Bürgerwehren waren während der Revolution von 1848 eine Reaktion der Obrigkeit und des gemäßigten Bürgertums auf die vielfachen Forderungen nach einer allgemeinen Volksbewaffnung. Oberstes Ziel war es, die gesetzliche Ordnung aufrechtzuerhalten. Die Mitglieder rekrutierten sich aus einem »Bürgerthum«, das »die Freiheit zu unterscheiden weiß von Zügellosigkeit, das die Willkür verabscheut, von welcher Seite sie auch ausgeübt werden sollte«. Mit
diesen Worten zitiert das »Intelligenzblatt« am 3. Juni 1848 in einem Bericht
über die Fahnenweihe der Bürgerwehr deren Kommandanten, den Großherzoglichen Bergrentmeister Karl Textor. Die Bürgerwehr war am
19. März in »Gerlachs Saal« gegründet worden.»Wie fast überall im großen deutschen Vaterlande, fühlt man auch hier das Bedürfnis, sich zu
bewaffnen und in größerer Anzahl unter einem selbstgewählten, tüchtigen
Führer zusammenzutreten um bereit zu sein, wenn es gilt gegen äußere und innere Feinde zu stehen und zu streiten«, berichtet das »Intelligenzblatt«. Erste Waffenübungen fanden auf der Seewiese statt. Die schwarz-rot-goldene Fahne, gestiftet »von den Frauen und Jungfrauen hiesiger Stadt«, trug den Schriftzug »Mit Gott für Freiheit und Vaterland «. Die zeitgenössische Karikatur zeigt vermutlich die Friedberger Bürgerwehr und spielt offenbar auf deren jämmerliche Rolle bei den antisemitischen Ausschreitungen des 3. und 4. Juni 1848 an. Damals zog eine gewaltbereite Menge zum Haus »Zum kleinen Landeck« (Kaiserstraße 38) der jüdischen Familie Grödel.Viele Bauern waren bei David
Grödel verschuldet. Am zweiten Abend wurde das Haus verwüstet. Die
Bügerwehr alarmierte zwar ihre Mitglieder, die aber nur tatenlos in der
grölenden Menge standen und die jüdische Familie nicht schützen wollten oder konnten. (jw/Foto: Stadtarchiv Friedberg)