Stadtbus-Fahrplan ändert sich

Bad Nauheim (khn). Seit 1996 fahren die Stadtbusse nach demselben Plan. Damit ist ab Sonntag Schluss. Unfreiwillig, wie Manfred Stelz von den Stadtwerken gesteht: »Das haben wir der Bahn zu verdanken«, sagt er und schüttelt den Kopf. Denn ab Montag gelten neue Abfahrtszeiten der Züge; Bad Nauheim wird seltener angefahren. Darauf hätten sich auch die Stadtbusse einstellen müssen.
10. Dezember 2009, 18:32 Uhr
Stadtbusse der Linie 11 kommen künftig später am Aliceplatz an. Ein Umsteigen in Busse anderer Linien ohne Zeitverlust ist nicht mehr möglich. (Foto: Nici Merz)

Bad Nauheim (khn). Seit 1996 fahren die Stadtbusse nach demselben Plan. Damit ist ab Sonntag Schluss. Unfreiwillig, wie Manfred Stelz von den Stadtwerken gesteht: »Das haben wir der Bahn zu verdanken«, sagt er und schüttelt den Kopf. Denn ab Montag gelten neue Abfahrtszeiten der Züge; Bad Nauheim wird seltener angefahren. Darauf hätten sich auch die Stadtbusse einstellen müssen. »Die Bahn bringt mit ihrem Fahrplanwechsel die gesamte Region durcheinander«, sagt Stelz. Er habe viele Fahrplanwechsel begleitet, »aber dieser war bisher der schwierigste«. Neben veränderten Abfahrtzeiten der Linien 11 und 14 gibt es für Stadtbus-Nutzer eine weitere Neuerung: Die Busse 12 und 15 verbinden in entgegengesetzter Richtung Wisselsheim mit Steinfurth.

Manfred Stelz fängt an zu schimpfen, wenn er über die Fahrplanänderung der Deutschen Bahn redet: »Das hat uns zum neuen Fahrplan gezwungen. Sonst hätten wir alles beim Alten gelassen.« Die Linien 11 und 14 mussten neu getaktet werden. So fährt die 11 in Richtung Nieder-Mörlen ab Montag fünf Minuten früher los, in Richtung Usa-Wellenbad vier Minuten früher. Auch bei der Linie 14 nach Schwalheim und zurück in Richtung Bodestraße ändert sich die Abfahrtszeit: Sechs Minuten früher geht es jetzt los.

Eine einschneidende Neuerung gibt es bei den Linien 12 und 15: Sie bilden eine neuen Linie, welche die Wettertalgemeinden Steinfurth und Wisselsheim miteinander verbindet. »So kommt es zu einem gegenläufigen Verkehr und einer doppelten Bedienung dieser Strecke«, sagt Stelz. Die Bushaltestellen Wölfersheimer Weg, Eichbergstraße und Södeler Weg in Wisselsheim entfallen. Dafür wird der Karussellplatz angefahren. Die Steinfurther Haltestelle Am Dorngraben wird nicht mehr angesteuert. Die beiden Linien fahren stattdessen durch die Feldgartenstraße und halten erst wieder am Stopp Im Steckgarten. Neu ist in Wisselsheim die Haltestelle Am Eichwald.

Für die Nutzer änderten sich die Abfahrtszeiten nur geringfügig, sagt Stelz. Die Linie 15 fährt über Wisselsheim, Steinfurth bis Kaiserberg eine Minute früher los. Die Linie 12 - Steinfurth über Wisselsheim und Rödgen mit Endstation Bad Nauheim Bahnhof - startet nun wochentags 23 Minuten später.

Die Fahrplanumstellung hat schon vor dem Inkrafttreten zu ersten Reaktionen geführt. So kritisierte eine WZ-Leserin, die mit der Linie 11 vom Usa-Wellenbad aus über den Aliceplatz zum Bahnhof fährt, sie verpasse nun ihren Zug nach Frankfurt. Stelz kann den Ärger nachvollziehen, bittet aber um Verständnis: »Wir können nicht zaubern«, meint er. Die vier Buslinien hätten mit den Abfahrtzeiten der Züge in Einklang gebracht werden müssen. »Die Bahn fährt keinen vernünftigen Takt mehr. Es gibt einfach keinen stündlichen Plan, an den wir uns halten können.« Schwierigkeiten mit der Zuganbindung seien dadurch nicht zu vermeiden gewesen. Das treffe aber nicht nur den Busverkehr in Bad Nauheim. »Auch die Butzbacher zum Beispiel sind von diesem Schütteltakt betroffen.«

Dass nun der Aliceplatz seine Bedeutung als Umsteigeort ein Stück weit verliere, »war allen Beteiligten bekannt«, betont Stelz. Man könne mit Bussen, die im Halb-Stunden-Takt verkehren, nicht jeden Zug treffen. Er rät den Kunden, Ausweichmöglichkeiten wie Regionalbusse des RMV zu nutzen: »Auch die halten am Bahnhof.« Weitere Infos gibt es bei den Stadtwerken unter Telefon 0 60 32/8 07-1 30.


