Burgfestspiele

Dynamisch vom Keller auf die große Bühne

Sie ist jung und quasi ein Eigengewächs der Bad Vilbeler Burgfestspiele. Nun darf Mascha Pitz erstmals auf der großen Freilichtbühne inszenieren. Wie geht sie damit um?
19. Juni 2017, 11:00 Uhr
Mascha Pitz kommt aus dem Theaterkeller der Wasserburg, wo sie bisher Regie geführt hat. Nun blickt sie Richtung großer Freilichtbühne, auf der sie verantwortlich ist für die Aufführung »Ziemlich beste Freunde«. (Foto: Pegelow)

Nein, ein Neuling ist sie bei den Burgfestspielen gewiss nicht. Wenngleich man sofort den Eindruck hat: Hier kommt der dynamische Nachwuchs zum Pressegespräch. Forschen Schrittes nähert sich die 28-Jährige dem Treffpunkt vor der Wasserburg. Regisseurin Mascha Pitz scheint voller Tatendrang zu sein. Dazu hat sie auch allen Grund, denn irgendwie ist sie bei den Freilichtspielen in der südlichen Wetterau regelrecht aufgestiegen. Zunächst hat sie bei den beiden Dramaturginnen Ruth Schröfel und Angelika Zwack eine Hospitanz absolviert. Das war noch während ihres Studiums der Theater-, Film- und Medienwissenschaften in Frankfurt. Im nahen Bad Vilbel gefiel es ihr so gut, dass sie nach ihrem erfolgreichen Magisterabschluss gleich noch Regie-Assistentin bei den Kindertheaterproduktionen wurde. Sie wirkte unter anderem am Regiepult bei »Aschenputtel«, »Die Entführung aus dem Serail« sowie »Hänsel und Gretel«. Offenbar waren die Verantwortlichen mit ihrer Arbeit zufrieden, und so durfte sie verantwortlich Regie führen im Theaterkeller. Denn dort laufen jedes Jahr ebenfalls zwei Eigenproduktionen. »King Kong« hieß die erste Regie-Aufgabe. Drei Jahre hintereinander führte sie Regie bei Stücken im kleinen Keller der Wasserburg.

Vier Darsteller und eine eigene Note

Das war eigentlich auch für dieses Jahr wieder vorgesehen. »Ziemlich beste Freunde« sollte über die kleine Bühne im Untergrund der historischen Burg gehen. Doch dann habe sie Intendant Claus-Günther Kunzmann überraschend angerufen und sie gefragt, ob sie sich denn vorstellen könne, mit diesem Stoff auch auf die große Bühne zu wechseln. Sie konnte, und so inszeniert sie diese besondere Komödie nach dem gleichnamigen Film von Eric Toledano und Oliver Nakache nun für die große Freilichtbühne. Grund für den Wechsel: Die hohe Nachfrage nach Karten im Vorverkauf. »Viele kommen, weil sie den Film kennen«, sagt Mascha Pitz. Aber sie weist gleich darauf hin: »Theater funktioniert anders als Film.« Auf der Bühne erwartet die Festspielbesucher also eine ganz eigene Version.

Dennoch: Der Inhalt dieser lustigen wie tragischen Komödie ist gleich. Im Mittelpunkt steht ein ungleiches Paar: Der fast völlig gelähmte Aristokrat Philippe im Rollstuhl und der Ex-Sträfling Driss. Philippe, verkörpert von Wolfram Bölzle, erträgt sein Leben nur noch, hat jeden Lebensmut verloren. Da begegnet ihm der ehemalige Sträfling Driss, gespielt von Stephen Appleton, der gleichfalls nicht mehr weiter weiß. Philippe stellt ihn als Pfleger ein.

Und daraus entwickelt sich eine wunderbare Freundschaft, beschreibt die Regisseurin den Kernpunkt des Inhaltes. Durch die Begegnung hätten beide wieder mehr Freude am Leben, »sie werden irgendwie wieder lebendig«. Der Inhalt reize sie, weil das Stück einiges miteinander verbinde: eine Liebesgeschichte, es sei aber auch ein Road Movie, »es gibt lustige, aber auch tragische Momente«. Nicht nur die Inhalte des Films will Mascha Pitz mit in die Vilbeler Bühnenfassung einfließen lassen, sondern auch die originale Autobiografie »Le second souffle« des ehemaligen Pommery-Geschäftsführers Philippe Pozzo di Borgo. Der war im Juni 1993 beim Paragliding abgestürzt und seither Tetraplegiker. Die Tetraplegie ist eine Form der Querschnittslähmung, bei der beide Beine und beide Arme betroffen sind.

Es ist also eine ganz eigenständige Version entstanden. Dabei werden außer den beiden genannten Darstellern nur noch Susanne Bucherlinger und Martin Müller mit auf der Bühne stehen. Ein Vier-Akteure-Theaterstück also auf der gegenüber dem Keller dreimal so großen Freilichtbühne und gegenüber dem Keller mit fast fünf Mal so vielen Zuschauern. »Ja, das ist eine besondere Herausforderung«, sagt Mascha Pitz. »Aber die reizt mich. Und ich habe den Mut zu Neuem.« Wie die junge Regisseurin diesen nicht ganz einfachen Stoff umgesetzt hat, werden die Festspiel-Zuschauer ab 25. Juni sehen können.

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