Die siebenjährige Annabelle klopft mit ihrer rechten Hand ihrem Pferd »Alles hopp« auf den Hals. »Gut gemacht«, lobt sie den großen Vierbeiner, mit dem sie in der vergangenen halben Stunde Runde um Runde durch den sandigen Parcour der Reithalle geritten ist. Man sieht es ihr an, wie viel Spaß sie auf dem Rücken des Pferdes hat. Seit rund einem Jahr reitet sie beim Karbener Verein. Im Alter von fünf saß sie erstmals auf einem Pferd. »Da haben wir Urlaub auf einem Pferdehof gemacht«, erzählt sie. Seitdem hat sie das Reiten nicht mehr losgelassen. Zwei Jahre jünger ist Filisha. Die Fünfjährige wirkt zwar etwas schüchtern, aber das Reiten macht auch ihr viel Spaß. Sogar so viel, dass sie nach einem Sturz gleich wieder aufsteigt und weitermacht. Zuvor hat Stella Verbis geschaut, ob nichts verstaucht oder gebrochen ist. »Ein bisschen wehgetan habe ich mir schon«, erzählt sie hinterher. Aber sie hat sofort wieder mutig auf dem Rücken ihres Ponys Kleiner Donner Platz genommen und die Reitstunde tapfer zu Ende geritten.
Wer an diesem Nachmittag hier reitet, ist der ganze junge Nachwuchs. Davon hat der Reit- und Fahrverein Karben einigen. Insgesamt hat sich die Zahl der Kinder, die Reiten lernen wollen, wieder kräftig erhöht, nachdem sie nach dem Weggang der ehemaligen Pächterin und den damit verbundenen Turbulenzen im Verein zeitweise auf 15 heruntergegangen war. Doch diese Zeiten hat man beim RuF hinter sich gelassen, wirbt wieder um den Nachwuchs. Und der kommt, sogar in so großer Zahl, dass der Verein zurzeit zwischen 80 und 90 junge Leute betreut. Reitlehrer und Vorsitzender Thomas Wamser gibt hier ebenso Unterricht wie Stella Verbis, die seit frühester Kindheit beim RuF ist. Sie ist mit Silvia Heber befreundet, die gerade auf ihrem eigenen Pferd Rio die Stunde im Ring beendet hat. Sie gehört seit 16 Jahren dem Verein an und hat wie Stella Verbis als Schülerin jede Ferien im Stall und auf der Koppel verbracht.

Kinder lernen von Kindern

Auf solche fast närrischen Reiterinnen setzt der Verein, wie zweite Vorsitzende Stefanie Buske sagt. »Sie sind unsere Zukunft.« Deshalb unterstützt der Verein sie auch, wie aktuell bald Stella Verbis, die im Januar eine Ausbildung zur Trainerin C-Schein absolviert. An sieben Wochenenden wird sie von Januar bis Mai in Neu-Anspach und Bensheim den Trainerschein in Theorie und Praxis absolvieren.
Jetzt steht sie im Ring und kümmert sich um den ganz jungen Nachwuchs wie Annabelle und Filisha. Nach ihr kommt Thomas Wamser, der die Jugendlichen anleitet. »Druck, Druck, Druck«, ruft er, als der Reiternachwuchs über ein Hindernis springen soll. Und Tempo sollen sie machen. Das sei wichtig, sagt Wamser. »Die Kleinen sollen die Scheu verlieren, wenn sie schneller galoppieren.« Ihm und den anderen, die die Jugendlichen anleiten, geht es aber um mehr als nur das Reiten. »Wir machen hier fast alles zusammen«, sagt auch Stella Verbis. »Wir putzen zusammen, satteln die Pferde. Und die größeren Kinder helfen den kleineren«, erklärt sie den Teamgeist. »Kinder lernen am besten von Kindern. Wir geben Hilfestellung dazu«, sagt die künftige Reitlehrerin. Besonders will der Verein auch vermitteln, dass Reiter und Pferd ein Team bilden. »Die Kinder haben hier keinen Tennisschläger in der Hand«, sagt Wamser. Will heißen: Alle haben es mit Lebewesen zu tun. Und die können durchaus mal unterschiedlich »drauf« sein. Dann gilt es, den Kindern beizubringen, was sie zu tun haben.
Aber zumeist scheint der Reit- und Fahrverein recht gutmütige Vierbeiner in der Arena zu haben. Geduldig tragen sie ihre jungen Reiterinnen durch die Arena, drehen Runde um Runde. »Die Pferde werden von uns auch sorgfältig ausgesucht«, sagt Wamser. Dabei seien auch Tiere, die ansonsten zur Schlachtbank geführt worden wären, oder die für den Profi-Reitsport nicht mehr gut genug seien. »Sie sind gut ausgebildet und belastbar«, weiß der Vorsitzende. Umgekehrt bedeute das für die Kinder: »Sie können Vertrauen haben.« Das haben sie, wie sich an diesem Nachmittag mehrfach zeigt.
Der Verein wähnt sich mit seinem Schwerpunkt auf die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen auf dem richtigen Weg. Nun will er verstärkt mit den Karbener Kitas arbeiten, sagt die 2. Vorsitzende. »Vier Kitas waren schon hier. Unser Traum wäre, dass alle 13 mal vorbeischauen«, sagt Stefanie Buske. Demnächst geht sie bei örtlichen Firmen auf Werbetour. Denn vom Reitverband gibt es einen Koffer mit Dingen rund ums Pferd. Würden sich Firmen für ein Sponsoring finden, würde die Kita-Arbeit ausgebaut. Mit zum Paket gehört ein Holzpferd. »Da können die Kita-Kinder schon mal aufsteigen und spüren, wie es sich anfühlt.«

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