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Verkehrsleitzentrale: Der tägliche Einsatz gegen den Stau

Artikel vom 28.01.2010 - 10.55 Uhr

Verkehrsleitzentrale: Der tägliche Einsatz gegen den Stau

Frankfurt/Main (ddp-hes). Zur Rushhour steigt in der Verkehrsleitzentrale im Frankfurter Stadtteil Rödelheim parallel zum Fahrzeugaufkommen auf den Straßen auch der Personalstand. »Mittags, nachts und am Wochenende ist ein Mitarbeiter im Kontrollraum ausreichend«, sagt Teamleiter Ralf Morawitz. »Aber nicht zu Spitzenzeiten.«
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Wie zwischen 18 und 19 Uhr. Zwei bis drei Mitarbeiter verfolgen dann auf einer 15-Quadratmeter-Bildwand Dutzende aufgeschaltete Kameras und rufen auf vier Monitoren am eigenen Desk zusätzliche Informationen ab. Ihr Auftrag: Stauvermeidung in Hessen mit Schwerpunkt Rhein-Main-Gebiet.

Über 100 Kameras haben den Verkehr auf den hessischen Autobahnen unaufhörlich im Objektiv, rund 4000 Induktionsschleifen zählen die Fahrzeuge und messen deren Tempo und Abstand, »Umfeldgeräte« kontrollieren Sichtweite und Temperatur, Wärmekameras durchdringen die Dunkelheit. »Aber in der Rushhour lösen hier Menschen die Probleme«, sagt der 34-jährige Verkehrsingenieur Morawitz. »Die Seitenstreifenfreigabe kann zum Beispiel kein Rechner übernehmen.«

Je nach Verkehrslage wird auf 63 Autobahnkilometern in Hessen die Standspur genutzt. »Vorher wedeln wir hier mit den Kameras jeden Meter des Seitenstreifens ab«, sagt Morawitz. Sind keine Hindernisse in Sicht, wird die Spur »am Ende beginnend« abschnittsweise freigegeben. Der Verkehr fließt hinten hinein. Gesperrt wird in umgekehrter Reihenfolge. Mit der Konzentration von Fluglotsen managen die Rödelheimer Verkehrsleiter auch eine Kaskade von Wechselwegweisern, um Routen zu setzen.

Autofahrern, die zur Rushhour Frankfurt in Richtung Wiesbadener Kreuz verlassen, kann so per Wechselzeichen signalisiert werden, dass der »Umweg« via Mörfeldener Dreieck Zeit spart. »Die Zahl der Staus steigt zwar weiterhin«, weiß Morawitz, »aber wir konnten die Zahl der individuell verbrachten Staustunden reduzieren.« Nur in besonderen Fällen greifen die Rödelheimer in die variable Geschwindigkeitsregelung ein. Anhand der Verkehrsdichte kalkuliert der Rechner die geeignete Höchstgeschwindigkeit.

»Der Verkehrsfluss steigt bei fallender Geschwindigkeit«, beschreibt Morawitz die Situation. Grund sind fehlende Ausreißer nach oben und weniger dadurch ausgelöste Bremsmanöver, die in der Stautheorie als »Aufschauklungseffekt« bekannt sind. Vor der Großbildwand in Rödelheim beschäftigen sich im Wechsel mehr als 40 hauptsächlich vom Land Hessen bezahlte Angestellte auch mit Baustellenmanagement oder der Vernetzung von Straße und Schiene. Ganz emotionslos verrichten die Kontrollraumleute besonders zur Rushhour ihren Dienst nie. »Wir bekommen hier auch Unfälle zu Gesicht«, erzählt Morawitz. »Die meisten sind harmlos, aber manche ganz schlimm.« Und gelegentlich wünscht sich die Monitorbesatzung auch, aus ihrem Büro an den Ort des Geschehens fliegen zu können, um einzugreifen. Ein Stau zeichnet sich ab, der Seitenstreifen muss dringend freigegeben werden, und am Rand stoppt jemand, um mit dem Handy zu telefonieren. »Da wünscht man sich insgeheim«, grummelt ein Mitarbeiter, »die Kamera wäre eine Laserkanone«.

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Artikel vom 28.01.2010 - 10.55 Uhr
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