Spendable »Landratten« engagieren sich für Schriffbrüchige

Bad Nauheim (ihm). Mit einer Schiffstour verbinden Reisende schöne Erlebnisse, doch bei Sturm und Seegang kann daraus eine Katastrophe werden. Im Notfall hilft seit 150 Jahren die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Sich für diese Organisation einzusetzen, gehört in der Familie von Hans-Ulrich Halwe zum guten Ton.
09. August 2015, 16:43 Uhr
Hans-Ulrich Halwe (r.) braucht Unterstützer wie Dieter Jäckel, der in seinem »Deutschen Haus« ein Spenden-Schiffchen stehen hat. Das passt, denn Jäckel war als junger Mann Matrose bei der Bundeswehr. (Foto: Petra Ihm-Fahle)

Wenn Hans-Ulrich Halwe, der in der Kurstadt überall bekannt ist, mit dem Geldsammel-Schiffchen der Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (GZRS) unterwegs ist, stößt er bei den Gesprächspartnern oft auf Verwunderung. Was hat eine Seenotrettungs-Organisation mit Bad Nauheim zu tun? Der 71-Jährige verweist in solchen Fällen auf die Geschichte. Als Bad Nauheim ab 1870 als Kurstadt international bekannt geworden sei, hätten sich viele US-amerikanische Gäste mit dem Schiff hierher aufgemacht. »In der Stadt gab es damals sogar eine Agentur für Schiffsreisen, zudem wurde vor 120 Jahren bereits eine Ortsgruppe der DGZRS gegründet.« Heute ist Halwe der Ortsvertreter der Gesellschaft.

Die DGZRS wurde vor genau 150 Jahren ins Leben gerufen. »Die Bewohner der Nordseeinseln waren damals Strandräuber. Strandete ein Schiff an einer der vielen Sandbänke, plünderten die Insulaner das Strandgut, wenn Besatzung und Passagiere tot waren.« 1860 etwa kamen vor Borkum neun Seeleute in der Brandung ums Leben. Einer der ersten Badegäste auf Borkum hatte Inselbewohner bei diesem Unglück um Hilfe ersucht, allerdings erfolglos, da sie Angst um ihre Fischerboote hatten. Es waren unter anderem die Proteste dieses Mannes, die später zur Gründung der Gesellschaft führten.

Halwe stammt aus Norddeutschland, ist in Hamburg-Harburg aufgewachsen. »Alles, was in meiner Familie auf sich hielt, ging zur Seefahrt«, erzählt er. Sein Großvater, der im Ersten Weltkrieg auf Helgoland stationiert war, wollte eines Tages seinen Landurlaub antreten – doch das Schiff ging unter. Im letzten Moment wurde er von den Seenotrettern geborgen. »Darum steht die Familie der Gesellschaft nah«, berichtet der Bad Nauheimer, der beruflich aus der Art schlug. Für ihn stand schon als Junge fest, zur Eisenbahn gehen zu wollen. Das setzte er in die Tat um und bewarb sich, als Elvis Presley 1958 nach Bad Nauheim kam, schließlich für die Hauptverwaltung in Frankfurt.

»Nach einigen Jahren stellte ich fest, dass ich kein Verwaltungsmensch bin und sattelte auf Schilderbeschriftung und Werbung um. Die Eisenbahn steckt mir aber immer noch in den Knochen.« Sein ältester Sohn indes interessiert sich für die Schifffahrt, besitzt ein eigenes Boot. Früher organisierte Halwe alle zwei, drei Jahre Ausstellungen zum Thema Schifffahrt und Seenotrettung in der Trinkkuranlage, einmal im Jahr fährt er zwecks Kontaktpflege nach Warnemünde zum Informationszentrum der DGZRS. Überall an der Nord- und Ostseeküste betreibt die Gesellschaft Rettungsstationen.

Wirt sammelt besonders erfolgreich

250 Bad Nauheimer sind Mitglied der Ortsgruppe. Nach Ansicht von Halwe macht das durchaus Sinn, da viele Bürger gern auf Kreuzfahrt gingen und eines Tages auf die Retter angewiesen sein könnten. Im ganzen Wetteraukreis hat er Spenden-Schiffchen aufgestellt. »Meine Schiffchen mit dem meisten Umsatz stehen im Deutschen Haus in Bad Nauheim und im Weinhaus Röder in Friedberg.« Wirt Dieter Jäckel habe vor zwei Jahren sogar eine Urkunde bekommen, weil sein Geld-Schiff das erfolgreichste in Hessen war. »Wenn eine lustige Gesellschaft da ist, stelle ich es schon mal auf den Tisch«, erzählt Jäckel. In einer Ecke des Gasthauses hängen Fotos, die seine Bezüge zur Seefahrt belegen. Ein Bild zeigt ihn als jungen Matrosen auf dem Schulschiff »Deutschland« bei der Bundeswehr.

Halwe will Menschen animieren, ebenfalls ein Spenden-Schiff aufzustellen. »Viele haben den Gedanken an die Seefahrt oder fahren selber zur See. Geschäftsleute, Restaurantbetreiber, aber auch Privatleute unterstützen uns bereits.«

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