Bad Vilbeler Markt

Lila Kühe und der Pipi: Aufklärungsarbeit bei Bezirkstierschau

Die Bezirkstierschau anlässlich des Bad Vilbeler Marktes erwies sich erneut als Besuchermagnet. Probleme bereiteten nur die Fragen der Kinder.
23. August 2017, 06:00 Uhr

Gerade mal einen Monat ist Gin alt. Das schwarzbunte Kälbchen kuschelt sich ins Stroh. Der dreijährige Janis Klarman aus Altenstadt kniet neben seinem Kälbchen. Gleich geht’s los dann zieht das Duo erstmals zum Kälberaufzuchtswettbewerb in den Ring des Bad Vilbeler Markts. Janis und Gin sind die jüngsten Teilnehmer. Vater Joscha Klarmann passt auf, dass das alles klappt. »Wenn Zeit war, haben wir zu Hause geübt«, sagt der Landwirt aus Altenstadt. Routiniert greift der Dreijährige zum Strick, brav geht das Kalb neben ihm, will es mal nicht laufen, hält der kleine Junge dem Kälbchen seine Hand zum Lecken vors Maul. Vielfach wird diese Szene von Kameras und Handys aufgenommen. »Wir machen hier Öffentlichkeitsarbeit für die Landwirtschaft«, sagt Andrea Rahn-Farr die Vorsitzende des Regionalbauernverbandes. »Die Tierschau ist etwas besonderes für den Ballungsraum Rhein-Main«, ruft Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr den mehreren Tausend Besuchern zu.

Dem stimmen Christian Allendorf und Selina Bommersheim zu, die beiden züchten Schwarzbunte in Wehrheim im Taunus. »Der Wettbewerb steht für uns hier nicht im Vordergrund, es geht darum mit den Menschen zu sprechen und ihnen unsere Tiere zu zeigen.« Mal werde gefragt, wo die Lila-Kühe sind oder ob im Euter das Pipi der Kuh ist. »Da hilft nur aufklären«, sagt Bommersheim.

 

Milch mit sechs Prozent Fett

 

Viel Zeit nehmen sich die Experten, die Kühe, Pferde, Schafe und Ziegen prämieren, um zu erklären, was die einzelnen Rassen ausmacht. »Diese Kuh hat Potenzial, ihr Euter reicht weit nach vorn, sie wird alt werden und lange leben«, sagt Michael Seipel aus Stumpertenrod im Vogelsberg. Er ist Experte für Deutsche-Holstein Kühe. »Vogelsberger Höhenvieh ist ideal, um Streuobstwiesen zu pflegen«, sagt Jost Grünhaupt vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen während eine Gruppe von Rotviehtieren gemächlich in Runden im Ring vorgeführt wird. »Jersey-Kühe sind enorm effizient, sie produzieren Milch auf sehr hohem Niveau mit einem Fettanteil von bis zu sechs Prozent«, sagt er über die rehfarbenen Tiere, die Dietmar, Christopher und Hortense Wyschka aus Assenheim präsentieren.

 

Wenig Berührungsängste

 

Shetland-Pferde, Mini-Shettys, Fjordpferde, Welsh-Ponys ziehen die Blicke auf sich. »Die Welsh-Ponys sind ideale Reitponys für Kinder«, erklärt Moderator Dr. Hans-Joachim Herrmann. Viele Kinderhände beugen sich über die Gatter, um die Kleinpferde zu streicheln. Mehrfach wird kommentiert: »Oh wie süß.« Vorsicht ist geboten, wenn sich die Besucher den Großpferden nähern. »Hat ein Pferd eine rote Schleife am Schweif, heißt dass, man sollte etwas vorsichtiger sein, das Pferd kann austreten, da ist es sicherer Abstand zu halten«, erklärt Herrmann.

Gutes Gefühl

»Der Bad Vilbeler Markt ist eine tolle Veranstaltung«, lobt Isabell Reuter aus Bellersheim, während sie mit ihrer Stute Romanze auf die Auswahl der Siegerstute wartet. Aufpassen müsse sie lediglich auf die vielen Zuschauer, an denen sie vom Standplatz jenseits der Brücke bis zum Schauring mir ihrem Pferd vorbei gehen muss. Die Menschen seien im Umgang mit Tieren sehr unbedarft. Ein gutes Gefühl, dass die Stute Rivera, die ihrem Großvater gehört, einen Preis einheimsen kann, hat Kathrin Hofmann. »Ihr Bruder Rassolini war schon beim Festhallen-Reitturnier und hat dort eine Prüfung gewonnen«, verrät Hofmann. Wenig später soll sich ihr Gefühl bestätigen: Rivera als beste Jung-Stute der Schau ausgezeichnet.

Derweil tollen die Duroc-Ferkel fröhlich in ihrem Freiluftstall. Ab und zu saugen sie an den Zitzen des Euters ihrer Mutter. »Oh, schaut mal, die haben hunger«, kommentier ein Kind. Immer wieder recken sich Hände, um die Rinder, Pferde und Ziegen zu streicheln. Kaum ein Durchkommen ist am Gatter, hinter dem der Hereford-Bulle gemächlich am Heu kaut.

Hier gilt es, das Gewicht des Bullen aufs Gramm genau zu schätzen. Es wird gerätselt und diskutiert. »Ich schreibe jetzt einfach 1200 Kilo auf«, sagt ein Mädchen. Damit lag sie fast richtig. 1214 Kilo bringt der fünfjährige Bulle auf die Waage. Exakt taxiert hat das Gewicht Gisela Merz aus Kaichen.

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