Wölfersheim/Berlin (pm/en). Die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva Kühne-Hörmann, hat dem irakischen Botschafter in Deutschland, Alaa Al-Hashimy, am Donnerstagnachmittag in der Hessischen Landesvertretung in Berlin 22 altorientalische Fundstücke übergeben. Die bis zu 4000 Jahre alten Stücke waren bei einer Hausdurchsuchung 2007 in Wölfersheim - eher zufällig - sichergestellt worden.
Fast einzigartig: der Tonnagel von Isin, wertvollstes Stück aus dem Wölfersheimer Fund.
Es handelt sich um Keilschrifttafeln, Tonbriefe, Rollsiegel und so genannte Tonnägel, also konisch geformte Tonstücke mit Inschriften. Sie stammen zweifelsfrei aus dem Irak und hätten nicht ausgeführt werden dürfen.
Wölfersheim, 2007 n. Chr.: Polizisten durchsuchen ein Haus, der Bewohner soll Hehlerware aus Raubgrabungen bei sich daheim horten. Vornehmlich aus Hessen und Rheinland-Pfalz. Was dann alles zum Vorschein kommt, verblüfft freilich selbst die größten Optimisten: Zwei Lastwagenladungen waren es nach den Worten des Gießener Oberstaatsanwalts Reinhard Hübner. Vieles wie erwartet aus heimischen Breiten, aber auch Stücke aus Balkanländern und aus dem Irak. Manche über 4000 Jahre alt, so gut wie weltweit einzigartig und entsprechend wertvoll.
Von Soldaten geschmuggelt?
Als dem Wölfersheimer der Prozess gemacht wurde, kam heraus, dass er unter anderem über Ebay-Auktionen an die verbotene Ware gekommen war. Und dass amerikanische und britische Soldaten wohl die mesopotamischen Kulturgüter aus dem Irak geschmuggelt hatten. Mit neun Monaten Haft auf Bewährung wegen Hehlerei war der Wölfersheimer seinerzeit aus der Sache herausgekommen.
»Wir geben diese wertvollen Kulturgüter und Zeugnisse der frühen Hochkulturen Mesopotamiens in das Land zurück, aus dem sie unrechtmäßig entwendet wurden«, sagte Ministerin Kühne-Hörmann und erinnerte an die Resolution des UNO-Sicherheitsrats, nach der der Handel mit irakischen Kulturgut verboten ist.
Botschafter Al-Hashimy sagte: »Die Übergabe des Kulturgutes ist von unschätzbarem Wert für den Irak. Dies ist ein Zeichen für den Erhalt des Erbes der Entwicklung der Zivilisation und dient der Einheit des Irak.«
Professor Walter Sommerfeld vom Centrum für Nah- und Mittelost-Studien der Uni Marburg hatte in seinem Gutachten festgestellt, dass die Fundstücke aus Raubgrabungen stammen. Die Herkunftsorte ließen sich präzise bestimmen: die antiken sumerischen Städte Girsu, Isin, Larsa und Umma im Südirak.