Wölfersheim-Berstadt (en). In einem ausführlichen Brief informiert Bürgermeister Rouven Kötter die Bürger in Sachen Gestank. »Momentan stinkt es teilweise gewaltig in Berstadt und darüber hinaus, das ist nicht wegzudiskutieren«, begründet er sein Schreiben. Er verstehe »völlig«, wenn sich Anwohner beschwerten.
Je feiner das Schreddergut, desto größer die Gefahr, dass es stinkt: Holzverwertung bei Biokraft. (Foto: pv)
Aus eigener Erfahrung könne er bestätigen, dass sich auf dem Gelände der Firma Biokraft im Industrie- und Gewerbegebiet phasenweise ein »sehr beißender und äußerst unangenehmer« Geruch entwickele. Persönlich habe er sich mit den Verantwortlichen getroffen und »Druck ausgeübt«.
Die Firma Biokraft schreddert Holz, die Ansiedlung des Unternehmens war parteiübergreifend begrüßt und beschlossen worden. Die groben Holzhackteile werden laut Kötter in Offenbach in einem Kraftwerk verbrannt, das feine Restholz auf dem Gelände in Berstadt gelagert und weiterverkauft. Beispielsweise wird es der Gartenerde beigemischt. Der Geruch entwickele sich in den Haufen feinen Holzes. Kötter versichert: »Etwas anderes findet auf dem Gelände nicht statt.« Die Firma habe sich dafür die aufwändigste Genehmigung einholen müssen, die es in Deutschland gebe: Die so genannte BImschG-Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz.
Der Rathauschef in dem Brief auf die Lösungsansätze ein, deren Umsetzung ihm Geschäftsführer Manfred Zimmermann zugesagt habe. Kurzfristig sollte demnach weniger Holz gelagert werden, zudem wolle man die Lagerzeiten reduzieren. Im April - das kündigte Kötter auch am Montagabend in der Sitzung des Gemeindeparlaments an - beginne die Firma mit dem Bau der zwei Hallen, die Teil der Genehmigung seien. Eine entstehe entlang der Landesstraße, eine in Richtung Industriegebiet. Sie seien lediglich zum Hof hin geöffnet. Der Gebäuderiegel solle den Geruch weitgehend abfangen. Die Hallen seien laut Zusage des Geschäftsführers bis zum Sommer fertig gestellt.
Falls all dies keine signifikante Reduzierung des Geruchs bringe, werde die Gemeinde über das Regierungspräsidium auf eine Überprüfung der Betriebserlaubnis drängen und den Druck auf Biokraft weiter erhöhen. Die Gemeinde selbst habe keine ordnungsrechtlichen Möglichkeiten, gegen das Unternehmen vorzugehen.
Dass in der Öffentlichkeit das Biokraft-Problem häufig mit der geplanten Biogasanlage vermischt werde, missfällt Kötter: »Das hat nichts miteinander zu tun.«
Eine solche Geruchsbelästigung sei von der Biogasanlage keineswegs zu erwarten. Jeder Geruch, der aus dem geschlossenen System entweiche, bedeute für die Ovag als Betreiber weniger Gewinn, denn das Gas solle ja ins Netz eingespeist werden. An der Anlage verdiene dabei keineswegs nur die Ovag, sondern letztlich jeder Bürger Wölfersheims: Durch das Grundstücksgeschäft und später zu erwartende Gewerbesteuereinnahmen komme Geld in die Gemeindekasse, mit dem man beispielsweise Hallen für Vereine und Feiern unterhalte oder einen neuen Kindergarten in Berstadt baue.