Hells Angels

Hells Angels, Osmanen, Bahoz: Wie stark brodelt es noch in Hessens Rocker-Szene?

Noch immer ist ungeklärt, wer den Gießener Hells-Angels-Chef Aygün Mucuk in Wettenberg tötete. Nicht die einzige offene Frage in der hessischen Rockerszene. Eine Einschätzung der aktuellen Lage.
27. Dezember 2017, 10:25 Uhr
Der Hells Angel Aygün Mucuk, Präsident des Charter Gießen G-Town, im Februar 2016 bei einer Boxveranstaltung in der Stadthalle von Offenbach. (Foto: dpa)

Der mutmaßliche Haupttäter vom Frankfurter Stoltze-Platz ist ebenfalls weiter auf der Flucht. Das Urteil gegen seinen mutmaßlichen Komplizen fällt voraussichtlich im März 2018. Bei der Schießerei unter Rockern am helllichten Tag waren zwei Männer verletzt worden. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

 

Wie stark brodelt es in der Rockerszene?

Die Szene hat sich nach Einschätzung des Landeskriminalamts in den vergangenen Monaten etwas beruhigt. Entwarnung geben die Ermittler aber nicht. Sie sehen die größte Brisanz in den Expansionsbestrebungen einzelner Gruppen sowie in der Neugründung von Gruppierungen. Dies gelte vor allem dann, wenn diese versuchten, in die Geschäftsfelder bestehender Gruppen einzudringen. Gemeint sind nicht nur die Hells Angels, sondern auch rockerähnliche Gruppierungen.

 

Wie weit sind die Ermittlungen im Fall Mucuk?

Weder die auffällige Tatwaffe, noch die Sendung »Aktenzeichen XY...« brachten eine heiße Spur. Mehr als 100 Hinweise seien abgearbeitet, »haben bisher aber nicht zur Täterermittlung geführt«, sagt der Gießener Staatsanwalt Thomas Hauburger. Der Kodex der Rocker erschwert die Ermittlungen. Polizei und Staatsanwaltschaft versuchen dennoch, immer wieder neue Ansätze zu finden, auch mit Hilfe der Kriminaltechnik. Zudem gehen noch vereinzelt Hinweise ein. »Die Ermittlungen werden nie eingestellt«, verspricht Hauburger. Der Gießener Hells-Angels-Chef, der sich mit den alt eingesessenen Rockern in Frankfurt angelegt hatte, war am 7. Oktober 2016 vor dem Clubhaus in Wißmar von mindestens zwei Tätern erschossen worden.

 

Gibt es einen Zusammenhang mit den Schüssen in Frankfurt?

Der Prozess in Frankfurt habe nichts Belastendes ergeben, was auf einen Zusammenhang hindeute, sagt Hauburger. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft sieht das auch so. Vor dem tödlichen Angriff auf Mucuk hatte es zudem so ausgesehen, als ob der Machtkampf zwischen den Frankfurter Hells Angels und den »jungen Wilden« aus Gießen weitgehend beigelegt war. Allerdings soll eine Auseinandersetzung zwischen Hells Angels in einem Frankfurter Hotel der Hintergrund für die Schießerei an Himmelfahrt 2016 gewesen sein. Einer von Mucuks Leuten soll dabei einem bekannten Frankfurter Hells Angel die Nase gebrochen haben. Der Mann wurde daraufhin aus dem Rockerclub ausgeschlossen.

 

Was war an Himmelfahrt passiert?

Zwei Männer aus der Rockerszene sollen bei strahlendem Sonnenschein vor einem Café auf dem belebten Stoltze-Platz gewartet und dann auf einen 41-Jährigen geschossen haben. Dieser saß am Steuer eines Geländewagens und war einige Wochen zuvor nach einem Streit aus dem Rockerclub ausgeschlossen worden. Er wurde von den Schüssen lebensgefährlich, sein 20 Jahre alter Begleiter auf dem Rücksitz schwer verletzt. Er soll nicht zu dem Rockerclub gehört haben. Eine Frau, die als dritte in dem Wagen saß, blieb unverletzt.

 

Wie weit sind die Ermittlungen?

Der mutmaßliche Haupttäter ist noch immer auf der Flucht. Er soll zur Tatzeit 38 Jahre alt gewesen sein. Sein mutmaßlicher Komplize - damals 56 Jahre alt – steht seit Mai 2017 vor dem Landgericht – unter anderem wegen versuchten Mordes. Der ehemalige Hells-Angel war wenige Tage nach der Tat in Rumänien gefasst worden. Er soll auf das Auto geschossen und die beiden Männer schwer verletzt haben. Vor Gericht ließ er über seinen Verteidiger erklären, eines der beiden Opfer habe ihn zuerst mit einer Waffe bedroht.

 

Wann ist in dem Prozess um die Schüsse mit dem Urteil zu rechnen?

Das Urteil verzögert sich – voraussichtlich bis März 2018. Das Landgericht Frankfurt hat Mitte Dezember einen neuen psychiatrischen Gutachter beauftragt. Der Mediziner soll die Vernehmungsfähigkeit und die Verwertbarkeit der Aussagen des lebensgefährlich verletzten Opfers (41) untersuchen. Den Antrag hatte die Verteidigung gestellt. Nach ihrer Auffassung sind die Angaben des Opfers unmittelbar nach den Schüssen möglicherweise nicht zu verwerten. Der Mann hatte in dieser Situation den Angeklagten schwer belastet, danach aber nicht mehr ausgesagt.

 

Wie haben sich die Konflikte zwischen Osmanen und Bahoz entwickelt?

Das Innenministerium hatte im Sommer angesichts der angespannten politischen Lage in der Türkei befürchtet, dass sich die Konflikte zwischen den rockerähnlichen Gruppen Osmanen und Bahoz verschärfen. Die Osmanen haben dem Ministerium zufolge rund 110 Mitglieder und neigen türkisch-nationalistischen Ansichten zu. Die 60 bis 70 Mitglieder starken Bahoz träten gegen die Verfolgung der kurdischen Minderheit in der Türkei ein. Allerdings hatten sie im September ihre Auflösung bekanntgegeben. Seither »konnten in Hessen keine Feststellungen zum Auftreten der Gruppierung getroffen werden«, sagt ein Sprecher des Landeskriminalamts.

 

Was haben die Razzien gegen die Osmanen ergeben?

Nach einer Razzia gegen die »Osmanen Germania BC« in Hessen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen im Juni hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen acht Männer Anklage erhoben. Einer von ihnen kommt aus Hessen, aus Bad Homburg. Es geht um versuchten Mord, versuchten Totschlag, räuberische Erpressung, gefährliche Körperverletzung, Zwangsprostitution und Zuhälterei. Die Polizei hatte bereits im März in Hessen und anderen Bundesländern Gewerbe- und Privaträume der rockerähnlichen Gruppierung durchsucht. Es ging um Geldwäsche, Urkundenfälschung, Erpressung und Drogen.

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