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ADAC-Experte Herda im Interview: »Dem Stau aus dem Weg gehen«

Artikel vom 01.02.2010 - 17.28 Uhr

ADAC-Experte Herda im Interview: »Dem Stau aus dem Weg gehen«

»An Werktagen sind täglich 313 799 Pendler in Zug, Bus und Pkw mit dem Ziel Frankfurt unterwegs – »davon kommen rund 75 Prozent mit dem Auto«, sagt Wolfgang Herda in einem Interview mit unserer Zeitung.
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Wolfgang Herda
Der Verkehrsexperte des ADAC Hessen-Thüringen mit Sitz in Frankfurt-Niederrad verweist auf entsprechendes Datenmaterial. Als Quelle der Berechnungen durch den Planungsverband Ballungsraum Frankfurt/ Rhein-Main 2009 dienten die Zahlen der Agentur für Arbeit hinsichtlich der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigen 2007. »Damit ist Frankfurt die Pendlerhauptstadt Deutschlands«, sagt Herda und spricht von bis zu 240 000 Menschen täglich, die als Selbst- oder Mitfahrer dem Ballungsraum entgegenrollen. Jeden Morgen und jeden Abend dasselbe – stauanfällige Strecken lassen sich für Berufstätige kaum umgehen.

Die neuralgischsten Punkte im Rhein-Main-Gebiet hat der ADAC-Mitarbeiter schnell ausgemacht: Er nennt das Langenselbolder Dreieck via B 45 zur A 3, die A 3 zwischen Hanau und Frankfurter Kreuz, auf der A 5 den Bereich um das Gambacher Kreuz, Obermörlen bis zum Bad Homburger Kreuz und Nordwestkreuz sowie alle größeren Einfallstraßen nach Frankfurt. »Aber natürlich gibt es überall im Ballungsgebiet Schwierigkeiten, wenn es aufgrund von Witterungsbedingungen wie Schneeglätte, durch Unfälle, Baustellen oder ähnliche Behinderungen zu Verkehrsstörungen kommt,« gibt Herda zu bedenken.

Was Autofahrern zu raten ist, die täglich durchs jeweils wohlbekannte Nadelöhr müssen? Ein Patentrezept hat auch der ADAC-Experte nicht auf Lager, aber doch eine ganze Menge Vorschläge: »Dem Stau aus dem Weg gehen« – das hört sich banal an, kann aber gegebenenfalls dadurch erreicht werden, früher oder deutlich später loszufahren. Dabei sollte man vor der Abfahrt die Staumeldungen kontrollieren – Quellen der Informationen können zum Beispiel Teletext, Internet, Radio, www.adac.de, www.hr-online.de oder www.verkehrsinfo.hessen.de sein. Dass ein solcher Rat nicht für jeden passt, weiß auch Herda: »Für eine zeitliche Entzerrung der Fahrtzeiten und eine Anpassung an das Staugeschehen braucht der Arbeitnehmer flexible Arbeitszeiten beziehungsweise neue Arbeitszeitmodelle oder Gleitzeit«. Eine weitere Möglichkeit wäre ein Home-Office – »um von zu Hause aus zu arbeiten, beispielsweise im Dienstleistungsbereich«.

Und wer doch weiterhin zu festen Zeiten auf die Straße muss? Auch wenn es schwerfällt: »Einfach Ruhe bewahren«, ist der Tipp des Fachmanns. Bei Stau oder stockendem Verkehr von den Bundesautobahnen oder Hauptstraßen abzufahren hält er nicht für empfehlenswert: »Die Parallelstrecken sind ebenfalls meist überlastet.« Als sinnvoll auf ganzer Linie beschreibt er die Bildung von Fahrgemeinschaften: »Sie sind kostensenkend und umweltschonend. Außerdem entlasten sie nicht nur die Mitglieder der Fahrgemeinschaft, sondern alle Verkehrsteilnehmer.« Mancher Arbeitnehmer, der jetzt noch mit dem Auto zur Arbeit kommt, könnte möglicherweise auf andere Verkehrsmittel umsteigen, auf Bus oder Bahn – »oder auch auf’s Rad: Zumindest für kurze Distanzen bis sechs Kilometer zwischen Wohn- und Arbeitsort ist das durchaus überlegenswert!«

Bei der Frage danach, wie der Pendler seine Kosten senken kann, fällt Herda eine ganze Menge ein: »Sich mittel- oder langfristig ein sparsames Auto anschaffen, dabei alternative Kraftstoffe oder Antriebe in Erwägung ziehen. Am günstigsten ist der Einstieg mit Gas, wenn man ein Neufahrzeug damit ausstatten lässt – dabei ist zu beachten: Der günstige Steuersatz für Erd- und Autogas bleibt voraussichtlich bis Ende 2018 bestehen.« Die Kraftstoffkosten bei Gas liegen laut Herda bei durchschnittlich 63 Cent pro Liter. Biodiesel ist seiner Meinung uninteressant geworden: Der Mineralölsteuersatz werde aktuell stufenweise angehoben – auch ökologisch sei der Kraftstoff nicht mehr vertretbar, zudem die Freigaben der Autohersteller für die Verwendung von Biodiesel ziemlich restriktiv geworden seien. Bei Hybrid-Fahrzeugen, die einen Verbrennungs- mit einem Elektromotor kombinieren, sieht Herda ein hohes Einsparpotenzial bei geringen Schadstoff-Emissionen. Die Variante Elektro-Fahrzeug hält seiner Meinung nach Vor- und Nachteile bereit: Die Kraftfahrzeuge seien quasi wartungsfrei und relativ umweltfreundlich, allerdings im Moment noch ziemlich teuer. Zudem sei ein Netz von Ladestationen nötig.

Bereits Ende des Jahrzehnts erwartet Herda jedoch viele marktreife Produkte und Fahrzeugtypen, die auch bezahlbar sein werden. Weitere Kostenersparnis böte natürlich die Fahrweise: »Vorausschauend und mit gleichmäßig geringer Geschwindigkeit ohne ständiges Abbremsen und Wiederbeschleunigen – sozusagen im Verkehr mitschwimmen, den Schwung des Fahrzeugs nutzen und in flachem Gelände oder bei Gefälle rollen lassen«, lauten die Ratschläge. »Zudem früh in hohe Gänge schalten, vor dem Beschleunigen aber zurückschalten, um den Motor nicht zu stark zu belasten«.


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