Nachgefragt bei Bürgermeister Witzel

Angesichts eines Haushaltsdefizits der Stadt Bad Nauheim von fast 10 Millionen Euro im kommenden Jahr ist der Stadtbus umstritten. Weil beim Betrieb dieses öffentlichen Nahverkehrsmittls ein enormer Fehlbetrag entsteht, wird teilweise gar dessen Abschaffung propagiert. Die WZ sprach mit Bürgermeister Bernd Witzel über diese Thema.

Wie hoch ist das Defizit, das der Stadtbus in diesem Jahr einfährt, und welcher Fehlbetrag wird 2010 erwartet?

Bernd Witzel: 2009 werden es voraussichtlich 559 000 Euro sein, für das kommende Jahr werden 580 000 Euro prognostiziert. Weil der Stadtbus Teil der Stadtwerke GmbH ist, verringern sich diese Summen allerdings durch die Steuerersparnis um rund 25 Prozent.

Die 3 B-Fraktion fordert die Abschaffung des Stadtbusses und will stattdessen ein Citytaxi einführen. Was halten Sie davon?

Witzel: Diesen Vorschlag halte ich für abenteuerlich, unüberlegt und nicht umsetzbar. Die Stadtwerke haben mit dem zuständigen Betreiber der Linien - also Busunternehmen - Verträge abgeschlossen, die bis zum 14. Dezember 2014 gültig sind. Ohne Stadtbus waren die normalen Linienbusse in den Rushhour-Zeiten total überfüllt. Dieser Zustand hatte nicht zuletzt zur Einführung eines Stadtbussystems geführt. Für eine Gesundheitsstadt hat ein Stadtbus oberste Priorität. Scheinbar hat 3 B nicht bedacht, dass die Bevölkerung unserer Stadt eine überdurchschnittlich hohe Altersstruktur hat. Diese Bürger haben ebenfalls einen Anspruch auf Mobilität und nehmen dieses System auch hervorragend an.

Um die gleiche Personenzahl mit einem Citytaxi transportieren zu können, würden wesentlich mehr Personalkosten anfallen, der steuerliche Querverbund würde entfallen. Zudem wäre bei der Bestellung des Citytaxis ein heilloses Durcheinander vorprogrammiert. Schon vor einigen Jahren wurde dieses System vom Parlament gefordert, überprüft und als nicht umsetzbar verworfen. Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt: In der ganzen Stadt wurden in den letzten Jahren mit erheblichem finanziellen Aufwand und Landeszuschüssen moderne Haltestellen mit Hochboard für barrierefreien Einstieg gebaut. Bei Abschaffung des Stadtbussystems müssten möglicherweise mehrere hunderttausend Euro zurückgezahlt werden. Auch alle Ampelanlagen und der moderne Busbahnhof sind auf das Stadtbussystem abgestimmt. 3 B ist sich offenbar der Tragweite eines solchen Antrags nicht bewusst.

Der Magistrat hat im Konsolidierungsprogramm für den Haushalt 2010 eine Optimierung des Stadtbus-Systems angekündigt. Was ist darunter zu verstehen?

Witzel: Zunächst sind die Mitarbeiter der Stadtwerke angewiesen, die genauen Fahrgastzahlen zu ermitteln. In Schwachlastzeiten, die durchaus vorhanden sind, könnten gegebenenfalls Sammeltaxen oder Citytaxen eingesetzt werden. Die Stadtbus-Verträge lassen eine Abweichung von zehn Prozent der vereinbarten Kilometerleistung zu. Für die Zeit nach 2014 ist darüber nachzudenken, ob ein Halbstundentakt unbedingt erforderlich ist oder zumindest teilweise ein Stundentakt vereinbart werden könnte. Wobei Änderungen eng mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund und der Verkehrsgesellschaft Oberhessen abzustimmen sind. (bk)

Fahrplanänderung: Stadtwerke informieren

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