Vage Pläne für neuen Windpark

Bad Nauheim/Wölfersheim (bk). Kein Windkraftprojekt ohne Widerstand. Potenzielle Investoren gehen mit Plänen erst an die Öffentlichkeit, wenn es konkret wird. Bürgerinitiativen verbreiten Informationen dagegen sofort, um Aufmerksamkeit zu erregen. Das gilt auch für Überlegungen für Windräder zwischen Bad Nauheim und Wölfersheim.
19. Dezember 2016, 18:33 Uhr
Mit dieser Fotomontage warnt die BI Gegenwind vor dem Bau von Windrädern östlich von Bad Nauheim. Zu sehen ist der Blick vom Johannisberg auf sechs Anlagen, tatsächlich planen die potenziellen Investoren aber höchstens drei. (Foto: BI/Grafik: WZ)

Kürzlich wurden in Wisselsheim Flyer verteilt. Die Bürgerinitiative Gegenwind Wetterau warnt darin vor »sechs industriellen Windkraftanlagen«, die zwischen Wisselsheim, Rödgen, Schwalheim, Dorheim, Beienheim, Melbach und Södel entstehen sollen. Mit dem tollen Blick von »einem der schönsten Plätze Hessens«, dem Johannisberg, könne es bald vorbei sein, erfährt der Leser. Alle Argumente, die aus Sicht der BI gegen einen »Windpark Bad Nauheim« sprechen, werden genannt – von der drohenden »Zerstörung« der Landschaft bis zum Vogelschutz. Gibt es tatsächlich konkrete Pläne?

Seit 2013, als der erste Entwurf für den »sachlichen Teilplan Erneuerbare Energien« vom Regierungspräsidium (RP) Darmstadt und dem Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main veröffentlicht worden ist, interessiert sich ein potenzielles Investoren-Duo für die Fläche im Osten der Kurstadt. Damals nahm die Bad Nauheimer Alphasol GmbH Kontakt mit dem RP auf. »Es ging seinerzeit allerdings nur um allgemeine Fragen zum Verfahren, nicht um konkrete Flächen«, erklärt RP-Pressesprecherin Nicole Ohly-Müller. Ein Genehmigungsantrag sei nicht gestellt worden. Trotzdem trieb Alphasol in Kooperation mit ihrem Partner, der Stuttgarter EnBW Windkraftprojekte GmbH, die Pläne voran.

Während die Alphasol-Chefetage trotz mehrfacher Anfrage keine Auskünfte gibt, zeigt sich EnBW-Konzernsprecherin Friederike Eggstein auskunftsfreudiger. Nicht sechs, wie von »Gegenwind« behauptet, sondern bis zu drei Windenenergieanlagen könnten in dem Gebiet entstehen. »Derzeit befinden wir uns in einer sehr frühen Phase der Projektentwicklung«, lässt Eggstein wissen. Trotzdem haben sich die potenziellen Investoren bereits Flächen gesichert. »Weitere Gespräche mit Grundstückseigentümern sind geplant.« Das Genehmigungsverfahren, in dessen Verlauf der Standort unter allen möglichen Gesichtspunkten geprüft wird, hat noch nicht begonnen. Nach Auskunft von Eggstein ist mit dem Windrad-Bau frühestens in zwei Jahren zu rechnen.

RP und Regionalverband bemühen sich seit Jahren darum, die Planung von Windenergieanlagen auf ein sicheres Fundament zu stellen. Dazu dient der »sachliche Teilplan Erneuerbare Energien«, der Vorrangflächen zur Windenergie-Nutzung in Südhessen enthält. Der neue Entwurf dieses Plans wurde von der Verbandskammer am Mittwoch beschlossen und wird jetzt offengelegt. Er beinhaltet deutliche Veränderungen gegenüber der alten Version aus dem Jahr 2013. So sind aus der 868 Hektar umfassenden Vorrangfläche im Raum Bad Nauheim/Wölfersheim/Rockenberg/Münzenberg (Nummer 10500) zwei kleinere mögliche Standorte für Windräder mit zusammen nur 270 Hektar geworden. Der eine liegt bei Wohnbach (10501), wo ein Unternehmen aus Hannover gegen den Widerstand der Gemeinde beim RP die Errichtung von vier Windrädern beantragt hat. Die zweite kleine Vorrangfläche (10502) ist östlich von Rödgen und Wisselsheim zu finden. Dafür interessiert sich das Duo Alphasol/EnBW.

Zusammengeschmolzen ist die riesige Vorrangfläche 10050 aufgrund zahlreicher Einwände, die in den letzten Jahren von Gemeinden und Bürgern vorgebracht worden sind. Der nördliche Teil wurde gestrichen, um die »landschaftsbildprägende Burg Münzenberg« nicht zu beeinträchtigen. Ebenfalls verzichtet wird auf Flächen östlich von Rockenberg, Oppershofen und Steinfurth. Dort sollen Brutgebiete von Rot- und Schwarzmilan geschützt werden. Außerdem wird eine »Umfassung« von Steinfurth und Södel durch Windräder verhindert. In Kraft treten wird der »sachliche Teilplan Erneuerbare Energien« vermutlich 2018. Dann dürfen nur noch in diesen Vorrangflächen Windenergieanlagen gebaut werden. Bis dahin haben Unternehmen theoretisch freie Hand, auch in anderen Gebieten zu investieren.

Ob die vagen Pläne von Alphasol und EnBW jemals verwirklicht werden, bleibt abzuwarten. Sollte ein Antrag gestellt werden, dürfte es mit Sicherheit zu Protesten kommen. Zudem liegt das kleine Stück Land im 15-Kilometer-Radius um das »Drehfunkfeuer« der Flugsicherung. Im Prinzip können an diesem Standort trotzdem Windräder entstehen, es bedarf laut RP-Sprecherin Ohly-Müller aber einer »positiven Einzelfallentscheidung« des Bundesamtes für Flugsicherung. Norbert Röstel, Sprecher der BI Gegenwind, ist davon überzeugt, dass das Investitionsvorhaben durchgezogen werden soll: »Es gibt nach wie vor einen harten ideologischen Kern, der solche Windenergie-Projekte trotz aller Widerstände betreibt.« Wichtig sei es, in einem solch frühen Stadium eine Debatte über den Sinn eines Projekts anzustoßen. Wenn sich Investoren erst das notwendige Land gesichert hätten, seien Einflussmöglichkeiten sehr begrenzt.

Die Stadt ist nicht informiert

Die Überlegungen von Alphasol und EnBW, östlich von Bad Nauheim möglicherweise Windräder zu bauen, sind im Rathaus nicht bekannt. »Die Stadt hat dort keinen Grundbesitz und ist deshalb auch nicht damit befasst. Ich gehe aber davon aus, dass sich ein Investor melden würde, wenn er konkret etwas vorhätte«, sagt Bürgermeister Armin Häuser. Seiner Ansicht nach ist diese Vorrangfläche von den Windverhältnissen her aber auch nicht interessant genug für Investoren. Prinzipiell werde derzeit jeder Standort für eine Windenergieanlage »sofort kaputtgeredet«. Das sei auch in Butzbach der Fall. Dort will die Stadt Bad Nauheim in einen kleinen Windpark investieren, gemeinsam mit Butzbach. Gegen das Vorhaben hat sich ein breites Bündnis gebildet, das ein Bürgerbegehren anstrebt. Weil dieses Ansinnen vom Parlament abgelehnt worden ist, kommt es in Kürze zu einem Gerichtsverfahren.

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