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Sigurdssons emotionale WM-Mission

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Artikel vom 11.01.2017 - 09.43 Uhr

Sigurdssons emotionale WM-Mission

Rouen (dpa) - In gut zwei Wochen ist es vorbei. Der Abschied von Handball-Bundestrainer Dagur Sigurdsson rückt immer näher, aber kaum jemand will darüber reden.
Abschiedstour
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Nach der WM hört Dagur Sigurdsson (M.) als Bundestrainer auf. Foto: Guido Kirchner
© dpa
«Das spielt keine Rolle», sagt Nationalspieler Andreas Wolff. Der Torhüter will sich konzentrieren, denn genau diese zwei Wochen sollen noch einmal möglichst erfolgreich gestaltet werden. Bei der WM in Frankreich kommt es aber mehr denn je auf die außergewöhnlichen Fähigkeiten des Isländers an. Was lässt sich der Querdenker für sein Abschlussturnier einfallen?

Sigurdsson hatte die Handball-Welt bereits vor einem Jahr überrascht. Mit dem sensationellen Gewinn der Europameisterschaft führte er die DHB-Auswahl zurück in die Weltspitze. Einige Monate später bestätigte er den Erfolgsweg mit der Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen. Dabei standen ihm viele etablierte Kräfte aus Verletzungs- oder Belastungsgründen die meiste Zeit nicht mal zur Verfügung. Das wird auch bei der WM in Frankreich so sein. Sigurdsson wird sich darum vielleicht noch länger als sonst auf seinem Hotelzimmer einschließen.

Schon während der vorangegangenen Turniere hatte er sein Zimmer kaum verlassen. Zwischen den Trainingseinheiten schaut er sich dort Spiele der kommenden Gegner an, analysiert ihre Schwächen, filtert ihre Stärken, entwickelt daraus seine eigene Strategie - und redet während dieser Zeit kaum. Für den Zuschauer werden die Kniffe des 43-Jährigen während einer Partie immer nur dann kurz sichtbar, wenn er seine blaue Taktiktafel hervorholt. Wie anders der ehemalige Nationalspieler Islands in Sachen Erfolgsstrategie tickt, zeigt eine Passage aus seiner jüngst erschienenen Autobiografie.

Für seine Ehefrau Ingibjörg sei eben jene blaue Tafel «schon manches Mal ein rotes Tuch» gewesen, schreibt er in einem Kapitel. «Zum Beispiel, wenn ich sie abends mit ins Bett nahm und die halbe Nacht damit zubrachte, die kleinen Magneten hin und her zu bewegen, bis ich eine neue Spielkombination ausgetüftelt hatte.» Diese Tafel wird er demnächst dann mit nach Japan nehmen, wo er nach der WM die Nationalmannschaft übernimmt.

Dennoch war seine Entscheidung, den DHB zu verlassen, in erster Linie keine für Japan - sondern eine für seine Heimat. Nach rund acht Jahren in Berlin zieht es seine Familie und ihn zurück nach Island. Von dort wird er regelmäßig zu den Lehrgängen mit dem japanischen Nationalteam fliegen. Eine Betreuung der DHB-Auswahl wäre von Island aus wohl nicht möglich gewesen.



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Artikel vom 11.01.2017 - 09.43 Uhr
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