Jede Menge Gegenwind bei Infoabend

Butzbach-Münster (fef). Am Freitagabend gab es im Dorfgemeinschaftshaus jede Menge Gegenwind: Die Münsterer hatten sich Hilfe geholt bei der Waldsolmser Interessengemeinschaft »Gegenwind«.
16. Juni 2013, 18:33 Uhr
Die Initiatorinnen des Infoabends vor dem maßstabgetreuen Modell eines Windrads im Verhältnis 1:87, von links: Ragna Langer, Birgit Langton und Gerlinde Andres holen sich Unterstützung bei der Interessengemeinschaft »Gegenwind« Waldsolms.

Roland Hörster und einige Mitstreiter aus der Nachbarkommune hielten einen Vortrag über Windräder in Wäldern und deren Nebenwirkungen. Denn wenn es nach dem Willen der Butzbacher Stadtverordneten geht, könnten schon in wenigen Jahren drei Windkrafträder das Bild des Philippsecks bestimmen.

Die Befürchtung: Durch die Errichtung von Windkraftanlagen im Naturpark Hochtaunus, also zwischen Hoch-Weisel und Bodenrod, könnte das erst kürzlich renaturierte Isseltal mit seinen Kulturdenkmälern, wie zum Beispiel die Isselquelle oder die Isselteiche, bedroht sein.

Um dies zu verhindern, haben sich drei Frauen aus Münster zusammengeschlossen: Ragna Langer, Gerlinde Andres und Birgit Langton. Sie wollen vor der Bedrohung warnen und die Anwohner aufklären. Denn Windkrafträder seien keine idyllischen Windrädchen, sondern riesige Kolosse, die durch ihren Schattenwurf, die monotonen Geräuschen und den nicht wahrnehmbaren, aber womöglich problematischen Infraschall gesundheitliche Schäden verursachen könnten, betonte »Gegenwind«-Sprecher Hörster. Ob die drei Frauen aus Münster ebenfalls eine Interessensgemeinschaft gründen werden, war am Freitag noch offen. Gegen die Windräder kämpfen würden sie aber auf jeden Fall, sagte Andres.

Die Initiatorinnen betonten, sie sperrten sich nicht per se gegen Windkraftanlagen, Atomkraft stelle keine Alternative da. »Wir sind nur zu der Überzeugung gelangt, dass Windkrafträder von fast 200 Metern Höhe nichts im Naturpark Hochtaunus zu suchen haben«, erklärte Andres. Das Isseltal sei vor nicht allzu langer Zeit für viel Geld renaturiert worden. »Wir haben endlich wieder Tierarten wie den Uhu, den Roten Milan oder Schwarzstorche gesehen.« Windräder würden oft das Aus für diese Vogelarten bedeuten, erklärte Hörster in seinem bebilderten Vortrag.

Aber nicht nur Tiere, auch die übrige Natur leide sehr unter der Errichtung von Windrädern. Bäume müssten gefällt werden, und der Waldboden werde durch die konstante Frequentierung von 40-Tonnern stark belastet.

Vor allem monierte Hörster, dass das Motiv, umweltschonender zu agieren, mit Windrädern derzeit nicht erreichbar sei. Denn allein das Fundament einer Windkraftanlage müsse energieaufwändig hergestellt werden. Ganz zu schweigen von den hohen energetischen Produktionskosten der Anlagen selbst.

Ein weiteres Problem seien die Vogelzüge. Insbesondere Kraniche seien in der entsprechenden Jahreszeit stark gefährdet. Durch die Unregelmäßigkeit der Kranichzüge – Beobachter hätten die Vögel schon im Dezember vorbeiziehen sehen – komme eine Abschaltung der Anlagen in der Hochsaison nur bedingt in Frage, da der Zeitraum mittlerweile zu groß und somit für die Betreiber zu unwirtschaftlich sei. Im Winter könnten zudem Eisschichten von den Rotorblättern bis zu 500 Meter weit geschleudert werden.

Darüber hinaus könnten mögliche Motorbrände der Anlagen im Sommer die Feuerwehren unter Druck setzen. Denn löschen könne man die Windkrafträder nicht. »Man lässt sie kontrolliert abbrennen«, sagte Hörster. Dies könne bei lang anhaltender Dürre zu einer Katastrophe führen.

Freilich sorgten sich viele der über 140 Anwesenden auch um ihr Hab und Gut. Nach einer Studie der Universität Frankfurt können Häuser in der Nähe solcher Anlagen zwischen 30 und 40 Prozent ihres Werts verlieren. »Uns geht es aber vor allem um unsere eigene Gesundheit und um die Tiere«, betonte Langton.

Die Frauen ärgerten sich auch darüber, dass sie nur durch Zufall von dem Vorhaben der Stadt erfahren hätten. Ein Autofahrer habe Langton angehalten und sie gefragt, warum man gerade hier Windräder errichten müsse. »Das war ein Schock für mich.« Keine Woche später hatten sich die Münsterinnen getroffen und einen Aufruf mit Flyern und Plakaten gestartet. »Das war richtig schwer, bis wir diesen Infoabend stehen hatten«, sagte Langer.

Viel Lob gab’s dafür in der Diskussionsrunde, die sich den Vorträgen von Langton und Hörster anschloss. Nur wenige Windkraftbefürworter meldeten sich zu Wort. Sie forderten, den Klimawandel nicht aus den Augen zu verlieren und Windkraftanlagen als eine, in der hiesigen Region praktikable Energieressource zu nutzen.

Viele Bürger prangerten die Butzbacher Politik an, deren parlamentarische Verfahren – nach ihrer Meinung – »am Bürger vorbei« gingen. Ein Bürger hatte eine Landkarte vorbereitet, auf der er die Wohnorte der Magistratsmitglieder und die geplanten Standorte der Windkrafträder eingezeichnet hatte. Die Frage, weshalb die Region zwischen Hoch-Weisel und Bodenrod auserkoren wurde, beantwortete er so: »Schauen Sie sich an, wo die Magistratsmitglieder wohnen, dann kennen Sie den Grund.«

Die Organisatorinnen riefen zur Teilnahme an der Bürgerversammlung am Dienstag um 19 Uhr in der Hausberghalle Hoch-Weisel auf. Dort will die Stadt zum Projekt Stellung nehmen. (Foto: fef)

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