Eigentlich sollte die »Königin der Instrumente« als erste saniert werden, doch die Königin musste warten: Als die Rüddingshäuser sich vor rund zwei Jahren die Orgel der evangelischen Kirche näher anschauten, fiel ihnen der Putz auf dem Gehäuse auf. Also ward zunächst die Decke mit dem wundervollen Sternenhimmel restauriert. Dass bei der Planung freilich auch das Geld eine Rolle spielte, sei erwähnt.

Jetzt aber steht die Finanzierung. Die ersten Vorarbeiten, so Kirchenvorstand Harald Matern, stehen bald an, die Orgel selbst kommt nach Ostern an die Reihe. Anders als anderswo können die Arbeiten vor Ort erledigt werden, und nach drei Monaten soll alles fertig sein, soll das Gotteshaus wieder »regulär« genutzt, sollen gleichsam neue Töne den Gesang der Gemeinde begleiten.

Für die Sanierung benötigt werden insgesamt rund 50 000 Euro, 34 000 Euro steuert die ev. Gemeinde, 6000 Euro das Dekanat bei. Die Deckungslücke hat jetzt die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen sowie das Landesamt für Denkmalpflege gestopft, die jeweils 5000 Euro spendieren. Gestern wurden die Bescheide dem Kirchenvorstand mit Pfarrerin Andrea Rink-Rieken an der Spitze übergeben.

Die Seelsorgerin dankte stellvertretend für die Zuwendung und strich die Bedeutung der Musik für den Gottesdienst heraus. Ohne Organisten aber gehe es nicht, und das Interesse schon an einer Ausbildung stehe und falle mit dem Zustand des Instrumentes.

Orgel von hohem Denkmalwert

Bei der kleinen Feier wurde eines vor allem deutlich: Rüddingshausens Orgel, 1804 und damit erst 36 Jahre nach der Kircheneröffnung aufgebaut, ist eine echte Rarität. Schon wegen der klassizistischen Schauseite. Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamts für Denkmalpflege, pries die unglaubliche Spielfreude der Ornamentik, das kleinteilige Dekor.

Was die Orgel auch zu einer Rarität macht, hat die Gemeinde übrigens ihrer Lage zu verdanken: Auf dem flachen, gerade früher ärmeren Land, fehlte das Geld, und so blieb die heute sehr seltene Pneumatik erhalten, wurde die nicht von einer mechanischen oder elektrischen Traktur (Verbindung zwischen Tasten und Spiel- bzw. Tonventilen) ersetzt. Das Orgelwerk der Gebrüder Link (Giengen) aus dem Jahr 1912, die luftbetriebenen Kegelladen mit sieben Registern auf einem Manual und Pedal blieben nahezu unverändert. So Landeskonservator Dr. Bernd Buchstab, für den feststeht: »Eine Orgel von hohem Denkmalwert, die den Archetypus einer kleinen, einmanualigen Dorforgel jener Zeit verkörpert.«

Dass die Sanierung einer Orgel weit über das Materielle hinausgehe, deren Musik die historischen Kirchenräume auf »faszinierende Weise belebt«, meinte Dr. Thomas Wurzel, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung. Daher lege man seit nun schon 17 Jahren dieses Förderprogramm auf, habe bis heute knapp zwei Millionen Euro ausgeschüttet. Womit nicht weniger als rund 100 bedeutenden Restaurierungen der Weg geebnet werden konnte. Jetzt also kommt eine weitere hinzu. Vorgesehen sind hier insbesondere die Überholung der pneumatischen Anlage, des elektrischen Gebläses sowie der Klaviaturen sowie überhaupt eine »Nachintonation im klanglichen Bereich«. (tb)

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