Topmodel

Heidi Klums Topmodel arbeitet in Gießen am Schreibtisch

Jennifer Hof war »Germany’s Next Topmodel«. 2008 gewann die damals 16-Jährige Heidi Klums Castingshow. Uns hat sie erklärt, warum sie ihr Bürojob in Gießen glücklicher macht als Glamour.
21. April 2017, 15:02 Uhr

Es regnet Glitzer. Gerade hat Heidi Klum gerufen: »Nur eine von euch kann Germany’s Next Topmodel werden. Nur für eine von euch werden sich alle Türen öffnen.« Dann reißt Jennifer Hof die Arme nach oben. Sie bricht in Tränen aus. Im Abendkleid steht sie auf einer großen Bühne im Blitzlichtgewitter. Im Juni 2008 öffnen sich für die damals 16-Jährige alle Türen.

Neun Jahre später: Jennifer Hof sitzt in einem Büro in Gießen und brütet über Lohnabrechnungen. Vor wenigen Jahren noch ging sie bei Modenschauen in New York und Paris über den Laufsteg. Ein Parfüm trug ihren Namen. Sie zierte das Cover der »Cosmopolitan«. Heute absolviert sie bei »Haas & Haas« eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten. »Mir war das Modelbusiness zu oberflächlich«, sagt sie. »Ich wollte eine Ausbildung machen, die Hand und Fuß hat und mit meiner Familie ein normales Leben führen«. Hof ist zweifache Mutter.

Von Eitelkeit oder Glamour ist bei der sympathischen Frau nichts zu spüren. Im Büro ist sie ungeschminkt, ihr blondiertes Haar kurz und verstrubbelt. Die Zeit als Model sei schon so lange vorbei, sagt sie. Und auch heute noch immer etwas unwirklich.

»Germany’s Next Topmodel« stellt im November 2007 Jennifer Hofs Teenagerleben auf den Kopf. »Ich war 16 und habe Mittlere Reife gemacht. Ich dachte, ich gehe zum Casting, fliege raus, und danach ist alles vorbei«, erzählt sie. Doch ihr Gesicht, die hohen Wangenknochen und ihre Größe von 1,80 Meter kommen an. Komplimente von Fotografen erhält sie vor allem für ihre langen Beine. Mit 1,13 Metern übertrumpft sie selbst Nadja Auermann.

Während der Show reist sie nach L.A., Paris, Tel Aviv und New York City. Morgens um 6 Uhr posiert sie in einem dünnen Kleidchen auf dem Dach eines Wolkenkratzers in Manhattan. »Wer erfriert, verliert«, sagt der Fotograf. Hof trotzt der Kälte, die 16-Jährige räkelt sich wie ein Profi vor der Kamera. »Das war ein Highlight«, blickt sie zurück.

In der GNTM-Staffel sorgen damals Gina-Lisa Lohfink und Sarah Knappik für Rabatz. Hof, das Küken, bleibt im Hintergrund. Immer wieder fordert Klum sie auf, Temperament zu zeigen. Am Ende aber ist sie die Siegerin, unter 18 217 Bewerberinnen.

Heute ist Hof 25 Jahre alt. Sie verliert kein böses Wort über die Sendung und den Modelberuf. »Ich habe viel von der Welt gesehen und gelernt, auf Menschen zuzugehen.« Dennoch zieht sie 2014 die Reißlinie. »Es ist das Drumherum, das mich stört«, sagt sie.

Nach dem Gewinn bekommt Jennifer Hof zunächst viele Aufträge. Sie läuft auf Modenschauen und wird das Gesicht einer C&A-Kampagne. Mehr und mehr aber fühlt sie sich unwohl. Sie liebte ihre Kurzhaarfrisur. Doch sie soll sich die Haare wachsen lassen, weil sich das besser verkaufe. Hof ist sehr schlank. Ein Mitarbeiter ihrer Agentur aber urteilt, sie sei nicht »in shape« und müsse abnehmen. Wenige Wochen später sagt er wiederum, sie sehe perfekt aus. »Dabei hatte ich nur ein anderes Kleid an«, erinnert sie sich. »Anfangs war ich naiv. So etwas würde ich mir heute nicht gefallen lassen.« Irgendwann erhält sie den Auftrag freizügig für einen Kalender zu posieren. Sie weigert sich – und gewinnt die Erkenntnis: »Das ist mir alles zu oberflächlich.« Einmal sagt sie einen Termin aus gesundheitlichen Gründen ab. Die Agentur wirft ihr fehlende Professionalität vor. Gleichzeitig treffen sie gehässige Kommentare auf Facebook. Mittlerweile hat sie sich dort abgemeldet.

Der Ausstieg aus dem Modelgeschäft fällt ihr leicht. »Ich bestehe aus mehr als nur aus Beinen«, sagt sie. Derzeit lebt sie mit ihrem Partner und zwei kleinen Töchtern idyllisch auf dem Land, in Ehringshausen. »Mein Tag beginnt um 5.30 Uhr.« Dann bringt sie die Töchter zur Kita und zur Tagesmutter und fährt nach Gießen. »Meinen Kindern will ich vermitteln, dass sie das Leben schätzen. Und sie sollen niemanden nach dem Äußeren beurteilen.« Würden ihre Töchter eine Modelkarriere anstreben, würde sie sie trotzallem unterstützen.

Auch in der Kanzlei fühlt sie sich wohl. »Wir wussten beim Bewerbungsgespräch, dass sie Topmodel war«, sagt Chef Johannes Haas. »Hätte sie sich wie ein eingebildeter Star benommen, hätten wir sie nicht eingestellt.« Mit den anderen Kandidatinnen hat Jennifer Hof keinen Kontakt. Auch Heidi Klum habe sich nie wieder bei ihr gemeldet. »Sie ist eben Geschäftsfrau.« Ein Wiedersehen gab es aber vor zwei Jahren in der Show. Jennifer Hof erzählt von ihrem neuen Leben und ihrer Familie. Klum schaut ihr in die Augen und sagt: »Du hast dich für etwas besseres entschieden.«

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