Blühstreifen

So sorgt der Karbener Nabu sorgt für eine Wiese voller Leben

Raupen und Falter, Hasen und Vögel profitieren von einem Blühstreifen, den der Karbener Nabu in diesem Jahr angelegt hat. Mitten zwischen Äckern gibt es nun einen neuen Lebensraum.
11. Oktober 2017, 07:00 Uhr
Professor Roland Prinzinger zeigt eine Brennnessel (l.) und eine Taubnessel, die noch immer Blüten trägt.

»Unseren Nabu-Blühstreifen konnte man bis vor einigen Wochen noch deutlicher erkennen«, sagt Professor Roland Prinzinger. Er deutet auf einen Grünstreifen am nordwestlichen Rand des Karbener Waldes. »Er liegt momentan inmitten von zwei totgespritzten Äckern, die sich gut an ihrer gelblichen Färbung unterscheiden ließen.«

Jetzt haben sich die Farben angepasst. Alles erscheint in einheitlichem Grün. Nur noch ein kleiner gelber Randstreifen ist auszumachen. Und doch gibt es einen Unterschied zwischen dem 20 Meter breiten und 100 Meter langen Streifen der Naturschützer und den beiden Äckern daneben – das biologische Gleichgewicht. Die Wiese steckt voller Leben. Wer genau schaut, entdeckt Käfer, Spinnen, Raupen und Regenwürmer, die diesen Mikrokosmos bevölkern. Es ist viel los auf dem naturbelassenen Stück Land. Überall bewegt sich etwas im nassen Gras. Eine kleine Welt, deren Faszination man beim Vorübergehen normalerweise gar nicht wahrnimmt.

Blüten in der Ackerwüste

Prinzinger nimmt die Worte nicht gerne in den Mund, aber er tut es trotzdem: »Der Blühstreifen liegt in einer Ackerwüste. Ringsum ist für Tiere, Insekten und Pflanzen keine Heimat mehr. Der Boden wird kaputtgespritzt. Wir wollen auf unserem Gelände einen anderen Lebensraum schaffen.«

 

Taubnessel als Nahrungsquelle

 

Zur Demonstration pflückt er verschiedene Pflanzen und zeigt deren Beschaffenheit. Die durchlöcherten Blätter der Taubnessel zeugen davon, wie sehr sie von den Insekten als Futterquelle geschätzt wird. Auch jetzt noch, da überall der Herbst Einzug hält, trägt sie mehrere Blüten. Im Gegensatz zu ihrer Verwandten, der Brennnessel, kann man die Blätter der Taubnessel ohne Bedenken berühren. Beide Sorten stehen bevorzugt bei Schmetterlingslarven auf dem Speiseplan. Überhaupt gibt es kaum eine Pflanze auf dem Wiesenstreifen, die nicht von Insekten angefressen ist.

Gelände von der Stadt

»Es ist eine prima Sache, dass uns die Stadt Karben das Gelände zur Verfügung gestellt hat«, sagt der Biologe. »Zusammen mit Landwirt Udo Bieber haben wir den Streifen am Waldrand in Augenschein genommen und die nötigen Arbeiten besprochen. Herr Bieber ackert den Boden um, dann wird von einer Firma für fünf Jahre eine Blühstreifenmischung eingesät. Wenn es im nächsten Frühsommer blüht, braucht sich keiner mehr darum zu kümmern.« Mehrere Hundert Pflanzenarten könnten dann auf der Wiesenfläche wachsen. Auf diese Vielfalt sei er jetzt schon gespannt, verrät Prinzinger, der seit 1984 an der Goethe-Universität in Frankfurt Chemie und Biologie lehrt. Für Schulklassen wäre das bestimmt einen Ausflug wert. Aufpassen müsse man beim NABU nur, dass die Bauern ihre Pestizide nicht noch weiter über die Ackergrenzen spritzen. »Die Bauern haben auch Druck. Wahrscheinlich passiert das nur in Eile oder aus Gedankenlosigkeit«, versucht er sich solche Situationen zu erklären. Prinzinger wirbt dafür, die kleine Oase inmitten der Ackerflächen zu schützen.

Alle tragen Natur-Verantwortung

Auf dem Rückweg zum Auto sammelt Prinzinger eine leere Weinflasche ein, die irgendjemand achtlos ins Gebüsch geworfen hat. Er ist eben Naturschützer durch und durch. Seine Worte könnte man in Stein meißeln: »Wir alle tragen Verantwortung gegenüber unseren Nachkommen.«

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