Wodka aus dem Netz

Harter Alkohol für Jugendliche leicht zu kriegen

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen spricht von einem schlechten Witz: Auch Jugendliche kommen relativ leicht an Rum oder Wodka – über das Internet. Ein falsches Geburtsdatum reicht.
14. November 2017, 17:00 Uhr
Die 17-jährige Anna schenkt sich einen Wodka ein. Die Flasche hat sie problemlos über das Internet bestellt. (Foto: dpa)

Anna könnte sich problemlos eine Flasche Wodka genehmigen. Die 17-Jährige aus der Nähe von Wiesbaden hat sich den harten Alkohol im Internet bestellt. Dafür gab sie einfach ein falsches Geburtsdatum ein. Die Flasche wurde geliefert, als sie nicht daheim war, Abholzettel im Briefkasten. Beim Nachbarn bekam sie das neutral verpackte Paket in die Hand gedrückt. Das klappt.

Jugendliche in Deutschland kämen leicht an Alkohol, bestätigt Raphael Gaßmann, Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Auch im Internet werde Alkohol genau auf Jugendliche zugeschnitten beworben und verkauft. »Und nicht nur Bier«, sagt Gaßmann.

 

Im Gegensatz zu nicht jugendfreien Filmen gibt es einen Graubereich

 

Wenn es nach der Drogenbeauftragten der Bundesregierung geht, sollten Minderjährige nicht so einfach Hochprozentiges bestellen können. Beim Jugendschutz sollten im Internet dieselben Spielregeln gelten wie an der Ladentheke, fordert Marlene Mortler. Doch das ist nicht so. Die Rechtslage ist beim Versandhandel nicht eindeutig formuliert.

Das Jugendschutzgesetz verbietet die Abgabe von Spirituosen an Kinder und Jugendliche in Gaststätten, Verkaufsstellen und »sonst in der Öffentlichkeit«. Aber ob der Versandhandel unter den letzten Punkt fällt, ist fraglich. Das sieht auch die Verbraucherzentrale (VZ) in Annas Heimatbundesland Hessen so. »Es gibt einen Graubereich«, sagt Peter Lassek, Rechtsreferent bei der VZ Hessen. Bei nicht jugendfreien Filmen gehe das Jugendschutzgesetz explizit auf den Versandhandel ein. Nicht so beim Alkohol.

 

Macht der Alkohol-Lobby angeprangert

 

Bei Tabakwaren wurde die Lücke im Jugendschutzgesetz schon geschlossen. Dass das beim Alkohol noch nicht geschehen ist, zeigt nach Meinung von DHS-Geschäftsführer Gaßmann die Macht der Alkohol-Lobby in Deutschland. Er sagt: »Das Jugendschutzgesetz ist in Bezug auf Alkohol ein schlechter Witz.« Die obersten Jugendbehörden aller Bundesländer haben nach einer Tagung im März ihre Rechtsauffassung mit Praxishinweisen zum Alkoholversand herausgegeben. Für die zuständigen Ministerien der Länder stellt der Alkoholversand eine Abgabe in der Öffentlichkeit dar. Mit geeigneten Verfahren müsse der Händler sicherstellen, dass keine Auslieferung an Minderjährige erfolgt, heißt es.

 

Kontrollen aus keiner hessischen Stadt bekannt

 

Ist der Online-Verkauf von Alkohol an Jugendliche also verboten? Müsste dann nicht auch von Seiten der Behörden kontrolliert werden? Das hessische Sozialministerium verweist auf die Zuständigkeit der Gemeinden für die Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten. Der Referatsleiterin für Sicherheit und Ordnung beim Hessischen Städtetag, Anita Oegel, sind Jugendschutzkontrollen beim Alkoholversandhandel aus keiner Stadt bekannt. Es sei praktisch kaum kontrollierbar, wer von wo aus wohin Alkohol liefere.

Auf zahlreichen Internetportalen ist die Altersprüfung schon schwieriger zu überwinden als auf dem Portal, in dem Anna einkaufte. Trotzdem gibt es immer schwarze Schafe.

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