Lebensgefühl mit Schild und Bogen

19. Juni 2017, 19:36 Uhr
Carsten Ehlert zeigt wie ein Holzbogen gebaut wird. (Foto: jsl)

Buntes Treiben herrschte am Sonntag auf dem Gelände des Jugendkulturzentrums. Anlässlich des dritten Selzerbrunnenfestes hatte die Freie Ritterschaft Baden ein mittelalterliches Lager auf der Innenwiese errichtet. Schon am Samstag war der Tross aus Pforzheim angerückt und hatte die Nacht in Zelten verbracht.

»Normalerweise gehören rund 40 Personen zu unserer Ritterschaft«, erzählt Carsten Dittrich aus Ettlingen. Als Schildknappe »Christoffel Sternfels von Fuchsheim« war er in Abwesenheit seines Herrn und Ritters an diesem Tag der Anführer der 1993 gegründeten Vereinigung. Die Mittelalter-Enthusiasten zeigten dem Publikum alles, was zum Lagerleben dazugehörte: (Show)-kämpfe mit Schwert und Stock, Axt- und Speerwerfen, Bogenschießen und Tänze. Außerdem lernten die Besucher mittelalterliche Handwerkskünste wie Bogenbauen und Goldschmieden kennen, außerdem gab’s Infos über Kräuterkunde.

»Es ist die Vielseitigkeit, die unseren Verein ausmacht«, sagte Dittrich. Gern präsentierte er sein Schild und die verschiedenen Waffen. »Wir machen alles selbst. Jeden Dienstag treffen wir uns, um das Kämpfen und Tanzen zu trainieren. Außerdem haben wir einen eigenen Chor.« Er und sein Kampfpartner Sven Kareis alias Knappe Cornelius Regiomontanus hatten schon in jungen Jahren eine Affinität zum Schwertkampf. Für sie ist das Mittelalter mehr als »nur« ein Hobby, es ist ein Lebensgefühl, dem sie sich hingeben.

Die immer zahlreicher werdenden Besucher ließen sich zur Mittagszeit von dem Ensemble »Cantivento« musikalisch unterhalten. Dargeboten wurden neben mittelalterlichen Melodien auch Stücke aus Renaissance und Barock.

Währenddessen saßen die Leiterin der Musikschule Bad Vilbel/Karben, Claudia Hölbling, und Michael Langenbach vom Jukuz-Team an einem der Tische und berichten von den intensiven Planungen des Festes. »Diese Veranstaltung läuft als Teil des Kultursommers Mittelhessen«, erklärt Hölbling. »Jukuz, Musikschule, KIK und KSK organisieren das Fest zusammen. Ziel ist es, dass sich Einnahmen und Ausgaben am Ende decken.«

»Bereits im Oktober beginnen die Planungen für das nächste Jahr. Die Suche nach Sponsoren und Künstlern muss frühzeitig starten. Nach dem Fest ist vor dem Fest«, ergänzt Langenbach.

Bei den badischen Rittern ging das Lagerleben unterdessen seinen normalen Gang. Zum Mittagessen wurde Rührei mit Pilzen, Zwiebeln, Speck und Kräutern kredenzt. Dieses Mahl war früher einfach zuzubereiten: Alle Zutaten konnten bei den Bauern beschafft werden, von denen einige selbst in den Ritterlagern lebten. »Mit dem Fleisch sah es schon anders aus«, erklärt Fräulein Marie von der Hayden (im richtigen Leben Sandra Hayd). »Das gehörte dem Lehnsherrn. Es wurde viel mit Weizen gekocht. Wenn es Fleisch gab, dann in Eintöpfen und in der Regel nur Pute oder Truthahn.«

Bogenbauer Richard de Carnac (Carsten Ehlert) ist ein hervorragender Schütze. Er fertigt Jagd- und Kampfbögen aus Holz. Drei Tage braucht er für eins dieser Unikate. Es sei etwas Besonderes, mit einem Bogen zu schießen, den man selbst gebaut hat, erzählt Ehlert. Etwa 1000 Pfeile kann er mit dem Bogen abschießen.

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