Graffiti-Schule

Hier lernen Jugendliche das Sprayen

Bei Graffiti-Künstler Sebastian Stehr lernen Jugendlichen Kniffe, wie mit Farbe aus Dosen Street-Art entsteht. Die Wand hinter der Kunstschule verändert sich nach jedem Treffen.
14. November 2017, 08:00 Uhr
Sebastian Stehr zeigt, wie dünne und dicke Linien, Schattierungen und Kanten gestaltet werden. (Fotos: fkl)

Ein großes Graffito in intensiv leuchtenden Farbtönen schmückt die Wand. Auf Bänken aus Paletten sitzen die Teilnehmer und malen mit Bleistift ihre Skizzen auf weiße Blätter. Leise ist Musik zu hören. Spraydosen in den unterschiedlichsten Farben mit den klangvollen Namen »Peach«, »psycho Green« oder »supernova Pink« sind in einem gut sortierten Schrank aufbewahrt. Gemütlich ist der kleine Raum in der Kunstschule, in dem noch bis Dezember jeweils am Freitag- und Samstagnachmittag die Graffiti-Schule von Künstler Sebastian Stehr öffnet. »Ich hatte schon länger die Idee, eine Graffiti-Schule zu gründen«, erzählt der Künstler.

Teure Workshops

Die Workshops, die er regelmäßig für die Kunstschule gebe, seien relativ teuer. Bei der Graffiti-Schule handele es sich hingegen um ein kostenloses Angebot, das allen Jugendlichen die Chance gebe, Graffitis zu sprühen. Gefördert wird das Angebot, das es seit Oktober gibt, als Teil des Projektes »Kulturkoffer« des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst.

Künstlerisch austoben

»Ich bin total zufrieden, dass das Projekt so gut angenommen wird«, sagt Stehr. Besonders der Termin am Freitag sei beliebt, dann reiche der Platz im kleinen Graffiti-Raum der Kunstschule kaum für alle Teilnehmer. Die sind mit dem Angebot sehr zufrieden. »Die Graffiti-Schule gefällt mir gut«, sagt Nafiur (18), der bereits seit vier Jahren Workshops von Stehr besucht. »Ich kann mich hier künstlerisch austoben.« Er probiere gerne verschiedene Schriftzüge aus und versuche Cartoon-Elemente darzustellen.

In der Kunstschule gibt es einen bunten Vorrat an Farben. (Foto: fkl)
In der Kunstschule gibt es einen bunten Vorrat an Farben. (Foto: fkl)

Wer seine Skizze fertig hat, macht sich auf den Weg nach draußen in die Kälte, in den Innenhof hinter der Kunstschule. Licht fällt aus den Fenstern auf eine Wand mit bunten Schriftzügen. Darüber können die Teilnehmer ihre fertigen Skizzen sprühen. Stehr gibt bei Bedarf eine kurze Einführung, wie man dünne und dicke Linien, Schattierungen und Kanten gestaltet.

Jugendliche probieren sich im offenen Atelier aus

Mit Mundschutz und Handschuhen ausgestattet, schütteln die Jugendlichen schließlich ihre Sprühdosen und machen sich ans Werk. »Es ist cool, dass man einfach hier herkommen und kostenlos sprühen lernen kann. Das macht Spaß. Es gefällt uns gut, dass man frei ist. Man kann das machen, wie man möchte«, sagen Ole und Jan (beide elf), die gerade dabei sind, die dunkelgelben Umrisse für ihren Spongebob an die Wand zu sprayen.

An der Wand im Innenhof der Kunstschule probieren sich die jungen Graffiti-Künstler aus. (Foto: fkl)
An der Wand im Innenhof der Kunstschule probieren sich die jungen Graffiti-Künstler aus. (...

Freies Gestalten ist Programm. Im offenen Atelier, können sich die Jugendlichen ausprobieren. Es gibt keine Vorgaben. Für Fragen ist Stehr da. »Heute gibt es für alles ein Youtube-Tutorial, man kann alles googeln, es ist alles auf Knopfdruck verfügbar. Da ist es schwierig, Kreativität zu entwickeln. Hier können die Jugendlichen frei arbeiten, sich Dinge frei überlegen.« Seit Steher mit einem Kumpel Ende der 80er angefangen habe zu sprühen, habe Bad Vilbel viele gute Sprayer hervorgebracht. Die Kultur, die in den vergangenen 25 Jahren entstanden sei, wolle er an die neue Generation weitergeben.

Ein Ninja mit braunem Gürtel

Lars (14) sprüht seinem weißen Ninja einen braunen Gürtel an. »Das ist cool, dass man hier nachmittags chillen kann.« In seiner Freizeit zeichne er gerne, durch die Graffiti-Schule habe er das Sprühen kennengelernt: »Das macht echt Spaß.« Als er fertig ist, macht er ein Foto von seinem Kunstwerk. Auch das gehört zum Konzept. Wenn das Werk fertig und fotografiert ist, darf es von den nächsten übersprüht werden.

 

Info

Ein Bild mit vier Farben

Zusätzlich zu den regulären Treffen, die jeweils freitags und samstags noch bis Dezember angeboten werden, gibt es zwei »Battle-Partys«. Das sind Wettbewerbe in Party-Atmosphäre mit gemeinsamem Grillen und Musik. Vom 17. bis 18. November jeweils von 15-20 Uhr gilt es, unter dem Motto »Quick Piece« mit vier Farben in 20 Minuten ein Bild zu sprühen. Vom 24. bis 25. November von 15 bis 20 Uhr können die Teilnehmer eine Skizze entwerfen. Für die Gewinner der »Battles« gibt es Spray-Dosen und Caps. (fkl)

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