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Spaziergänger finden verdächtige Köder im Feld

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Artikel vom 30.11.2010 - 12.00 Uhr

Spaziergänger finden verdächtige Köder im Feld

Wöllstadt/Karben (zoe). Es ist ein warmer Novembertag, als Sabine Geckeler mit Samojede-Mix-Hündin »Schiela« vom Hundeschutzhof der Hundenothilfe »Vier Pfoten« übers Feld spaziert. Die Kloppenheimerin geht in ihrer Freizeit ehrenamtlich mit den Vierbeinern des Hofs in Nieder-Wöllstadt Gassi. Viele Fußgänger sind an diesem Tag mit ihren Tieren unterwegs. Plötzlich findet »Schiela« auf dem Feld ein Stück frisches Fleisch, das ihr die 43-Jährige gerade noch aus dem Maul nehmen kann.
Die bläulichen Verfärbungen am zur Aufbewahrung eingefrorenen Fleisch sind deutlich zu erkennen.
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Die bläulichen Verfärbungen am zur Aufbewahrung eingefrorenen Fleisch sind deutlich zu erkennen.
»Erst wollte ich es wieder wegwerfen, doch dann habe ich die komische Färbung gesehen«, sagt die Steuerfachangestellte im Gespräch mit der WZ. Das Innereistück war an einigen Stellen bläulich. »Daraufhin habe ich es mitgenommen, weil ich vermutet habe, dass es vergiftet ist.« Schon vor rund zwei Jahren waren in Ober-Wöllstadt mit Nägeln präparierte Fleischstücke gefunden worden.

Noch zweimal innerhalb einer Woche hätten Spaziergänger vermutlich vergiftete Fleischstücke auf dem Feld und am Wegesrand in der Nähe der Hundenothilfe gefunden, erzählt Geckeler. Alle wiesen die gleiche bläuliche Verfärbung auf. Geckeler recherchierte im Internet und entdeckte Hinweise, dass es sich um ein bestimmtes Rattengift handeln könnte. Sie wandte sich ans Veterinäramt, um das Fleisch untersuchen zu lassen. »Die haben gesagt, dass sie es nicht machen können«, erzählt sie. In der Tat hat das Veterinäramt in Friedberg nicht die Möglichkeiten dazu: »Wir haben kein Labor, in dem wir das untersuchen könnten«, erklärt Fachstellenleiterin Dr. Isabell Tammer. »Giftstoffe nachzuweisen ist sehr aufwändig.« Sie habe im Landesbetrieb Hessisches Landeslabor in Gießen nachgefragt, doch auch die könnten eine solche Untersuchung nicht leisten. Die Fachstellenleiterin gibt den Tipp, sich in solchen Fällen an die Polizei zu wenden. Das hat Geckeler auch getan: »Es hieß, es könne erst etwas unternommen werden, wenn ein Schaden passiert ist.« Denn laut Gesetz ist ein Hund als Sachgegenstand zu bezeichnen. »Vier Pfoten«-Vereinsvorsitzende Cornelia Baumgärtner kann nicht nachvollziehen, dass erst etwas passieren muss, bevor die Behörden reagieren: »Neben unserem Hof ist zum Beispiel noch eine Hundepension, und viele Spaziergänger laufen die Feldwege mit ihren Tieren entlang.«

Ihre Hunde würden stets an der Leine geführt. »Es gibt immer Menschen, die etwas gegen frei herumlaufende Hunde haben, aber ein Köder lag ja sogar direkt am Wegesrand.« Die ehrenamtlichen Gassi-Geher seien daher alle gewarnt worden, besonders aufmerksam zu sein. Wegen des Giftfleisches habe Geckeler auch eine Tierärztin gefragt, doch das Wegschicken der Probe wäre wohl sehr kostspielig geworden. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Fleisch vergiftet ist, sei nach Ansicht der Tierärztin aber groß.

Polizeipressesprecher Jörg Reinemer vermutet das ebenfalls und erklärt: »Es ist leider eine Tatsache, dass Tiere als Sachgegenstände bezeichnet werden und der Versuch einer Beschädigung laut Tierschutzgesetz Paragraf 17 nicht geahndet wird.« Die Gerichte würden sich in diesen Belangen noch schwer tun.

Es gebe jedoch eine Möglichkeit. »Man könnte die Fleischstücke über das Gefahrenabwehrgesetz überprüfen lassen.« So werde untersucht, ob und mit was die Stücke vergiftet worden sein könnten. »Es ist ja unbestreitbar, dass eine Gefahr nicht nur für Hunde, sondern auch andere Tiere bestehen könnte«, sagt Reinemer. Er schlägt vor, dass Geckeler die Fleischstücke zur Polizei bringt. Die Proben würden dann zur Untersuchung in die Uniklinik Gießen geschickt, die Gifte nachweisen könne. »Sollte tatsächlich welches enthalten sein, werden wir eine Warnung herausgeben«, sagt Reinemer.

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Artikel vom 30.11.2010 - 12.00 Uhr
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