Bau des Kreisels und der Ortsumgehung begonnen wird und ob die Planung so bleibt, das könne ihm derzeit niemand verbindlich sagen.

»Mir läuft die Zeit weg, ich müsste investieren und kann nicht«, so Herold, denn bis Ende 2009 müsse im Schlachthaus unter anderem eine Hygieneschleuse eingebaut werden, weil dann eine neue Verordnung in Kraft trete. »Wenn ich die neue Zertifizierung als Schlachtbetrieb nicht erhalte, kann ich nicht mehr schlachten, und wofür soll ich investieren, wenn ich nicht weiß, ob sich das überhaupt lohnt?«, fragt Herold, der zudem im Plan für den Kreisel eine Merkwürdigkeit festgestellt hat.

Der Kreisel sei gar nicht komplett durchgeplant worden, denn auf den Grundstücken Fauerbacher Straße 78 und 85 klafften weiße Lücken, der Kreis sei nicht komplett geschlossen. Auch diese Häuser würden wohl in Mitleidenschaft gezogen, mutmaßt der Metzgermeister und fragt sich, warum die betroffenen Straßen nicht um nur wenige Meter in Richtung Nordwesten verschwenkt werden und der Kreisel auf dem brachliegenden einstigen Zuckerfabrikgelände gebaut wird. »Man könnte doch dem Investor dieses Stück abkaufen, der baut hier ohnehin keine Wohnhäuser mehr«, sagt Herold.

Dem widerspricht auf Anfrage der WZ jedoch Frank Kaiser vom zuständigen ASV Schotten: »Wir können nicht den Kreismittelpunkt einfach verschieben, der Kreisel wäre dann nicht ausreichend verkehrssicher.« Erstaunt war Kaiser über den nicht vollständig eingezeichneten Kreisel auf dem Plan, den Herold besitzt: »Wir haben den Kreisel vollständig durchgeplant«, erklärt Kaiser und versichert, dass die Gebäude auf den beiden anderen Grundstücke vom Kreiselbau nicht betroffen seien. Nach wie vor halte das ASV an den Planungen fest, und derzeit werde in einem Gutachten der betriebswirtschaftliche Wert des Heroldschen Grundstücks ermittelt, um eine entsprechende Entschädigung für den Abriss zahlen zu können. Einen genauen Zeitplan konnte Kaiser allerdings auch nicht nennen.

»Ich will eigentlich nur endlich wissen, wie es weitergeht, egal in welche Richtung«, erklärt Herold abschließend und ergänzt: »Man wird ja auch älter, und ich will nicht gezwungen sein, noch mit 70 hinter der Theke zu stehen, weil ich die Kredite abbezahlen muss.«
Bürgermeister Michael Keller hat Verständnis für den Metzgermeister. Deshalb habe man auch versucht, beim ASV Druck bezüglich des Wertgutachtens zu machen. Herold müsse in der Tat »zeitnah wissen, was kommt«. Die Stadt stehe jedenfalls mit ihrem Angebot im Gewerbegebiet West »immer Gewehr bei Fuß«.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Gewerbegebiete
  • Kaiserinnen und Kaiser
  • Michael Keller
  • Planung
  • Schlachthöfe
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.
0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung (Noch Zeichen verfügbar)





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 31 - 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.