Tornado lässt Dächer fliegen

Butzbach (jw). Fünf Minuten eher und das Blechdach wäre vor den Füßen von Dagmar und Achim Heckenmüller gelandet. Die beiden 62-Jährigen waren vor dem Regen ins Haus geflüchtet, als in ihrem Garten ein seltsames »Fluggerät« landete. Ein Tornado hat am Sonntag zwei Wellblechdächer der Kelterei Müller in Ostheim abgedeckt.
06. Juni 2016, 19:03 Uhr
(Foto: pv)

Wir haben gerade im Garten Kaffee getrunken«, sagt Dagmar Heckenmüller. Gegen 17.45 Uhr regnete und donnerte es. Sie und ihr Mann Achim zogen sich in ihr Haus unweit der Ostheimer Kirche zurück. Zum Glück. »Fünf Minuten später hörte ich ein Geräusch, als ob man mit einem Blech wackelt.« Ihr Mann sah das Dach anfliegen. »Es wurde dunkel, dann tat es einen Schlag.«

Gestern bestätigte der Deutsche Wetterdienst: Ein Tornado zog über den Butzbacher Stadtteil. Er hatte einen Durchmesser von 100 Metern, bewegte sich mit 20 bis 30 Kilometern pro Stunde wenige Minuten auf dem Boden – das Kriterium, das eine Windhose zum Tornado macht. Allerdings handelte es sich »nur« um einen Tornado der Stufe F 0 (bis 117 km/h) oder F 1; Meteorologen kennen sieben Tornadostufen.

»Das war nicht so spektakulär«, sagt Tina Müller-Diehl von der Kelterei Müller. Die Wellblechdächer der Kläranlage und des Bürotrakts wurden fortgerissen. Teile landeten wenige Meter weiter im Hof oder in einem Baum, das größte Teil flog über die Nachbarhäuser und landete bei Familie Heckenmüller im Garten. Auch in der Nachbarschaft wurden einige Dachziegeln abgedeckt. »Die schwarzen und grauen Leergutkisten sind umgefallen, die orangenen daneben nicht«, zeigt Müller-Diehl auf eine Ecke des Betriebsgeländes. Es war nur ein schmaler Korridor, in dem sich der Tornado bewegte. In den angrenzenden Feldern wurde die Frucht an einigen Stellen plattgedrückt.

Müller-Diehl hat ihre Versicherung benachrichtigt, der Dachdecker war schon da. Die Schadenshöhe weiß sie noch nicht. Heckenmüller schätzt ihren Schaden auf ein paar Tausend Euro. Gartenhaus und Freisitz wurden beschädigt. »Und meine Hortensien sehen jetzt nicht mehr wirklich gut aus.«

»Wellblechdächer bieten eine gute Angriffsfläche«, sagt Daniel Rüd aus Wölfersheim. Er betreibt eine eigene Wetter-Homepage, arbeitet als IT-Dienstleister für einen Schweizer Wetterdienst und sammelt Daten für die Tornado-Arbeitsgruppe Deutschland. 30 bis 60 Tornados würden pro Jahr in Deutschland beobachtet. Dass sie zunehmen, kann Rüd nicht bestätigen. »Es hat halt jeder ein Smartphone und filmt die Tornados.«

»Sturmjäger« unterwegs

Zu den »Sturmjägern«, die rausfahren und Daten für den Wetterdienst sammeln, gehört auch der 20-jährige Student Jonas Piontek aus Lich. Auf der Facebook-Seite »Gewitterjagd« posten er und Gleichgesinnte Fotos, Filme und Berichte. Das ist nicht ungefährlich. »Man muss stets im Kopf haben, dass es ungemütlich ausgehen kann, wenn ein Blitz einschlägt.« Ihn fasziniere die rohe Naturgewalt, sagt Piontek: »Trotz der Zerstörungen: Die Ästhetik ist einzigartig.« Wann der nächste Tornado im Anmarsch ist? Piontek: »Das weiß keiner, aber die Ausgangslage ist derzeit die gleiche wie am Sonntagabend. Es kann genau jetzt passieren.«

Tipps rund um Tornados

Was tun, wenn ein Tornado naht? Wetterexperte Daniel Rüd sagt: In einen Raum ohne Fenster gehen, am besten im Erdgeschoss oder im Keller. Sitzt man im Auto und ein Tornado zieht genau auf einen zu, solle man nach links oder rechts flüchten oder, wenn das nicht möglich ist, aussteigen sich flach in einen Straßengraben legen. Weitere Infos über Tornados in der Wetterau gibt’s auf der Facebookseite »Gewitterjagd« und auf www.Tornadoliste.de.

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