Berlin (dpa) - 152 Kinder sind im vergangenen Jahr in Deutschland durch Gewalttaten ums Leben gekommen. Das waren erneut weniger als im Jahr zuvor. 2008 wurden 186 Kinder Opfer von Mord, Totschlag oder tödlicher Körperverletzung.
152 Kinder sind im vergangenen Jahr in Deutschland durch Gewalttaten ums Leben gekommen. (Archivbild)
Im Vergleich der vergangenen zehn Jahre gebe es einen kontinuierlichen Rückgang, sagte der Abteilungsleiter des Kriminalistischen Instituts beim Bundeskriminalamt (BKA), Carl- Ernst Brisach, am Mittwoch in Berlin. Er stützte sich auf Zahlen der Kriminalstatistiken der Polizei. Die Mehrzahl der getöteten Kinder (123) war jünger als sechs Jahre.
Gleichzeitig stieg die Zahl der angezeigten Misshandlungen auf 4081. Grund dafür sei vermutlich die erhöhte Aufmerksamkeit in der Bevölkerung, sagte Brisach auf einer Veranstaltung der Deutschen Kinderhilfe in Berlin. Nachbarn, Erzieherinnen und Ärzte zeigten mehr Misshandlungen an und verhinderten so auch Todesfälle.
Daher gebe es auch mehr Fälle, in den Jugendämter Kinder in ihre Obhut nehmen: 32 300 im Jahr 2008, 28 200 Fälle waren es im Jahr 2007. Für 2009 lagen noch keine Angaben vor. Die Zahl der tatsächlichen Misshandlungen übersteige die Zahl der Anzeigen vermutlich um ein Mehrfaches, sagte Brisach.
Ein großer Teil der Gewalt gegen Kinder geschehe in der Familie. Brisach betonte: «Das Risiko für Kinder, getötet zu werden, ist im ersten Lebensjahr am größten.» Ein Drittel der getöteten kleinen Kinder unter sechs Jahren seien Neugeborene. Als «alarmierend» bezeichnete der Kriminalexperte die «ständig steigenden Zahlen» sexuellen Missbrauchs von Kindern für Kinderpornografie. Wegen des zunehmenden Datenschutzes werde die Aufklärung derartiger Verbrechen für die Polizei immer schwieriger.
Der Vorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, Georg Ehrmann, sagte, es gebe keinen Grund zur Entwarnung. «Drei getötete Kinder in der Woche sind keine Einzelfälle.» Ehrmann forderte einheitliche Standards für die Arbeit der Jugendämter in Deutschland, die bisher autonom seien. Verpflichtende Hausbesuche müssten bei Problemfällen gesetzlich festgelegt werden.
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