»Es ist ja nur mein Hobby«

28. August 2017, 19:49 Uhr
Versteckt hinter einem Aktenordner zeigte sich der Angeklagte Philipp K. gestern in dem Münchner Gerichtssaal. Gut ein Jahr nach dem Amoklauf in München mit neun Todesopfern muss sich der mutmaßliche Verkäufer der Tatwaffe nun verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 32-Jährigen fahrlässige Tötung in neun Fällen und illegalen Waffenhandel vor. (Foto: dpa)

München (dpa). Er grüßte mit »Heil Hitler«. Und er hatte Hitlers Hetzschrift »Mein Kampf« auf der Festplatte. Sein Foto war in ein Bild des »Führers« montiert. In München steht seit Montag der Waffenhändler vor Gericht, der dem psychisch kranken Schüler David S. die Pistole für dessen Amoklauf in der bayerischen Landeshauptstadt verkaufte. Vor rund einem Jahr erschoss der 18-jährige Schüler neun Menschen und stürzte durch seine Tat die ganze Stadt in Chaos.

Philipp K. aus Marburg – dunkelblaues Hemd, Brille, kurze Haare – sitzt in dem Saal auf der Anklagebank, in dem sonst der Prozess um die rechtsextremen Morde des NSU gegen Beate Zschäpe läuft.

Einmal mehr geht es am Montag in diesem Saal um rechte Gesinnung – wenngleich dies nicht Gegenstand der Anklage gegen K. ist. Staatsanwalt Florian Weinzierl wirft dem 32-Jährigen vor, David S. eine Pistole Glock 17 und mindestens 450 Schuss Munition verkauft und damit den Amoklauf erst möglich gemacht zu haben, an dessen Ende sich der Schüler selbst erschoss.

Der Angeklagte leugnet nicht. Der gelernte Verkäufer gesteht alles, was die Anklage ihm vorwirft – und wendet sich auch gleich an die Angehörigen der Opfer: Er wolle »in ehrlich gemeinter Art und Weise« sein Beileid und sein Bedauern gegenüber den Familien der Opfer zum Ausdruck bringen«. Nie, so betont er, hätte er die Waffe an David S. verkauft, wenn er geahnt hätte, was dieser damit vorhatte. In Briefen an seine schwangere Freundin, die im Gericht verlesen werden, gibt sich der gebürtige Kölner reuig und einsichtig. »Ich wollte nie, dass es so kommt«, schreibt er – neben Liebesschwüren. Und darüber, dass er mindestens seit 2014 unter dem Decknamen »rico« im Darknet mit Waffen dealte, habe er selbst gedacht: »Es ist ja nur mein Hobby.« Er habe es nun nicht anders verdient. »Allerdings hoffe ich natürlich auf eine nicht allzu harte Strafe.«

Wohl wissend, dass die Briefe aus der Untersuchungshaft überprüft werden, schrieb er an seine Mutter, er sei fast froh, dass es so gekommen sei. »Außerdem bekommen die Angehörigen von München wenigstens etwas Gerechtigkeit.«

Nebenklage glaubt nicht an Reue

Die Nebenklage nimmt ihm diese Reue ganz und gar nicht ab. »Kuschelkurs« mit dem Gericht werfen die Vertreter der Opfer Philipp K. vor. Sie gehen davon aus, dass der Waffenhändler etwas wusste von den Plänen des Amokschützen. Für sie geht es damit nicht um fahrlässige Tötung in neun Fällen, wie die Anklage ihm vorwirft, sondern um Beihilfe zum Mord. Das würde das Strafmaß deutlich erhöhen. Zwar hatte sich Philipp K. später entsetzt über den Münchner Amoklauf gegeben, das hinderte ihn aber nicht, ein neues Waffengeschäft zu versuchen – dabei geriet er aber an die Polizei.

»Wir haben Hinweise, dass er sehr wohl wusste, was mit der Waffe geschehen sollte«, sagte Anwalt Yavuz Narin. Der Angeklagte habe David S. sogar Tipps gegeben, wie er den Amoklauf durchführen könne. Narin verweist auf die »Gesinnungsgenossenschaft« der beiden: David S. malte Hakenkreuze, grüßte auch mit »Heil Hitler« – und wählte für seinen Amoklauf den fünften Jahrestag des Attentats des rechtsextremen norwegischen Massenmörders Anders Breivik.

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