Brückenbauer: Monik Mlynarski neuer Ehrenbürger der Stadt

Bad Nauheim (gk). Monik Mlynarski, Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Bad Nauheim, ist zum neuen Ehrenbürger der Stadt ernannt worden. In einer feierlichen Zeremonie überreichte ihm Bürgermeister Armin Häuser am Montagabend die Urkunde.
14. Oktober 2014, 18:38 Uhr
Große Ehre für den 91-jährigen Monik Mlynarski.

»So jung wie heute warst du schon lang nicht mehr.« Mit diesen Worten begrüßte Moritz Neumann, Landesvorsitzender der jüdischen Gemeinden in Hessen, seinen langjährigen Freund Monik Mlynarski. Der 91-jährige »Mann für alle Fälle« (Neumann) ist seit 1986 Vorsteher der jüdischen Gemeinde Bad Nauheim. Am Montagabend bekam er in der Trinkkuranlage für seine vielfältigen Verdienste von Bürgermeister Armin Häuser die Ehrenbürgerurkunde der Stadt Bad Nauheim verliehen.

Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde nach 1945; Integration der seit Beginn der 1990er Jahre nach Bad Nauheim gekommenen russischen Juden ins Gemeindeleben; Einsatz für die Sanierung der Synagoge in der Karlsstraße; vorbildliches Wirken für die Aussöhnung zwischen Deutschen und Juden: Die Liste der Verdienste Monik Mlynarskis, mittlerweile ältester Vorsteher einer deutschen jüdischen Gemeinde, ist lang. »Nichts davon war selbstverständlich«, sagte Neumann in seiner Laudatio. Beginnend mit der Entscheidung, trotz der ihm und seiner Familie von den Nationalsozialisten zugefügten unvorstellbaren Leiden im »Land der Täter« zu bleiben, sei dessen Lebensweg so ungewöhnlich wie vorbildhaft.

»Du trägst deine leidvolle Vergangenheit nicht wie ein Schild vor dir her«, sagte Neumann: Mlynarski sei jemand, der nicht hassen könne, der immer an das Gute im Menschen geglaubt habe. Nur so sei es ihm und seinen Weggefährten möglich gewesen, Brücken über nach 1945 unüberwindbar scheinende Abgründe zu schlagen. »Mit dieser Auszeichnung ehrt sich auch die Stadt«, betonte Neumann. Deren Vertreter hätten Mlynarskis Wirken immer nach Kräften unterstützt. Ein dunkler Schatten falle jedoch seit geraumer Zeit auf das jüdische Leben in Deutschland: antisemitische Parolen, die am Rande der Kundgebungen gegen Israels Rolle im Gazakrieg auftauchten und die nicht nur aus den Reihen in Deutschland lebender Palästinenser stammten. Dies dürfe sich nicht wiederholen.

»Sie sind in 200 Jahren erst der 14. Ehrenbürger dieser Stadt.« Stadtverordnetenvorsteher Prof. Friedrich-Karl Feyerabend warf in seiner Ansprache einen kurzen Blick zurück auf einige der mit dieser Würde seit Beginn des 19. Jahrhunderts ausgezeichneten Persönlichkeiten: die Mediziner Beneke, Bode, Weiß, den Balneologen Arthur Weber und – als Jüngster in der langen Reihe – der Kardiologe und langjährige Leiter des Nauheimer Max-Planck-Instituts, Wolfgang Schaper, der 2007 Ehrenbürger wurde und ebenfalls an der feierlichen Zeremonie im Konzertsaal der Trinkkuranlage teilnahm. Bürgermeister Armin Häuser bat Mlynarski anschließend zum Eintrag ins Goldene Buch der Stadt. Sichtlich bewegt wandte sich der Geehrte mit einem kurzen Dank an die Versammelten. Nach weiteren Grußworten, unter anderem vom 2. Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Manfred de Vries, dankte WZ-Mitarbeiterin Petra Ihm-Fahle als Initiatorin der multiethnischen »dolce vita«-Familie – eines Mehrgenerationenprojekts, an dem Mlynarski mitwirkt. Die vom Kurensemble musikalisch umrahmte Feier endete mit einem Drei-Gänge-Menu, zu dem auch koschere Speisen zählten.

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