»Die Deutsche Flugsicherung guckt nicht nach unten«

Bad Vilbel (cf). Fluglärm ist in Bad Vilbel zurzeit eines der großen Themen, die die Menschen bewegen. Das zeigt ein Blick auf die Teilnehmerzahl der Veranstaltung des Ortsverbands der Grünen. Deren Vorsitzende Kathrin Anders begrüßte am Mittwochabend im Kurhaus 40 Zuhörer.
14. Oktober 2011, 15:03 Uhr

Als Referenten geladen waren der Grünen-Landtagsabgeordnete und Flughafen-Experte Frank Kaufmann und Dr. Ronald Kasten, Sprecher der Bürgerinitiative (BI) »Bad Vilbel minus Fluglärm«.

Von allen begrüßt wurde das Urteil des hessischen Verwaltungsgerichtshofs in Kassel, vorläufig ein Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen durchzusetzen. Damit stoppten die Richter die im Winterflugplan vorgesehenen 17 Starts und Landungen zwischen 23 und 5 Uhr. Kaufmann machte darauf aufmerksam, dass das Nachtflugverbot so lange gelte, bis das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig endgültig entschieden habe.

Vor dem Hintergrund, dass Frankfurt am 21. Oktober die neue Nordwestlandebahn in Betrieb nehmen will, werde das Urteil mit Spannung erwartet. »Das vorläufige Nachtflugverbot gilt aber erst neun Tage später«, sagte Kaufmann. Bis zum 30. Oktober werde es in den Nächten noch »Business as usual« geben. Durch die neue Piste soll die Zahl der Starts und Landungen um 50 Prozent zunehmen, da zwei Flieger parallel auf der alten und neuen Bahn landen könnten. Sie müssten lediglich in unterschiedlichen Höhen anfliegen, sagte Kaufmann.

Das werde auch auf die Quellenstadt gravierende Auswirkungen haben, sagte Kasten. Der Flugverkehr habe bereits seit März mit der Umstellung der An- und Abflugrouten durch die Deutsche Flugsicherung zugenommen. Die seien um 250 Meter in nördlicher Richtung verschoben worden. Flugzeuge, die bisher zwischen Bergen und dem Vilbeler Wald unterwegs waren, flögen jetzt direkt über die Quellenstadt. Auch in Massenheim und Gronau verzeichneten Bürger mehr Fluglärm. »Schon um 5 Uhr morgens ist Schluss mit der Nachtruhe«, sagte der BI-Sprecher. Der Abstand zwischen den in rund 1550 bis 2000 Meter Höhe fliegenden Maschinen betrage zwei Minuten. Mit Inbetriebnahme der neuen Landebahn soll die Flughöhe um 300 Meter gesenkt werden.

Bad Vilbel sei vor allem vom Landeverkehr betroffen, betonte Kasten. Komme der Wind aus Westen, flögen die Flugzeuge im langsamen Sinkflug auf der Gegenanflugstrecke genau über Bad Vilbel, um vor dem Einschwenken auf die Landebahn eine Schleife über dem Main-Kinzig-Kreis zu drehen.

Zurzeit gibt es im Jahr rund 450 Stunden Flugbewegungen, 2020 sollen es rund 700 sein. Würden die Flieger exakt die Soll-Abfluglinie einhalten oder weiter östlich fliegen, würden sie über landwirtschaftlichem Gebiet unterwegs sein. Das gehört neben einer Mindestflughöhe von 2000 Metern zu den Forderungen der BI. Kaufmann sieht die Kernprobleme darin, dass die Mitarbeiter der Deutschen Flugsicherung (DFS) diese Probleme nicht interessiere. Deren Motto laute: »Wir gucken nicht nach unten«.

Viele Gemeinden fordern vom Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung, der Deutschen Flugsicherung (DFS) und Fraport ein leiseres An- und Abflugverfahren sowie angehobene Flughöhen. Kasten favorisiert das bereits in London angewandte CDA-Verfahren. Das würde weniger Lärm, dafür aber mehr Fluglotsen bedeuten.

Der Main-Kinzig-Kreis zieht gegen die abgesenkten Flugrouten vor Gericht. Kaufmann und Kasten appellierten an die Bürger, ebenfalls aktiv zu werden und ein Beschwerdeschreiben an Bürgermeister, Kommunal- und Landespolitiker zu schreiben.

Weiterführende Informationen gibt es auf der Internetseite der BI (www.badvilbel-fluglaerm.de). Beschwerdeformulare und kritische Stimmen zur Fluglärmbelästigung finden Interessenten auf den Seiten www.dfld.de, www.fluglaerm.de, www.flughafen-bi.de.

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