Büdingen

Vandalismus überschattet Bürgerprotest gegen Rechts

24. Januar 2016, 20:13 Uhr
Rund 120 Bürger demonstrieren am Samstag in Büdingen gegen eine NPD-Veranstaltung und werben für Toleranz.

Etwa 45 Personen haben am Samstag eine NPD-Wahlkampfveranstaltung in der Büdinger Willi-Zinnkann-Halle besucht. Die Polizei hatte sich auf mehr Teilnehmer eingestellt und war daher mit mehreren Einheiten vor Ort, zumal sich auch Gegendemonstranten angekündigt hatten. Der bürgerliche Protest verlief friedlich, wurde jedoch von mutmaßlich politisch motiviertem Vandalismus überschattet.

Wie die Polizei mitteilt, wurden bereits am Samstagmorgen zwischen 5 Uhr und 5.45 Uhr nahezu sämtliche Fensterscheiben an der Parkplatz-Seite der Halle eingeschlagen. Christof Stark, Leiter der Polizeistation Büdingen, berichtet, dass seine Beamten das Gebäude in der Nacht beobachtet hätten. Allerdings hätten die Täter offenbar ihrerseits die Polizei beobachtet, um unentdeckt die Scheiben einschlagen zu können.

Bürgermeister Erich Spamer spricht von einem Schaden in Höhe von bis zu 25 000 Euro. Die Scheiben seien aus Isolier- und teilweise speziellem Schutzglas gewesen. »Es muss offensichtlich mit einem Pickel oder etwas ähnlichem gemacht worden sein«, vermutet er. Anders sei die Art der Beschädigungen nicht zu erklären. Steine habe man in der Halle nämlich nicht gefunden. Spamer nimmt an, dass die Versicherung für die Kosten der Schadensbehebung aufkommt.

Der Bauhof hatte noch am Morgen die zerstörten Fensterscheiben durch Spanplatten ersetzt. So konnte die NPD ihre Veranstaltung ungehindert abhalten. Die große Halle hätte sie allerdings nicht benötigt. Angesichts der geringen Resonanz, sehen sich Beobachter der rechten Szene in der Wetterau bestätigt, dass die hiesige NPD geschwächt ist. Dafür spreche auch, dass die Demonstration am kommenden Samstag von einer Person aus dem Rheinland angemeldet worden sei.

Die Gegendemonstranten, die in einer unmittelbar angrenzenden Halle eine teils lautstarke Kundgebung gegen Rechtsextremismus und für Weltoffenheit abhielten, waren mit rund 120 Teilnehmern in der deutlichen Überzahl. Allerdings verurteilten sie auch die Zerstörungen an der Willi-Zinnkann-Halle. Andreas Balser, Vorsitzender der Antifaschistischen Bildungsinitiative (Antifa-BI), die seit Jahren über Rechtsextremismus in der Wetterau aufklärt, sagt: »Das ist selten dämlich.« Denn wenn es zutreffe, dass die Täter Gegner der NPD-Veranstaltung gewesen seien, hätten sie das Gegenteil von dem erreicht, was sie beabsichtigt hätten. »Die Leute, die das gemacht haben, haben den Gegendemonstranten geschadet und nützen somit der NPD«, meint Balser.

Gewalt grundsätzlich inakzeptabel

Auch Manfred Scheid-Varisco, Vorsitzender der Büdinger SPD und Organisator der Proteste gegen die NPD, betont, dass Gewalt gegen Personen und Sachen als Mittel des Protests nicht akzeptabel sei. Ganz bewusst hätten sich die Gegner der Demonstration am nächsten Samstag für eine ortsfeste Kundgebung entschieden, um Eskalationen zu vermeiden. Es habe auch Vorschläge gegeben, mit geschlossenen Fenstern und Türen gegen die NPD-Veranstaltung zu protestieren, berichtet Scheidt-Varisco. Er glaube allerdings nicht, dass man auf diese Weise gewaltbereite Gegendemonstranten aufgehalten hätte. »Die Leute kommen nicht wegen uns, sondern wegen der Nazis«, stellt er klar. Es sei wichtig, ein bürgerliches Gegengewicht zu schaffen. »Uns schließen sich friedliche Bürger an, die zeigen wollen, dass so etwas in Büdingen nichts zu suchen hat.«

Gegen die mutwilligen Zerstörungen an der Willi-Zinnkann-Halle wendet sich in einer Pressemitteilung auch die Junge Union der Stadt. Sie fordert die Täter auf, sich zu stellen und erwartet zugleich deren konsequente Bestrafung.

Hinweise nimmt die Polizei Büdingen unter der Tel. 0 60 42/9 64 80 entgegen.

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