Protest gegen Besuch von AfD-Mann Björn Höcke

27. November 2016, 18:23 Uhr
In der Nähe der AfD-Veranstaltung protestieren gut 100 Menschen gegen die Rassisten und Rechtspopulisten.

Das Bündnis für Demokratie und Vielfalt hat zur Mahnwache eingeladen. Auch Bürgermeister Erich Spamer (FWG) ist dabei. Höcke und Hofsommer seien »Rassisten der übelsten Sorte«, sagt Marcus Schmitt von der Antifaschistischen Bildungsinitiative Main-Taunus. Höcke wünsche sich den Faschismus zurück; der früherer CDU-Landtagsabgeordnete Hofsommer sei damals als Rektor durch ausländerfeindliche Aussagen im Unterricht aufgefallen. »Wir haben wirklich ein Integrationsproblem in Deutschland,« findet Florian Stenzel von den Jusos Gießen, »Denn die AfD will sich nicht in unsere Gesellschaft integrieren.« Boris Winter, Sprecher des Bündnisses, betont, Büdingen sei kein braunes Nest. Mindestens 90 Prozent der Einwohner seien gegen die Braunen, sagt er. »Büdingen hat etwas anderes verdient als schlechte Presse durch Nazis.« Im Anschluss an die Mahnwache zieht eine kleine Gruppe von Demonstranten mit Transparenten vor das Haus und verschafft sich Gehör.

Drinnen im Haus Sonnenborn ist das Publikum jünger und bunter als bei anderen Veranstaltungen der AfD. Einige haben sogar einen Migrationshintergrund –wie die beiden Sicherheitsmänner, die das Rednerpult während Hochsommers Ansprache flankieren. Dass die AfD in immer kürzeren Abständen Veranstaltungen mit Parteiprominenz in der Stadt abhält, liegt an den guten Rahmenbedingungen. Es gibt den aktiven Kreisverband Wetterau und einen Versammlungsraum, der an die AfD vermietet wird. In drei anderen Landkreisen habe die Junge Alternative vergeblich versucht, einen Raum zu bekommen, berichtet der JA-Vorsitzende Fabian Flecken mit einem Dank an den Wirt.

Die Schlagworte Nation, Volk und Vaterland bestimmen den Abend – Themen, die nach der Ära Lucke die Euroskepsis als Hauptbotschaft der AfD abgelöst haben. »Wir haben jedes Recht, unser Volk vor einem gefährlichen Einwanderungsorkan zu schützen«, sagt Flecken. Auch Hofsommer und Höcke sprechen in ihren Reden im Zusammenhang mit der Aufnahme von Flüchtlingen wiederholt von einer »Invasion«. Parolen stehen im Vordergrund. Hofsommer argumentiert oft mit der deutschen Geschichte, die mehr sei »als eine Kette von Irrtümern und Katastrophen«. Je länger 1945 zurückliege, desto mehr täten die Deutschen öffentlich Buße, spricht er sich für einen Schlussstrich unter die bisherige Vergangenheitsbewältigung aus. »Wenn das so weitergeht, müssen wir uns noch bei den Italienern entschuldigen, denen Herrmann der Cherusker gezeigt hat, wo der Barthel den Most holt.«

Für den Betrachter erscheint manches widersprüchlich. So spricht sich Hofsommer wie auch Höcke für eine Rückkehr zu preußischen Tugenden wie Ehrlichkeit, Gerechtigkeit, Fleiß, Pflichtbewusstsein und auch Toleranz aus. Wobei Höcke deutlich zwischen Akzeptanz, andere Menschen in ihrem Anderssein annehmen, und der Toleranz, die den anderen nur ertrage, unterscheidet. Für Hofsommer ist klar, wo die Grenzen der Toleranz liegen: »Am Bosporus ist Schluss für die drei M«, wie er »Moschee, Minarett und Muezzin« zusammenfasst.

Höcke spricht auch über die Zukunft der AfD im Verhältnis zu anderen Parteien. Unter großem Beifall verspricht er, dass die Partei nicht der Juniorpartner in einer Koalition mit einer der Altparteien sein werde. »Die CDU ist auf einem Weg ohne Wiederkehr«, sagt er voraus. Merkel hebe mit ihrer erneuten »Kanzlerdiktatur« der Union »das Grab aus«. Alle wechselwilligen CDU-Mitglieder werde die AfD nicht aufnehmen können, erklärt Höcke. »Die wenigen Patrioten können kommen, dann wird der Rest der CDU mit Merkel untergehen.« Anschließend wendet er sich direkt an die Parteijugend und schwört sie auf einen »langen, entbehrungsreichen Weg« ein. »Aber es ist ein Weg des totalen Triumphes«, betont der Thüringer Geschichtslehrer – und bedient sich dabei einschlägiger NS-Rhetorik.

Bevor der Nachwuchs aber Karriere in der AfD machen könne, müsse er Bedingungen erfüllen. »Ich will Euch mit einem Beruf haben«, fordert Höcke. Denn wer keinen Beruf habe, werde von der Politik abhängig. Außerdem sollten sie sich fortpflanzen, »denn ohne Kinder hat unser Volk keine Zukunft«. Die Jugend solle sich »im Dienen verzehren«. »Ihr sollt die neuen Preußen werden.«

Schlagworte in diesem Artikel

    Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.
0
Kommentare | Kommentieren

Mehr zum Thema

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung (Noch Zeichen verfügbar)





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 4 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.