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Muslimische Mädchen müssen zum gemeinsamen Schwimmunterricht

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Artikel vom 10.01.2017 - 21.28 Uhr

Muslimische Mädchen müssen zum gemeinsamen Schwimmunterricht

Straßburg/Berlin (dpa) - Muslimische Schülerinnen müssen generell am gemeinsamen Schwimmunterricht teilnehmen - daran hat nun auch der Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg keinen Zweifel gelassen.
Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte
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Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg. Foto: Jean-Christophe Bott
© dpa
Das Urteil liegt auf einer Linie mit einer höchstrichterlichen Entscheidung aus Deutschland, wo die Verfassungsbeschwerde einer Muslima gegen ein älteres Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 2016 nicht zur Entscheidung in Karlsruhe angenommen worden war.

Ein türkischstämmiges Elternpaar aus Basel scheiterte in Straßburg mit religiös begründeten Klagen gegen die Teilnahmepflicht für seine Töchter am Schwimmunterricht von Jungen und Mädchen. Die Schweizer Behörden durften der Schulpflicht und der Integration der Kinder Vorrang einräumen gegenüber dem Wunsch der Eltern nach einer Befreiung, entschieden die Richter. Die nationalen Gerichte in Europa werden das Urteil bei künftigen Streitfällen berücksichtigen müssen.

Der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, begrüßte das Urteil. Der «Heilbronner Stimme» sagte er, es sei ein «angemessener Kompromiss». Das Zulassen von Ganzkörperanzügen (Burkinis) ermögliche es Mädchen ab der Pubertät, islamische Bekleidungsgebote einzuhalten. «Ich rechne damit, dass es nur bei einer Minderheit der Muslime in Deutschland eine abweichende Meinung dazu gibt», sagte Mazyek.

Der liberale Freiburger Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi bezeichnete das Urteil als «richtig». Die Pflicht zur Teilnahme könne verhindern, dass muslimische Mädchen von ihren Familien von der Gesellschaft ausgeschlossen werden, sagte er der «Heilbronner Stimme».

Der Deutsche Philologenverband sieht die Straßburger Entscheidung als zusätzliche Richtschnur für Schulen in Deutschland. «Wir begrüßen dieses Urteil sehr, weil es auch unserem Verständnis von Schule entspricht - dass nämlich der schulische Erziehungsauftrag, die Integrationsfunktion von Schule einen Vorrang hat vor der Religionsfreiheit», sagte der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft, Heinz-Peter Meidinger, der Deutschen Presse-Agentur.



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