Bad Vilbel

Grünes Licht für Großprojekt im Kurpark

Bad Vilbel erhält im Kurpark eine Stadthalle, das alte Kurhaus wird saniert, und in unmittelbarer Nähe soll ein Hotel entstehen. Das hat das Stadtparlament.entschieden. Das Großprojekt könnte eine teure Angelegenheit werden.
12. Oktober 2017, 08:00 Uhr

Der Tagungsort war passend gewählt: Im großen Saal des Kurhauses waren die Stadtverordneten am Dienstagabend zu ihrer Sitzung zusammengekommen. Einziger Tagesordnungspunkt: Vergabe Architektenauftrag Kurhaus/Stadthalle und Grundstücksvergabe Hotelbau. Im Saal, der den Charme des vergangenen Jahrhunderts ausstrahlt, saßen einige, die sich noch gut an die Redeschlachten früherer Zeiten erinnern konnten, als das Parlament regelmäßig dort getagt hatte. Die Zeiten sind längst vorbei, von Redeschlachten war an diesem Abend nichts zu hören. Im Gegenteil: Einhelliges Lob für Ehrenstadtrat Klaus Minkel (CDU), der es mit seinen Mitarbeitern der Stadtwerke geschafft hatte, in kurzer Zeit zur Sanierung des Kurhauses und für den Anbau einer Stadthalle einen Architektenwettbewerb durchzuführen und alle Fraktionen in die Entscheidungsfindung einzubinden.

Orangerie zu groß

Aus acht Entwürfen hatten die Fraktionen teils in getrennten, teils in gemeinsamen Sitzungen den Entwurf herausgefiltert, der am besten gefiel. In einer gemeinsamen Sitzung der Ausschüsse in der Vorwoche war denn auch der einhellige Beschluss gefallen, dem Stuttgarter Architektenbüro Vielmo den Zuschlag zu geben (WZ vom 7. Oktober). Das heißt jedoch nicht, dass er so umgesetzt wird. Schon in der Magistratsvorlage werden kritische Aspekte genannt, etwa der, dass es aus denkmalschützerischer Sicht besser wäre, die Orangerie »in ihrer Ausdehnung zu reduzieren«. Negativ sieht man auch die Ausdehnung des Baukörpers (der Stadthalle) nach Osten hin »mit einer deutlichen Überschneidung zur Flucht des Kurhauses«. Positiv wird angemerkt, dass »dem Park als Grünfläche wieder eine größere Bedeutung und damit auch Wirkung verliehen« werde. Wie berichtet, sieht der Entwurf den Bau einer Stadthalle mit einem Saal mit 1000 bis 1200 Plätzen im rechten Winkel zum Kurhaus und abgesetzt davon vor. Beide Häuser würden mittels einer gläsernen Orangerie miteinander verbunden. Die Redner von CDU, SPD, FDP und Freien Wählern lobten den Entwurf und das transparente Verfahren zur Entscheidungsfindung.

 

Grüne rechnen mit 40 Millionen Euro Kosten

 

Tobias Utter erklärte für die CDU, dies sei »ein besonderer Tag für Bad Vilbel«. SPD-Fraktionschef Christian Kühl sah einen »schönen Tag für die Stadt« und verwies auf die sozialdemokratischen Vorgänger, die das Kurhaus, das damalige Volkshaus, errichtet hätten. Und Jörg-Uwe Hahn (FDP) lobte, »dass bei diesem Projekt alle vernünftig miteinander umgegangen sind«.

Einzig die Grünen gossen Wasser in den Wein und betonten die finanziellen Risiken. Denn das Projekt werde 25 Millionen Euro kosten, »wofür Sie nur den Rohbau der Stadthalle erhalten«, sagte Co-Fraktionschefin Kathrin Anders. Hinzu kämen 13 Millionen Euro für die Tiefgarage und 2 Millionen Euro für die »einfache technische Ausstattung der Stadthalle«. Kostensteigerungen seien dabei noch gar nicht kalkuliert. Stadtrat Minkel konterte, 25 Millionen Euro seien die »kompletten Baukosten«. Die Inneneinrichtung sei aber noch nicht eingerechnet. Das sei ähnlich, wenn man als Privatmann ein Haus baue. »Da ist das Schlafzimmer auch nicht im Preis drin.« In den Kosten sei die Bühnentechnik bereits enthalten. Dennoch schränkte Minkel ein: »Fachleute müssen erst noch belastbare Zahlen liefern.« Die Tiefgarage werde von den Stadtwerken finanziert. Das Gesamtprojekt Kurhaus, Stadthalle und Tiefgarage sei »schuldenfrei finanzierbar«. Man hebe jetzt den »Schatz aus dem Verkauf der Quellenpark-Grundstücke«.

 

So wie auf der Skizze oben stellen sich die Stuttgarter Architekten das sanierte Kurhaus mit Veranstaltungsanbau und Orangerie vor. Das Bild unten zeigt, wie der Bereich zwischen Kurhausrückseite und Friedrich-Karl-Sprudel jetzt aussieht. 	(Fotos: pe/pv)
So wie auf der Skizze oben stellen sich die Stuttgarter Architekten das sanierte Kurhaus m...

Als einer der letzten Redner meldete sich Clemens Breest (Grüne) zu Wort und verwies darauf, dass die Grünflächenbilanz negativ ausfalle (gesonderter Bericht folgt). Schließlich erfolgten nach anderthalbstündiger Debatte die Abstimmungen: Einstimmig für den Stadthallen-Entwurf Vielmo, einstimmig dafür, dass der Magistrat fortlaufend über den Baukostenstand des Großprojekts berichten soll. Keine Mehrheit fand der Antrag der Grünen, die Stadthalle CO2-neutral zu betreiben. Bis auf die Grünen votierten auch alle für den Hotelneubau.

 

Kommentar

Nicht ohne Risiken

Zweifellos haben die Vilbeler Stadtverordneten ein Projekt von historischer Tragweite auf den Weg gebracht. Bis zum Hessentag im Jahr 2020 soll das marode Kurhaus saniert und um eine Stadthalle ergänzt werden. Dass dieses Großprojekt angepackt wird, ist zwingend notwendig. Denn ausgerechnet in der Stadtmitte fehlt ein großer Veranstaltungsort. Bei aller Freude darüber, dass das alte Volkshaus saniert wird, dürfen die Risiken nicht übersehen werden. Die stecken bekanntlich im Detail. So weiß zurzeit niemand, was alles zum Vorschein kommt, wenn das Kurhaus erstmal entkernt wird. Und für den Bau der neuen Stadthalle gibt es nur erste Schätzungen. Die liegen bereits über den 20 Millionen, die im städtischen Haushalt eingestellt sind. Wenn die Grünen auch nur ein bisschen recht haben, könnte noch einiges auf die Vilbeler Steuerzahler zukommen.

Schlagworte in diesem Artikel

  • CDU
  • FDP
  • Freie Wähler
  • Großprojekte
  • Jörg-Uwe Hahn
  • Klaus Minkel
  • Kurparks
  • SPD
  • Stadthallen
  • Bad Vilbel
  • Holger Pegelow
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.
0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung (Noch Zeichen verfügbar)





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10 / 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.