Sie sind hier: Startseite » Stadt » Übersicht »

Zerstörtes Lungengewebe lässt sich regnerieren

Artikel vom 18.06.2008 - 23.42 Uhr

Zerstörtes Lungengewebe lässt sich regnerieren

Gießen/Bamberg (if). Mit einem spektakulären Erfolg, der viele Lungenkranke mit neuer Hoffnung erfüllen dürfte, können neuerdings die Forscher um Prof. Werner Seeger im Gießener Lungenzentrum aufwarten: Wie aus jüngsten wissenschaftlichen Veröffentlichungen hervorgeht und der Direktor des Zentrums und der Medizinischen Klinik und Poliklinik II der Justus-Liebig-Universität gestern vor Journalisten bestätigte, ist der Nachweis gelungen, dass sich geschädigtes oder zerstörtes Lungengewebe über neue Behandlungansätze regenerieren lässt.
Prof. Seeger berichtete von neuen Behandlungskonzepten bei Lungenhochdruck.	 (Foto: Schepp)
Lupe - Artikelbild vergrössern
Prof. Seeger berichtete von neuen Behandlungskonzepten bei Lungenhochdruck. (Foto: Schepp)
Gießen/Bamberg (if). Mit einem spektakulären Erfolg, der viele Lungenkranke mit neuer Hoffnung erfüllen dürfte, können neuerdings die Forscher um Prof. Werner Seeger im Gießener Lungenzentrum aufwarten: Wie aus jüngsten wissenschaftlichen Veröffentlichungen hervorgeht und der Direktor des Zentrums und der Medizinischen Klinik und Poliklinik II der Justus-Liebig-Universität gestern vor Journalisten bestätigte, ist der Nachweis gelungen, dass sich geschädigtes oder zerstörtes Lungengewebe über neue Behandlungansätze regenerieren lässt: Mäuse, die einen Lungenflügel einbüßten, bildeten innerhalb von 20 Tagen neue Lungenbläschen.

Damit konnte gezeigt werden, so Prof. Seeger, dass bei Lungenerkrankungen nicht nur funktionelle Verbesserungen erreichbar sind, sondern neu entwickelte Konzepte der »regenerativen Medizin« auch zu einer Organ-Erneuerung führen können.

Am kommenden Samstag wird der Gießener Forscher im Rahmen eines Festaktes im Kaisersaal der Bamberger Residenz in Anwesenheit der bayerischen Gesundheitsministerin Christa Stevens für seine hervorragenden Beiträge zur Erforschung von Lungenkrankheiten und die Entwicklung neuer Therapiekonzepte mit einem der höchstdotierten und angesehensten deutschen Medizinpreise, dem mit 50 000 Euro dotierten«Robert-Pfleger-Forschungspreis« ausgezeichnet.

Der Preis, der in Bamberg ansässigen »Doktor Robert Pfleger-Stiftung« - getragen von einem mittelständischen Unternehmen der Pharmabranche - wird seit 1986 in zweijährigem Turnus für herausragende wissenschaftliche Leistungen und grundlegende Konzepte mit zukunftsweisenden Denkanstößen auf allen Gebieten der Medizin vergeben, wie Reiner Schmidt vom Stiftungsrat betonte. Unter den bisherigen Preisträgern befinden sich so renommierte Namen wie der des Genetikers Klaus Rajewski und des Virologen Volker Termeulen.

Seeger, der im Vorfeld der offiziellen Ehrung in Bamberg im Unihauptgebäude einen gerafften Einblick in die aktuellen Forschungsvorhaben im »Hotspot der Lungenforschung« vermittelte, wertete die Auszeichnung zugleich als Ehre, Ansporn und Ermutigung für die rund 200 im größten europäischen Zentrum tätigen Wissenschaftler. Auf der Basis von Erkenntnissen aus der Grundlagenforschung arbeiten sie an neuen Behandlungskonzepten bei Lungenhochdruck, bei der Lungenfibrose sowie beim Emphysem , die unter den Begriffen Abbau, Umbau und Aufbau stehen.

Der Abbau der Verdickung von Lungengefäßen über den Einsatz von Wirksubstanzen aus der Onkologie, die überschüssiges Zellwachstum stoppen und überschießende Wandverdickungen reduzieren, zählt zu den neuesten Entwicklungen. Als »katastrophal« bezeichnete Seeger noch immer die Situation bei der Lungenfibrose, von der weltweit 100 Millionen Menschen betroffen sein dürften. In Gießen werden von zehn Behandungskonzepten vier überprüft. Ständig steigende Umweltbelastungen haben dazu geführt, dass das Lungenemphysem und chronisch obstruktive Lungenerkrankungen in der Statistik auf den dritten Platz der Todesursachen vorgerückt sind. Über die Reaktivierung von Programmen aus der Embryonalphase, die beim erwachsenen Tier abgeschaltet worden sind, sind bei der Maus neue Lungenbläschen gebildet worden: »Ansätze dafür gibt es auch beim Menschen. Unser Ziel ist es, über diesen Weg neues Lungenwachstum zu programmieren«.

Ein anderer Ansatz, um fundamental neue Wege bei der Behandlung von Erkrankungen zu erschließen, werden im Gießenr Lungenzentrum auch in Zusammenarbeit mit den Marburger Pharmakologen verfolgt, wobei es um die gezielt dosierte Freisetzung von Medikamenten geht. Seeger: »Die Lungenoberfläche - größer als ein Tennisfeld - kann man einsetzen für komplexe Medikamente, die im Magen-Darmtrakt weitgehend zerstört werden.« Die Verpackung von Wirkstoffen in kleine Fetthüllen-Mikrosomen wäre ein Weg, aber auch die Koppelung von Wirkstoffen mit Nanopartikeln könnte dazu dienen, um künftig beispielsweise die Wirkungsgrade zu erhöhen und Inhalationsintervalle zu verlängern.

Artikel Drucken Drucken  Versenden
Artikel vom 18.06.2008 - 23.42 Uhr
Social Networks
Facebook Twitter studiVZ meinVZ schülerVZ MySpace  Del.icio.us
X Diesen Artikel versenden






* Bitte füllen Sie alle Felder aus.
Kommentar schreiben
Impressum Kontakt AGB Nutzungsbedingungen Datenschutz
TopSeitenanfang