Asylbewerberunterkunft mit Steinen beworfen

Florstadt (dpa/dab). In Nieder-Florstadt ist in der Nacht zum Mittwoch eine Asylbewerberunterkunft mit Steinen beworfen worden. Dabei seien zwei Fensterscheiben zu Bruch gegangen, eine weitere sei beschädigt worden, teilte die Polizei mit. Außerdem gab es in derselben Nacht eine Sachbeschädigung am Gebetsraum der Ahmadiyya-Gemeinde.
24. Februar 2016, 11:43 Uhr
Ein Loch klafft in der Fensterscheibe. (Foto: sl)

An einer städtischen Bank, die direkt an diesem Raum der islamischen Glaubensgemeinschaft in Nieder-Florstadt steht, wurde ebenfalls Vandalismus festgestellt. In derselben Straße wurde zudem ein Fahrzeug mit Klebeband umwickelt.

Verletzt wurde niemand, der Sachschaden an der Flüchtlingsunterkunft beläuft sich jedoch auf rund 2000 Euro. Weil am Tatort An der Linde, am Ortseingang von Nieder-Florstadt in Richtung Reichelsheim, sowie im Ortskern von Nieder-Florstadt, nämlich am Messeplatz, Zettel mit entsprechenden Äußerungen gefunden wurden, vermutet die Polizei einen fremdenfeindlichen Hintergrund. In der Wetterau sei dies der erste Vorfall dieser Art, teilte sie auf Nachfrage mit.

In Florstadt leben derzeit 84 Flüchtlinge in sieben Unterkünften, auf fünf der sechs Stadtteile verteilt. In dem Haus in Nieder-Florstadt, das in der Nacht attackiert wurde, leben momentan 18 Menschen, zum Großteil alleinstehende Männer. Die meisten davon stammen aus Syrien, aber auch aus Iran, Irak und Algerien.

Bürgermeister Herbert Unger sagte, er sei enttäuscht und verärgert. "Das ist blanker Ausländerhass." Er teile die Einschätzung der Polizei, die eine spontane Aktion vermutet und keine, die von langer Hand vorbereitet war. Seine persönliche Meinung sei, dass es sich bei den Tätern um Jugendliche handele, die womöglich unter Alkohol- oder Drogeneinfluss gestanden hätten. Natürlich seien die Taten auch politisch motiviert gewesen, sonst hätten die Unbekannten keine Zettel mit handschriftlich verfassten fremdenfeindlichen Parolen hinterlassen. Unger sprach von »ungehemmtem Übermut und vor allem Hirnlosigkeit«.

Hinweise, dass es einen Zusammenhang zu dem Vorfall am Faschingsdienstag vor dem Bürgerhaus in Stammheim geben könnte, liegen der Polizei offenbar nicht vor. Am Abend des 9. Februar war dort ein junges Pärchen angegriffen worden: Sie wurde von zwei Männern unsittlich angefasst, er wurde beim Versuch, sie zu verteidigen, mit einer Klinge im Gesicht verletzt. Der Algerier, der seither in Untersuchungshaft sitzt, war in der Nieder-Florstädter Flüchtlingsunterkunft gemeldet. Diese Information hatte die Polizei seinerzeit aber nicht öffentlich gemacht. "Ob er in dem Haus in Nieder-Florstadt auch tatsächlich gewohnt hat, entzieht sich unserer Kenntnis", sagte Polizeisprecherin Sylvia Frech.

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