Bad Nauheim

Ausländerbeirat: Längst aus dem »Tiefschlaf« erwacht

22. Oktober 2013, 16:58 Uhr
Kandidiert für den Landesausländerbeirat: Filiz Taraman-Schmorde. (Foto: ihm)

Anlass war das Engagement auf dem Gebiet Islam und Organspende (die WZ berichtete). Im Gespräch mit unserer Zeitung blickt Taraman-Schmorde auf die letzten drei Jahre zurück: Die Arbeit sei inhaltsreich – wenn auch nicht immer einfach.

Politische Erfahrung sammelte Filiz Taraman-Schmorde, eine gebürtige Bad Nauheimerin mit türkischem Migrationshintergrund, schon früh: »Ich war Mitglied des Landesschülerbeirats, was sehr interessant war, beispielsweise, weil wir am Schulgesetz mitarbeiten konnten.« Daher war sie nicht abgeneigt, 2010 für den städtischen Ausländerbeirat zu kandidieren. Er berät, ohne Stimmrecht zu haben, die parlamentarischen Gremien bei allen Aspekten politischer Arbeit, die Bürger mit ausländischen Wurzeln betreffen.

Taraman-Schmorde suchte Mitstreiter, die ebenfalls antraten, und wurde gewählt. Neun Mitglieder hat der Beirat üblicherweise. Mit ihr, Stellvertreterin Meftun Salmanel, Ziver-Deniz Akman, Adnan Kayrakci, Mehmet Özen und Koray Öztürk sind es allerdings nur noch sechs, unter anderem, weil Sahin Zorlu, einer ihrer beiden Stellvertreter, kürzlich zurückgetreten ist. Er erhielt ein gutes berufliches Angebot aus der Türkei, Nachrücker gibt es nicht. »Sein Rücktritt tut mir sehr leid, denn er war sehr aktiv«, bedauert die 38-Jährige.

Andere seien aus weniger erfreulichen Gründen ausgeschieden, beispielsweise wegen des Vorfalls bei der Gründung des Familienbeirats im Vorjahr, als sich der Ausländerbeirat erfolglos für eine Migranten-Quote einsetzte. Es kam zu Streitigkeiten und, so Taraman-Schmorde, zu vereinzelten »ausländerfeindlichen Beleidigungen aus politischen Kreisen«, da sich die Beiratsgründung aufgrund der vom Ausländerbeirat ausgelösten Debatte verzögerte. Wie ihr im Lauf der letzten drei Jahre deutlich geworden sei, werde der Ausländerbeirat in seiner originären Funktion als beratendes Gremium nicht von allen politischen Akteuren sehr ernst genommen.

Gern verwiesen die Politiker dagegen auf die umfangreichen Verdienste, die der Ausländerbeirat auf anderen Gebieten erworben habe. Beispiele: Beteiligung an AGs zur Integration, 50-Jahr-Feier des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens 2011, Symposium zum Thema »Islam und Organspende« 2012. Diese Tagung wurde in Zusammenarbeit mit Kerckhoff-Klinik und Deutscher Stiftung für Organtransplantation veranstaltet. Mit 150 Teilnehmern war das Symposium gut besucht, fand über die Grenzen Deutschlands hinaus Beachtung.

»Bundesweit Vorreiter«

Es folgten weitere Veranstaltungen mit hessischen Ausländerbeiräten zu diesem Thema. Aktive Aufklärungsarbeit in Vereinen und Moscheen wurde initiiert, Fortbildungsveranstaltungen der DSO in Kliniken wurden begleitet. Bei der Preisverleihung betonte Undine Samuel (geschäftsführende Ärztin DSO): »Mit diesem Einsatz war der Ausländerbeirat bundesweit Vorreiter.« Bürgermeister Armin Häuser und Dezernentin Kerstin Eisenreich hätten das Aufklärungsprojekt in Reden gewürdigt, als die hessischen Ausländerbeiräte zu Gast in Bad Nauheim waren. Taraman-Schmorde: »So etwas macht Spaß.«

Weitere wichtige Aspekte der Aktivitäten sind die Mitarbeit im Integrationsbeirat des Wetteraukreises und das Netzwerken mit anderen Ausländerbeiräten. »Bei allem, was wir tun, versuchen wir, die Ansprüche der Bürger umzusetzen. Sämtliche Projekte wurden im Dialog angeregt.«

Nägel mit Köpfen zu machen und als Stadtverordnete zu kandidieren, kann sich die parteilose Powerfrau grundsätzlich vorstellen. Momentan geht das allerdings nicht, da sie die türkische Staatsbürgerschaft behalten will – zumindest bis ihre Töchter volljährig sind. Die beiden haben derzeit noch zwei Pässe und müssen im Alter von 18 Jahren entscheiden, welche Staatsbürgerschaft sie annehmen möchten – allerdings nur, sofern die Mutter bis dahin nicht Deutsche ist. Ihre Bewerbung als Kandidatin für den Landesausländerbeirat hat Taraman-Schmorde indes gerade eingereicht.

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