Streifzug Wetterau

Land vs. Logistikzentrum

Leise Entscheidung, laute Empörung: Im Februar stimmen die Wölfersheimer Gemeindevertreter dafür, dass Rewe ein Logistikzentrum bei Berstadt bauen soll. Die Reaktionen waren unterschiedlich.
28. Dezember 2017, 06:00 Uhr
Sabrina Dämon

Das Jahr 2017 geht seinem Ende entgegen. Auch in diesem Jahr gab es Triumphe, Tragödien, Unglaubliches und Unvergessliches. Der Streifzug blickt auf die pärgenden Momente in der Wetterau zurück.
Heute: Wie das geplante Rewe-Logistikzentrum Berstadt spaltet.

Er hat aus der Wetterauer Zeitung davon erfahren, erzählt Martin Rühl. Am Morgen des 7. Februar liest er die Überschrift »Rewe baut Großlager in Berstadt«. Im Artikel steht: Der Konzern plant, auf der Ackerfläche an der A 45-Auffahrt ein Zentrallager zu bauen. Damit sollen die Standorte Rosbach und Hungen zusammengelegt werden, die rund 550 Arbeitsplätze würden somit in der Region gehalten.

 

Von dem Lager aus sollen Rewe-Märkte in Hessen sowie in Teilen von Rheinland-Pfalz und Bayern beliefert werden. Im Artikel steht auch: »Im Wölfersheimer Parlament sind die bis zuletzt geheim gehaltenen Pläne abgesegnet worden.« Lediglich die zweiköpfige Grünen-Fraktion stimmt dagegen.

 

Naturschützer und Grüne sind gegen das Projekt

Die Kritik, die bald geäußert wird, kommt aus vielen Ecken. Da sind einmal die Grünen sowie Naturschutzverbände, die sich gegen die Pläne des Konzerns stellen. »Rewe schafft den Acker ab«, heißt es auf einem Plakat. Auch auf der WZ-Facebook-Seite äußern viele ihren Unmut; eine häufig geäußerte Kritik: Da wirbt Rewe mit regionalen Produkten, betoniert aber die Flächen zu, auf denen diese entstehen.
 

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Auch persönliche Gründe werden geäußert. Der Modellflugverein Wetterau/Wölfersheim ist zum Beispiel betroffen. Und auch nicht alle Landwirte sind begeistert: Sie müssen ihre Ackerfläche abgeben – und werden im Rahmen eines sogenannten Umlegungsverfahrens dafür entschädigt.
 

2018 soll es losgehen

Wie es bei Martin Rühl weitergeht, ist noch unklar. Er lebt auf dem zu Echzell gehörenden Aussiedlerhof, der durch eine Straße von der künftigen Rewe-Fläche getrennt liegt. Auch seine Mutter Beate Körner-Weinsheimer lebt dort. Sie will in ihrem Elternhaus bleiben, sagt sie; ihr Sohn jedoch überlegt noch.
 

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Und dann ist da noch der Öko-Rosenbauer aus Steinfurth. Drei Hektar hat Werner Ruf in Berstadt gepachtet. Zwar ist die Existenz seines Betriebes nicht gefährdet, wie er im WZ-Gespräch sagte, dennoch stellt er sich gegen die Pläne. Aus Prinzip. »Warum müssen ausgerechnet die Flächen mit dem besten Boden in ein Gewerbegebiet umgewandelt werden?«

 

Ein Prozent Ackerfläche gegen 550 Arbeitsplätze

Für die Befürworter gibt es einige Gründe. Arbeitsplätze stehen ganz oben und werden auch von Bürgermeister Rouven Kötter genannt. »Es geht dabei ein Prozent der Wölfersheimer Ackerflächen verloren, im Gegenzug schaffen wir es, 550 Arbeitsplätze in der Region zu halten«, sagte er.

Doch die Entscheidung, ein Logistiklager zu bauen, hat nicht nur die Gemeinde zu treffen. Mit dem Votum im Februar ist erst einmal eine Reihe bürokratischer Prozesse in Gang gesetzt worden. Baurecht, so ist es vorgesehen, soll bis Sommer 2018 geschaffen sein. Einige Hürden sind schon genommen, etwa ist die Zielabweichung vom Regionalplan in Frankfurt beschlossen worden – also dass aus einer Acker- eine Gewerbefläche wird.

Damit folgten die Abgeordneten der Regionalversammlung Südhessen dem Vorschlag der Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid (Grüne), die in einer langen Abwägung zu dem Schluss gekommen war, es sei richtig, Rewe in Berstadt ansiedeln zu lassen. 30 Hektar sollen betoniert werden. Der BUND kündigte an, dagegen zu klagen.
 

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Im neuen Jahr wird es weitergehen mit Diskussionen und Entscheidungen – und sehr wahrscheinlich mit dem Bau eines Logistikzentrums bei Berstadt.