Nachbarn hören Hilfeschreie

Auch wenn er als Zauberer weit über Gießen hinaus bekannt war – die seherischen Fähigkeiten Riconellys dürften sich in Grenzen gehalten haben. Trotzdem soll er bereits an seinem 79. Geburtstag gegenüber seiner Pflegerin gesagt haben: »Die 80 schaffe ich nicht.« Keine vier Wochen später war er tatsächlich tot. Am 2. April vergangenen Jahres ermordet in seiner Wohnung in der Sudetenlandstraße. Die mutmaßliche Täterin – die 35-jährige Tuba S. aus Aachen – soll am 7. Mai desselben Jahres außerdem noch zwei Frauen in Düsseldorf getötet haben. Laut Anklage hat die zu den Vorwürfen schweigende hoch verschuldete Frau alle drei Morde aus Habgier begangen.
27. Januar 2017, 19:23 Uhr

Auch wenn er als Zauberer weit über Gießen hinaus bekannt war – die seherischen Fähigkeiten Riconellys dürften sich in Grenzen gehalten haben. Trotzdem soll er bereits an seinem 79. Geburtstag gegenüber seiner Pflegerin gesagt haben: »Die 80 schaffe ich nicht.« Keine vier Wochen später war er tatsächlich tot. Am 2. April vergangenen Jahres ermordet in seiner Wohnung in der Sudetenlandstraße. Die mutmaßliche Täterin – die 35-jährige Tuba S. aus Aachen – soll am 7. Mai desselben Jahres außerdem noch zwei Frauen in Düsseldorf getötet haben. Laut Anklage hat die zu den Vorwürfen schweigende hoch verschuldete Frau alle drei Morde aus Habgier begangen.

Am Donnerstag, dem dritten Verhandlungstag, sagte unter anderem Riconellys Ziehsohn vor der Schwurgerichtskammer des Gießener Landgerichts aus. In sehr kurzen Sätzen, oft nur mit Ja oder Nein, antwortete der 56-Jährige auf die vielen Fragen zum Lebenswandel des früheren Zauberers. Dabei dürfte der in der Nordstadt lebende Mann derjenige sein, der das spätere Mordopfer am besten gekannt hat: Mit 16 sei er das erste Mal auf Riconelly getroffen. Der sei damals noch Geschäftsführer einer »Bar mit Animierdamen« im Bahnhofsviertel gewesen, habe »auf die Mädchen aufgepasst«.

80 000 Euro in der Wohnung?

Ja, lautete die knappe Antwort des Zeugen auf die Frage, ob ihm die homosexuellen Neigungen Riconellys bekannt gewesen seien. Nach einem kurzen Schnaufen erklärte der weißhaarige Gießener, über Jahrzehnte selbst ein sexuelles Verhältnis mit dem Verstorbenen gehabt zu haben. Bei der Polizei habe er das zuerst nicht erwähnt, »weil ich mich geschämt habe«. Beinahe täglich sei er bei seinem väterlichen Freund gewesen. Der habe den laut Zeugen aus »schwierigen Verhältnissen« stammenden Mann großgezogen. In den vergangenen zwei Jahren habe Riconelly seine Wohnung praktisch nicht mehr verlassen, schilderte der 56-Jährige. Er habe die Einkäufe erledigt und auch sonst geholfen, dafür aber kein Geld gekriegt. Das habe ihn nicht gestört. Obwohl der frühere Zauberer 80 000 Euro Bargeld in Schränken und einem Safe gehabt haben soll. Mit diesem Geld habe Riconelly im Haus geprahlt.

Möglicherweise wurde ihm das zum Verhängnis, denn auch die Angeklagte zählte zu den früheren Nachbarn. Sie soll den 79-Jährigen in dessen Wohnung überwältigt und erwürgt haben. Den Safe fanden Ermittler später allerdings verschlossen vor. Der Inhalt: ganze 10 000 Euro. Als Tatzeit nimmt die Staatsanwaltschaft etwa 17 Uhr an. Zu dieser Zeit wollen Nachbarn Hilfeschreie gehört, aber nicht weiter beachtet haben, weil »das hier in der Gegend normal ist«. Außerdem war Riconelly um 17.01 Uhr zuletzt bei einem Online-Chat angemeldet und danach laut Zeugen nicht mehr erreichbar. Eine DNA-Spur der Angeklagten unter Riconellys Fingernägeln brachte die Ermittler auf ihre Spur. Nächsten Mittwoch erörtert die Kammer das Alibi des Ziehsohns, der anfangs unter Verdacht gestanden hatte.

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