Florstadt

Rechte Szene lockt Jungs

16. März 2014, 15:33 Uhr

Doch kamen 20 Besucher zur Auftaktveranstaltung des Jugendbildungswerks des Wetteraukreises in den Saal Lux, um den Ausführungen des Referenten Andreas Hechler vom Institut für Bildung und Forschung in Berlin zu lauschen. Galt es doch zu klären, warum insbesondere Jungen den Lockrufen der rechten Szene folgen.

Bürgermeister Herbert Unger wies in seiner Begrüßung auf die Bedeutung der gesamten Problematik hin und hieß insbesondere die Florstädter Kooperationspartner, die Jugendpflege Florstadt mit Jörg Pfaffenroth und die Florstädter Kindergruppen mit Peter Eickmann, herzlich willkommen. Für den Wetteraukreis hatte zuvor Thorsten Jakob die Gründe erläutert, die das Jugendbildungswerk zur Vortragsreihe »Im Blick.Punkt: Jungs« veranlasst haben. Nach seinen Worten sollen insbesondere »Ressourcen und Potentiale von Jungen angesprochen werden, die für einen wertschätzenden Umgang und eine zukunftsweisende Arbeit unverzichtbar sind«.

Mit alarmierenden Zahlen startete Thomas Hechler seinen sachkundigen Vortrag, der phasenweise wohl zu wissenschaftlich aufbereitet war. So kritisierte daher in der Diskussion eine Bürgerin, dass sie sich mehr praktische Hinweise zur Bewältigung der Probleme gewünscht hätte. Nach den Worten von Hechler hat es allein in den ersten neun Wochen des neuen Jahres in der Bundesrepublik 21 rassistisch geprägte Angriffe aus der rechtsradikalen Szene gegeben. Es gelte, Ursachenforschung zu betreiben. Dabei sei es sehr wichtig, dass sich die Gesellschaft mit den »Geschlechterverhältnissen« aktiv auseinandersetze. Eine besondere Rolle spiele die Männlichkeit, das Bestreben für den Einzelnen, ein echter Junge oder ein echter Mann zu werden. Die Jugendlichen hofften, gerade in der rechten Szene zu erfahren, wie Männlichkeit erworben und gelebt werden kann. Im Detail nannte der Referent hierzu Beispiele, die per Bildpräsentation ein besonderes Gewicht erhielten. Beispielsweise kämpften die Neonazis massiv gegen »Gender Mainstreaming« an, weil sie darin unter anderem eine »Verweichlichung« der Männlichkeit befürchteten. Die Geschlechterrolle sei klar beschrieben: Der Mann muss weiß, nicht-jüdischer Herkunft und heterosexuell sein. Männer hätten die Familie zu versorgen und zu verteidigen, während Frauen Kinder zu gebären und den Haushalt zu führen hätten. Kinderschänder und Schwule würden oft in der rechten Szene als Täter diskriminiert, Migranten für Übergriffe verantwortlich gemacht. Verschwiegen werde dabei, dass es gerade bei szeneangehörigen Männern um das Kindeswohl nicht unbedingt gut bestellt sei und sexuelle Übergriffe auf Frauen vermehrt zu beklagen seien.

Thomas Hechler gestand ein, dass es sehr schwierig sei, die Phalanx der Männlichkeit und die hierarchischen Strukturen der Neonazis zu unterbinden. Es gelte, Mitläufer sowie Sympathisanten aus der rechten Szene bei der Entwicklung der eigenen Individualität mit vielfältigen Angeboten zu unterstützen, Protest und Kritik als wichtige Elemente der Demokratie zu stärken. Vielen Ex-Nazis sei es in der Tat nach ihrem Ausscheiden aus der rechten Szene peinlich zu erfahren, was sie alles gesagt und gedacht haben. Neonazismus zerstöre nicht nur traditionelle Werte, sondern verschlechterte auch die Lebenssituation des Einzelnen.

In der Diskussion wurden leidenschaftlich umfassende Aufklärung und konkretes Gegensteuern gefordert. Helfen könnten dabei die Aufwertung der Jugendarbeit und die Verbesserung der Schulsozialarbeit, um der Szene den Nährboden für neonazistische Tendenzen zu entziehen.

Die Gesellschaft sei gefordert, Verantwortung bei der Bekämpfung des Neonazismus zu übernehmen. Thomas Hechler würdigte abschließend auch die Bemühungen von Vereinen, sich gegen neonazistische Tendenzen zur Wehr zu setzen. Gleichzeitig warnte er aber auch vor einer möglichen Unterwanderung.

Der nächste Vortrag steht am 9. April im »Alten Rathaus« in Assenheim auf dem Programm, Thema: Natürliche Lernwelten für Jungs im Kindergartenalter – am Beispiel Waldkindergarten«.

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