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Fußfessel als letzte Chance für junge Straftäter

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Artikel vom 09.01.2017 - 16.00 Uhr

Fußfessel als letzte Chance für junge Straftäter

Gießen (srs). Der Schüler ist in Häuser eingebrochen, hat Menschen geschlagen. Seit August trägt der 16-Jährige eine Fußfessel. Inzwischen spürt er das Bändchen am Knöchel gar nicht mehr. Beim Fußball erzielt er damit Tore. Und doch wiegt die Fessel tonnenschwer.

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Lammfromm wirkt der Jugendliche mit dem freundlichen Gesicht. Ehe er mit sanfter Stimme antwortet, hält er für einige Sekunden inne, blickt nach unten. Dann erzählt er, dass er wegen mehrerer verschiedener Straftaten eine Fußfessel trägt. Der 16-jährige Gießener ist in Schwimmbäder und Schulen eingebrochen. Er hat andere Jugendliche zu Boden geschlagen.

An seinem linken Fußknöchel trägt der Schüler nun ein schwarzes Bändchen. Es sieht einer Armbanduhr zum Verwechseln ähnlich. An der Stelle des Uhrwerks liegt aber unter einer rechteckigen schmalen Fläche aus Kunststoff ein Sender. Auf die Waage bringt die Fußfessel zwar weniger als 100 Gramm. Dennoch ist sie für den Jugendlichen eine Last. Er erzählt: »Vor kurzem habe ich einen alten Jugendbetreuer getroffen. Der hat die Fessel gesehen. Was der wohl über mich gedacht hat?«

In den ersten zwei, drei Wochen im Hochsommer habe er das Bändchen zuerst versteckt. »Mittlerweile aber nicht mehr. Bei blöden Fragen kann ich ja auch sagen: Das ist ein Pulsmesser.«

Der Schüler ist einer von nur vier Straftätern im Landgerichts-Bezirk, die eine sogenannte »kleine Fußfessel« tragen. Die »Elektronische Präsenzkontrolle« ist vorrangig eine sozialpädagogische Maßnahme. Der 16-Jährige hat seine Einwilligung gegeben. Ganz aus freien Stücken aber hat er sich das Bändchen nicht um den Knöchel binden lassen. Die Fessel ist die letzte Chance, um einer Haft zu entgehen. Er erklärt: »Ich muss mir die Bewährung erst verdienen.«

Ein Gericht verurteilte ihn im August zu einem Jahr und sechs Monaten auf Vorbewährung. Erst wenn er sich an Regeln im Rahmen der Fußfessel hält, kann die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Das Ziel: Der Jugendliche soll eine feste Tagesstruktur erlernen. »Der Kern ist«, erläutert Markus Weinandt von der Bewährungshilfe, »dass wir mit dem Probanden einen Wochenplan erstellen, an den er sich halten muss.«

Mithilfe des Bändchens weiß die Bewährungshilfe, ob der Schüler daheim ist oder nicht. In seiner Wohnung steht ein Empfänger, der per Radiofrequenztechnik erfasst, ob sich die Fußfessel in der Nähe befindet. Ist der Schüler entgegen der Vereinbarung nicht zuhause, erhalten die Bewährungshelfer eine Meldung – und rufen ihn an. Vorgefallen ist dies bisher eher im umgekehrten Fall. »Er war daheim, obwohl er in der Schule sein sollte«, berichtet Bewährungshelfer Erich Achilles. »Hin und wieder fällt der Unterricht kurzfristig aus. Bisher hält er sich aber weitgehend an die Wochenpläne.«



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