Bad Nauheim

Stromausfall: Defekte Geräte und Umsatzminus

01. Juli 2013, 19:48 Uhr
Rund 30 Jahre alt, »50 Jahre plus x« sollen sie eigentlich funktionieren: zwei der defekten Kabelstücke. (Fotos: nic)

In der Stadtwerke-Chefetage ist die Analyse des Blackouts der Stromversorgung noch im Gange, wie Geschäftsführer Dr. Berndt Hartmann am Montag im Rahmen einer Pressekonferenz sagte. Bei noch so guter Vorsorge seien solche Ereignisse nicht völlig auszuschließen. »Ein Sechser im Lotto ist wahrscheinlicher als ein fast zeitgleicher Defekt in zwei Hauptstromkabeln.«

Sind Lebensmittel in der Tiefkühltruhe verdorben, ist ein Elektrogerät defekt, könnte die Hausratversicherung einspringen, meinte Stadtwerke-Chef Hartmann. Ähnliche Versicherungen dürften Supermarkt-Filialen, Apotheker oder Eisdielen haben. »Bevor die zahlen, werden sie sich erst mal an die Stadtwerke wenden«, sagte Ovag-Vorstand Rolf Gnadl, der ebenfalls am Pressegespräch teilnahm. Die Haftpflichtversicherung des Bad Nauheimer Versorgers würde aber nur einspringen, wenn fahrlässiges Verhalten vorliege. »Das kann wohl ausgeschlossen werden. Letztlich handelt es sich um höhere Gewalt«, betonte Gnadl.

Skeptisch in Sachen Schadenersatz zeigte sich auch Bürgermeister Armin Häuser. Wie er auf Anfrage erklärte, sei der Blackout nicht auf Fehlverhalten zurückzuführen. »Versicherungstechnisch wäre es am einfachsten, wenn ein Bagger Leitungen gekappt hätte. Das ist aber ebenso wenig der Fall wie ein Fehler bei den Stadtwerken«, sagte Häuser. Umsatzeinbußen seien nicht genau zu beziffern. Rechnet man diese Verluste dazu, geht er von Schäden in sechsstelliger Höhe aus. Ein Beispiel: Im Max-Planck-Institut müssen Geräte im Wert eines niedrigen fünfstelligen Betrags erneuert werden.

Geschäftsführer Hartmann sowie die fürs Stromnetz verantwortlichen Experten Alfred Kraus (Ovag) und Thomas Heß (Stadtwerke) gingen auf technische Details ein. »Um die Kernstadt und Nieder-Mörlen zu versorgen, reichen zwei Hauptkabel aus. Vom Ovag-Umspannwerk führen drei nach Bad Nauheim, zwei davon sind ausgefallen – vermutlich aufgrund von Erdverdichtungen oder Quetschungen, die vor etlichen Jahren bei Bauarbeiten entstanden sind, aber erst jetzt ihre verheerende Wirkung gezeigt haben«, sagte Kraus. Außerdem gebe es ein Kabel für die Wettertal-Stadtteile, die ebenso nicht betroffen waren wie Teile des Goldstein-Gebiets, und eine Reserveverbindung. Nach dem fast zeitgleichen Defekt in den zwei Hauptleitungen sei es zu einer Kettenreaktion gekommen, von der alle Sicherungen im Stadtgebiet betroffen waren. Außerdem sei es zu drei weiteren Kabeldefekten gekommen.

Arbeitszeit: Gut 24 Stunden

»30 Mitarbeiter der Stadtwerke sowie gut 20 Angestellte von Ovag, Tiefbau- und Elektrofirmen waren mit Reparatur und Netzaufbau beschäftigt«, berichtete Hartmann. Den Bürgern sei diese Mammutaufgabe schwer zu vermitteln. Einige Zahlen: Das Personal musste 100 Verteilerkästen, 400 Kabelverteiler und 10 000 Sicherungen kontrollieren. Als die Verantwortlichen am Freitag Licht am Ende des Tunnels sahen, sorgte der Ausfall einer Sicherung im Lee Boulevard um 20. 55 Uhr für einen erneuten Stromausfall in der Kernstadt. Hartmann: »Wir mussten wieder bei null anfangen.«

Alle Verantwortlichen zollten den Mitarbeitern ein dickes Lob. »Alle waren von Freitagfrüh bis Samstag gegen 10 Uhr im Einsatz. Die Kabel wurden in der Hälfte der üblichen Zeit repariert. Trotz des großen Drucks gab es keine Unfälle. Schließlich arbeiten die Leute mit Hochspannung«, sagte Kraus.

Einen solchen gravierenden Vorfall präventiv auszuschließen, ist laut Hartmann kaum möglich. »Wir investieren pro Jahr 2 Million Euro in die Erneuerung des Stromnetzes. Zudem fahren wir die Trassen mit Messwagen ab, die allerdings nur gravierende Schäden anzeigen«, sagte der Geschäftsführer. Wie Gnadl erläuterte, spielten bei der Kabelerneuerung das Alter der Leitungen und deren Qualität eine Rolle: »Die defekten Kabel waren erst 30 Jahre alt, sie sollten eigentlich 50 Jahre plus x halten.«

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