Bauen im Kurpark

Ärger um Hotel im Kurpark

In der Bad Vilbeler Kommunalpolitik sorgt das im Kurpark geplante Hotel für mächtig Ärger. Gleich bei der ersten öffentlichen Abstimmung fiel der Bebauungsplan durch. Dafür gibt es Gründe.
07. Dezember 2017, 05:00 Uhr
Diese alten Bäume im westlichen Bad Vilbeler Kurpark werden dem Hotelneubau weichen müssen. Damit sind viele Kommunalpolitiker nicht einverstanden. Im Ortsbeirat der Kernstadt ist der Plan nach emotionaler Debatte durchgefallen. (Foto: pe)

Der westliche Teil des Kurparks wird sich in den kommenden Jahren stark verändern. Das Kurhaus wird saniert, eine neue Stadthalle wird dort entstehen, wo sich jetzt noch der City-Parkplatz befindet. All das haben die Stadtverordneten Mitte Oktober einstimmig beschlossen. Doch beim entlang der Kasseler Straße geplanten Hotel hören die Gemeinsamkeiten auf. Mehr noch: Der bis zu 24 Meter hohe Hotelkomplex soll ausgerechnet dort entstehen, wo alter Baumbestand das Gesicht des Kurparks prägt. Als der entsprechende Bebauungsplan erstmals öffentlich im Ortsbeirat der Kernstadt diskutiert wurde, gingen die Wogen hoch.

190 Seiten Bebauungsplan

Zunächst einmal stellte sich heraus, dass die meisten Beiräte das rund 190 Seiten starke Werk erst am Wochenende erhalten hatten. Andere, wie Dr. Sandra Völker (CDU), erst am Tag vor der Sitzung, und CDU-Mann Rolf Bender bis dato noch gar nicht, wie er sich erregte.

Die, die das knapp fünf Zentimeter dicke Werk mit Bebauungsplanentwurf und diversen Gutachten angeschaut hatten, stellten zahlreiche Fragen. Für die Zuhörer war die Diskussion nur schwer zu verfolgen, da auch Erster Stadtrat Sebastian Wysocki nur wenig Konkretes zu dem Hotel sagte. Im Verlauf der Diskussion stellte sich jedoch heraus: Entlang der Kasseler Straße soll ein sechsstöckiger Hotelkomplex mit insgesamt 180 Zimmern errichtet werden, der zur Stadthalle und zum Friedrich-Karl-Sprudel hin abgestuft niedriger wird. Ortsvorsteher Kurt Liebermeister (CDU) sagte, das Hotel schirme den Kurpark vom Bahnlärm ab. Von sechs Geschossen gehe der Bau auf vier, drei und schließlich im Kurpark auf ein Stockwerk herunter. SPD-Beirat Hajo Prassel meinte, das neue Hotel werde zwei Meter höher als die Stadthalle. Zudem würden zwischen Kasseler Straße, Schwarzem Weg und Nidda über 1000 Quadratmeter mehr Fläche zugebaut als jetzt. »Schöne alte Buchen werden gefällt, dafür kriegen wir ein bisschen Begleitgrün.« Er fühle sich »für dumm verkauft«, weil die Verantwortlichen in den Wochen zuvor versprochen hätten, unter dem Strich werde es mehr Grün in diesem Teil des Kurparks geben.

5200 Quadratmeter

Stadtrat Wysocki entgegnete, im Bebauungsplan stehe nur »die Fläche, die rein rechnerisch zu bebauen ist«. In der textlichen Festsetzung stehe, dass 5200 Quadratmeter die höchstzulässige Grundfläche sei. Und: »Alle nicht befestigten Flächen sind zu begrünen.«

Grün erhalten

Die Stadt wolle »möglichst viel Grün erhalten«, sagte Wysocki, musste nach erneuten Nachfragen aber einräumen: »Dass es mehr Grün wird, können wir nicht erreichen.« Er verwies auf einen 16 Meter breiten Grünstreifen, der zum Schwarzen Weg hin erhalten bleibe. Am alten Hallenbad werde der Kurpark sogar noch ausgeweitet. Der Stadtrat bezog sich bei seiner Aussage auf drei neue Bäume, die zwischen künftigem Hotel und der Stadthalle gepflanzt werden sollen.

Dr. Sandra Völker meinte, »wie scheußlich sieht denn dieses Hotel aus?«. Ein wichtiger Teil des Kurparks gehe verloren. Sie schlug vor, das Gelände des ehemaligen Rathauses in der Parkstraße 14 und 15 für den Hotelneubau zu verwenden. Dazu entgegnete Wysocki unter Kopfschütteln der Zuhörer: »Wir brauchen diese Häuser für die Flüchtlinge.«

SPD-Beirätin Katja Meinel kritisierte, es würden viele, bis zu 80 Jahre alte Bäume gefällt, »dafür erhalten wir drei Bäumchen mit einem Stammdurchmesser von 20 Zentimetern«.

Keine Mehrheit

Als der Ortsvorsteher schließlich abstimmen ließ, fand sich keine Mehrheit. Vier CDU-Mitglieder votierten mit Ja, Sandra Völker, die beiden SPD-Vertreter und der Freie Wähler enthielten sich, der Grüne Christopher Mallmann votierte dagegen.

Am kommenden Dienstag, 12. Dezember, diskutiert der Planungs- und Umweltausschuss im Rathausssitzungssaal den Hotelneubau, ehe das Thema am 19. Dezember im Stadtparlament für Diskussionen sorgen wird.

 

Kommentar

Emotionen unterschätzt

Von der ersten Abstimmung in einem städtischen Gremium über den Hotelneubau geht eine gewisse Signalwirkung aus. Nicht alle gehen den Weg der in der Stadt Verantwortlichen mit, den Bereich um das Kurhaus zu modernisieren. Zu große Emotionen hängen an dem alten Baumbestand, die der Magistrat offenbar unterschätzt hat. Außerdem stellt sich die Ankündigung, der jetzige City-Parkplatz werde begrünt und damit dem Kurpark zugeschlagen, als leeres Versprechen heraus. Denn der größte Teil wird für die gewaltige Stadthalle benötigt. Zu den inhaltlichen Gründen kommen noch taktische. Der Magistrat versucht, mit Verweis auf den Hessentag 2020, beim Hotelneubau wie bei Kurhaus und Stadthalle Zeitdruck aufzubauen. Das macht es Feierabendpolitikern schwer, sich mit den dicken Vorlagen ausreichend zu befassen. Wer sich derart überrollt fühlt, kann einem Projekt auch nicht zustimmen. Die Verantwortlichen täten gut daran, in den nächsten Sitzungen ausreichend und verständlich zu informieren und aus dem Hotelprojekt etwas den Druck herauszunehmen. Denn das Hotel kann im Gegensatz zur Stadthalle gewiss noch nach dem Hessentag errichtet werden. (pe)

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