Wölfersheim (sto). Für dieses Jahr hatte die Laienspielgruppe »Lampenfieber« ein Lustspiel in drei Akten von Wolfgang Binder ausgewählt. Dreimal hob sich dafür am Wochenende der Vorhang in der Wetterauhalle. Obwohl die Gruppe die Einrittspreise gegenüber dem Vorjahr sogar gesenkt hatte, kamen weniger Zuschauer als damals zu den Vorstellungen.
Platzen ins Lottofieber: Kerstin Bauer und Hannelore Gorr als verschollene Schwestern.
Die Zuhausegebliebenen verpassten unterhaltsame Stunden. Schließlich brachte das Sextett auf der Bühne die Verwicklungen rund um die Familie Schmelzer in gekonnter Manier von der geschmackvoll dekorierten Bühne ins Auditorium herüber.
Im Zentrum des Stücks stand das liebe Geld. Um einen Lottogewinn ging’s, in Höhe von märchenhaften 14 Millionen Euro. Die Komplikationen damit, dass vor nun fast 25 Jahren Franziska Schmelzer (Carmen Gunkel) ihrem Mann Horst-Dieter (Rolf Eichenauer) vor der Hochzeit geschworen hatte, nie mehr Lotto zu spielen, was sie nicht immer einhielt.
Lottofeind Horst-Dieter seinerseits war schwach geworden und hatte einmal gespielt. Prompt wurde der 13-Millionen-Jackpot von zwei Personen geknackt, und zwar von Herrn und Frau Schmelzer. Beide wussten nicht, wer die andere Hälfte der Millionen gewonnen hatte, und jeder fragte sich, wie er dem Partner das viele Geld erklären sollte.
Horst-Dieter beriet sich mit seinem Freund Bernd Kraus (Michael Gorr), und ihm fiel seine Schwester Ulrike (Hannelore Gorr) ein, die vor vielen Jahren nach Neuseeland ausgewandert war und nichts mehr hatte von sich hören lassen. Sie sei gestorben und habe ihrem Bruder 6,5 Millionen vererbt.
Parallel dazu entsannen sich Franziska Schmelzer und Tochter Kerstin (Elisa Kirchner) an Franziskas Schwester Anne Blumfeld (Kerstin Bauer). Sie war nach Kanada ausgewandert. Da könnte man sie doch sterben lassen und von ihr 6,5 Millionen erben.
Alles wäre vielleicht gut ausgegangen, wenn da nicht die beiden angeblich Verblichenen kurz hintereinander an der Schmelzerschen Terrassentür geklopft hätten. So galt es für die beiden »Verschwörungsduos«, dem jeweils anderen Paar eine andere Geschichte aufzutischen bezüglich ihres Besuchs. Das Gewirr der Argumente wurde zusehends undurchschaubarer, bis die beiden Gäste Tochter Ulrike und Freund Bernd reinen Wein einschenkten und beschlossen, dem Lotto-Paar ein Lektion in Sachen Vertrauen in der Ehe zu erteilen. Doch dazu musste es nicht mehr kommen. Horst-Dieter und Franziska gestanden sich ihren Lottofehltritt ein und verziehen sich.
So konnte man zum Abschluss der zweistündigen Vorstellung eine Sektflasche entkorken und auf die gemeinsamen 13 Millionen trinken, die sich noch um 1,4 Millionen vermehrten. Der bei der Bundeswehr Dienst tuende Schmelzer-Sohn schickte in die fröhliche Sektrunde per SMS die frohe Botschaft von 1,4 Millionen im Spiel 77.
Hinter der Kulisse trugen Souffleuse Heidrun Sprengel, Tontechniker Rüdiger Sprengel und die Maskenbildnerinnen Annerose Augsten, Doris Groß und Dagmar Lück zum Gelingen der Abende bei.