Trauerplattform

Silke Szymura spricht über Tod und Trauer

Von den üblichen Beileidsbekundungen »In stiller Trauer« ist die Okarbenerin genervt. Deshalb gestaltet sie einen Trauerblog.
22. Februar 2017, 05:00 Uhr
Die Okarbenerin Silke Szymura möchte sich mit anderen Menschen über Tod und Trauer austauschen, sowohl persönlich als auch über das Internet. Dazu hat die 34-Jährige jetzt einen eigenen Blog gestartet. (Foto: pe)

Vor vier Jahren passierte im Leben der damals 30-jährigen Silke Szymura etwas Unfassbares. Während eines gemeinsamen Aufenthaltes in Nepal starb ihr Lebenspartner Julian. Ganz plötzlich war sie mit einem Thema konfrontiert, »das es vorher für mich noch nicht gab«. Die nepalesische Familie, bei der Szymura und ihr Partner gewohnt hatten, habe große Anteilnahme gezeigt. Quasi von überall her seien Verwandte und Bekannte der Familie gekommen, als sich das schreckliche Ereignis herumgesprochen hatte. »Die sind auf mich zugekommen und haben mir gezeigt, dass sie für mich da sind«, erinnert sie sich. Das Trauerzeremoniell einschließlich der Verbrennung des Leichnams habe dann auch im Familien- und Verwandtenkreis stattgefunden.

Als sie zurück in Deutschland war, passierte beinahe das Gegenteil wie in Nepal. Freunde und Bekannte gingen in den folgenden Monaten auf Distanz. Sie selbst habe das ebenso gemacht. »Nach ein paar Monaten hat sich niemand mehr gemeldet«, berichtet sie von ihrer Erfahrung. Einige Wenige seien »später wieder zurückgekommen«, insgesamt habe sich ihr Freundes- und Bekanntenkreis aber sehr verändert. »Und ich habe mich auch verändert: Ich bin nicht mehr die Silke, die ich vorher war.«

Über ihre Arbeit in der IT-Branche habe sie versucht, ins normale Leben zurückzufinden. Aber auch die Kollegen hätten »mehr oder weniger geschwiegen«, sie zum Teil nicht mal gefragt, wie es ihr gehe. Eines Tages dann der Zusammenbruch: »Aus dem Nichts heraus bin ich umgekippt.« Die Ereignisse der Monate zuvor hatte sie nicht richtig verarbeitet. Silke Szymura begann dann eine Therapie bei einer Frankfurter Psychologin und gab ihre Arbeit auf. »Ich habe mich dem Schmerz gestellt«, sagt sie heute. Sie hatte etwas Geld gespart und sie konnte bei ihren Eltern wieder einziehen. »Sie haben keine komischen Fragen gestellt und keine Ratschläge erteilt«, zeigt sie sich heute dankbar.

Die vielen Erfahrungen, die Silke Szymura nach dem Tod ihres Lebensgefährten gemacht hat, haben sie dazu bewogen, in die Trauerarbeit einzusteigen. Denn noch immer seien Tod und Trauer in unserer Gesellschaft ein regelrechtes Tabuthema. »Hierzulande wird Trauer regelrecht verdrängt«, beklagt sie. Das möchte sie ändern. Also absolvierte sie eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin. Das war eine Online-Ausbildung mit verschiedenen Seminaren an Wochenenden. Die Okarbenerin hat nach Abschluss ein Zertifikat erhalten.

Das berechtigt sie zu professioneller Trauerarbeit und Trauerbegleitung. Wo immer sie ihr Anliegen berichtet, kommen Reaktionen. So erschien vor einem Jahr ein Artikel in der WZ, auf den hin sich einige Trauernde bei ihr meldeten. Daraus entstand eine einmal monatlich stattfindende Trauergruppe unter dem Titel »Der Trauer Raum geben«. Außer in Karben ist nun eine zweite Gruppe in Rosbach geplant. Mit der Inhaberin des Zentrums »Anima Mundi« habe sie vereinbart, dass eine solche Gruppe ab März starten könne.

Zudem hat die 34-Jährige jetzt einen eigenen Blog gestartet unter dem Titel »In lauter Trauer«. Darauf ruft sie deutschlandweit dazu auf, am 27. Februar, dem 33. Geburtstag ihres verstorbenen Lebenspartners, über Trauer zu reden und zu schreiben. »Das Thema bewegt«, sagt sie, denn über 70 Teilnehmer hätten sich bereits gemeldet. Weitere Beiträge seien erwünscht, sagt . Sie kündigt »eine bunte Vielfalt an Beiträgen zu diesem scheinbar so düsteren Thema« an. Genau das wünscht sich Silke Szymura : »Ich träume von einem anderen, natürlicheren Umgang mit dem Tod und möchte hiermit einen Beitrag dazu leisten.« Schließlich arbeitet sie auch an einem Buch. Darin schildert sie die dramatischen Erlebnisse von Nepal und ihre Art, die Trauer zu verarbeiten und mit ihr umzugehen. Aber auch die Veränderungen ihres Lebens. »Vorher war ich rationeller, heute folge ich mehr meinen Gefühlen.«

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