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«Extrem nervös»: Götz Alsmann entstaubt den Schlager

Artikel vom 08.02.2012 - 13.08 Uhr

«Extrem nervös»: Götz Alsmann entstaubt den Schlager

Münster (dpa) - Da möchte man Student sein: Halb singend, halb vortragend hat der Musiker und Unterhalter Götz Alsmann seine Antrittsvorlesung als Honorarprofessor an der Uni Münster gehalten.
Götz Alsmann
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Götz Alsmann beim «Dozieren». Foto: Friso Gentsch
© dpa
Das weiße Tuch ordentlich in die Brusttasche des Sakkos gesteckt, breitete der promovierte 54-Jährige sein Wissen über die Geschichte des Schlagers vor Hunderten Gästen, Medienvertretern und Studenten aus - ohne Powerpoint-Folien und Handout, dafür mit Ukulele und Akkordeon. An seiner alten Universität hatte der gebürtige Münsteraner zwar Heimvorteil. Trotzdem habe sein «Nervositätsfaktor alles bisher Dagewesene geschlagen», gibt Alsmann nach der Bewährungsprobe zu.

«Wenn ich eine Live-Sendung habe, habe ich überhaupt kein Lampenfieber. Heute war ich extrem nervös», sagt der Jazzmusiker. «Seit meiner Ernennung im Juli ist der heutige Abend in meinem Kopf immer größer geworden.» Deswegen sucht der Entertainer am Dienstag zunächst vertrautes Terrain. Vom Rednerpult, mit dem er noch etwas fremdelt, flüchtet sich Alsmann nach gerade einmal drei Minuten zum einsam aufgestellten Mikrofon in die Mitte der Bühne. Die Ukulele unter den rechten Arm geklemmt, trällert er den Bully-Buhlan-Schlager «Ich könnte mich am Nordpol nicht verlieben» von 1949. Zwischendurch grinst er neckisch. Die ersten bangen Minuten sind überstanden.

Ein runder Saal in den ehrwürdigen Gemäuern des Uni-Schlosses, mit altmodisch moosgrünen Vorhängen und Stühlen in derselben Farbe: Die Umgebung, in der sich Alsmann an diesem Abend bewegt, passt so gar nicht zu diesem paradiesvogeligen Künstler. Im Saal sitzen ein paar Dutzend Studenten der Musikhochschule, ansonsten hauptsächlich ältere Semester.

Alsmanns Vortrag über die Schlager-Historie ist ein Plädoyer für alte Unterhaltungsmusik. «Es gab eine Zeit, in der das öffentliche Zugeben, dass man diese Musik schätzt, nicht peinlich war», sagt der Mann mit der eigenwilligen Gel-Frisur, leicht vorgebeugt, die Arme auf das Pult gelehnt. Für seine Vorlesung hat er sich kein Manuskript zurecht gelegt, nur «eine Tabelle mit Punkten, die ich ansprechen wollte». Einmal fällt sie ihm herunter, schnell hebt er sie auf.

Schlager sei einmal eine Kunstform gewesen, die «etwas aufs Korn genommen hat», berichtet Alsmann. Charmant, witzig und in einem Duktus, der noch eher den Moderator als den Dozenten in ihm erkennen lässt, eröffnet er seinem Publikum eine Welt «jenseits des Gummiboots und der zehn nackten Friseusen». Von Jacques Offenbachs Operetten arbeitet er sich über den Einfluss exotischer Strömungen vor dem Zweiten Weltkrieg bis zu den Genre-Schlagern in den 50er Jahren vor. Die drei kleinen Wasserflaschen, die sorgsam aufgereiht neben dem Rednerpult stehen, bleiben unangerührt.



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