Wirtschaftliche Interessen vor Fluglärm-Schutz?

Bad Vilbel (khn). Zusammen mit Vertretern der Deutschen Flugsicherung (DFS) haben Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) »Bad Vilbel minus Fluglärm« über den zunehmenden Krach am Himmel über der Quellenstadt diskutiert. Das Gespräch sei »ernüchternd« verlaufen, sagt BI-Gründer Ronald Kasten.
17. November 2011, 16:03 Uhr
Protest im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens gegen Fluglärm – und die Vilbeler BI ist mittendrin. (Foto: dapd)

»Die Vertreter der DFS haben klargemacht, dass der Lärmschutz bei der Festlegung der Flugrouten eine untergeordnete Rolle spielt.«

Eingeladen zu der Runde hatte die städtische Verkehrskommission unter der Leitung des Ersten Stadtrats Jörg Frank. Kasten lobt dessen Moderation des Treffens. »Die Stadt hat das fair gemacht und sich bemüht«, betont er. Mit dem Verlauf des Gesprächs ist die BI aber nicht zufrieden. »Die DFS hat uns erklärt, dass für sie die Sicherheit Priorität hat«, schildert er. »Das ist ja auch unbestreitbar.« An zweiter Stelle komme dann der flüssige Verkehr, an dritter die ökonomischen Interessen der Fluggesellschaften. »Erst danach kommt der Lärmschutz an die Reihe«, sagt Kasten, »und der muss sich den letzten Platz mit der ökologischen Komponente teilen.« Denn wenn die Maschinen einen bestimmten Bereich umfliegen müssten, bedeute das einen höheren Treibstoffverbrauch und damit ein Mehr an Umweltbelastung.

Ein weiteres Thema bei der Diskussion waren die Abflugverfahren Richtung Norden. Kasten betont, 90 Prozent der Maschinen überquerten die Kernstadt – und flögen nicht östlich daran vorbei, wie es offizielle Karten suggerierten. »Die Antwort der DFS war, sie guckten nicht nach unten, sondern nach Radarpunkten.« Sein Einwand, dass die offiziellen Karten damit eine Ungenauigkeit von 2,5 Kilometern aufwiesen, sei mit »Das interessiert uns nicht« kommentiert worden.

Die Bürgerinitiative erwarte von der DFS nach diesem Treffen nicht mehr, dass sie weiter auf den Lärmschutz eingehen werde. »Sie sagen zwar, sie wollen es optimieren, aber sie glauben, dass die jetzige Konfiguration bereits optimal sei«, sagt Kasten. Nur Kleinigkeiten könnten noch verändert werden. Wie die BI nun weiter vorgehen will? »Mit Informationen und weiterem Engagement«, betont er. Hoffnung setzen die Fluglärmgegner in Michael Moor. Er war früher bei der Flugsicherung tätig, gilt als Experte für alternative Anflugverfahren. Er hat nun – unter anderem im Auftrag des Main-Kinzig-Kreises – ein Gutachten darüber erstellt. Im Dezember will er seine Ergebnisse öffentlich machen.

»Wir planen für die zweite Januarwoche ein größeres Treffen mit zwei weiteren Bürgerinitiativen im Frankfurter Norden, wo Moor das Gutachten vorstellen will«, sagt Kasten. Außerdem soll ein Mediziner über die Auswirkungen von Lärm auf die Gesundheit referieren. Eingeladen werden sollen auch Vertreter der Stadt, »damit sie nicht nur die Meinung der DFS kennen, dass die derzeitigen Routen alternativlos seien«. Außerdem beteilige sich die Vilbeler BI an den Montagsdemonstrationen am Terminal 1 des Frankfurter Flughafens.

Frank: CDA-Verfahren nicht möglich

Erster Stadtrat Jörg Frank spricht von einer »sehr guten Sitzung mit kompetenten Ansprechpartnern«, die von sachlichen Beiträgen geprägt gewesen sei. Die zwei anwesenden Vertreter der DFS – Fabio Ramos und Christian Zwiener – hätten den Anwesenden die technischen und rechtlichen Grundlagen erklärt, die für die weitere Diskussion nützlich seien. Da die unterschiedlichen Maschinen unterschiedliche Eigenschaften hätten, müssten sie auch anders behandelt werden. »Zum Beispiel werden die dicken Brummer gar nicht erst über Bad Vilbel geleitet«, erklärt er. Diese technischen Vorgaben im Zusammenhang mit Umweltbelangen änderten die Gewichtung in Sachen Lärmschutz.

Das Problem in Frankfurt sei, so hätten es die DFS-Experten erklärt, dass der Gleit-Anflug – kurz CDA-Verfahren – hier nicht möglich sei, da sich der Flughafen in einem Ballungsgebiet befinde. Außerdem gebe es im Luftraum keinen Platz für die wartenden Maschinen, die bei diesem Verfahren in einer Art Spirale aufgereiht seien. Die DFS-Vertreter hätten außerdem angekündigt, sich mit den Einwänden und Vorlagen, die die BI vorgelegt habe, auseinanderzusetzen. Dabei geht es unter anderem um die Frage, ob die Flugzeuge zu früh abbiegen oder ob es an der unterschiedlichen Interpretation des Kartenmaterials liegt. Das jetzige Verfahren bezeichnet Frank als »bestmöglichen Kompromiss«: »Grundlegende Änderungen sind nicht zu erwarten«. Klar sei aber, dass sich die Anzahl aller Überflüge von derzeit 80 auf 120 pro Stunde im Jahr 2020 erhöhen werde.

Die Informationen vonseiten der DFS seien eine »tolle Grundlage«, um einen neuen Anlauf für eine fraktionsübergreifende, modifizierte Rodenbacher Erklärung zu nutzen, sagt der Christdemokrat. »Wir werden sie auf Bad Vilbel ummünzen und auf die anderen Fraktionen im Stadtparlament zugehen«, kündigt Frank an.

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