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Holz wärmt dreimal auf dem Weg in den Kamin

Artikel vom 10.04.2008 - 00.00 Uhr

Holz wärmt dreimal auf dem Weg in den Kamin

Wölfersheim-Wohnbach (sto). »Ein Meter zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten« – Auktionator Rouven Kötter steht mit rund zwei Dutzend Männern besten Alters am Steinernen Haus im Wohnbacher Wald. Wie in jedem Frühjahr trifft man sich zur gemeinsamen Holzversteigerung des Gemeindewalds Wölfersheim und des Staatswalds Rockenberg. 60 Meter Buchen- und fünf Meter Eichenholz sollen diesmal unter den Hammer kommen.
Geboten wird mit dem Schirm, der wärmende Schluck ist zur Hand und Auktionator Rouven Kötter (rechts) hat alles im Griff: Holzve
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Geboten wird mit dem Schirm, der wärmende Schluck ist zur Hand und Auktionator Rouven Kötter (rechts) hat alles im Griff: Holzversteigerung im Wohnbacher Wald. (Foto: Storck)
Gegenüber den Vorjahren ist die Zahl der Besucher gering. Das liegt zum einen sicher am schmuddeligen Wetter – aber so mancher murrt auch leicht ob der angehobenen Taxpreise. Schließlich lautet die Vorgabe, dass unter 64 Euro kein Meter Buche und unter 59 Euro kein Meter Eiche den Eigentümer wechseln darf, was eine Steigerung von fast 30 Prozent bedeutet. Die weiteren Regularien, wie etwa die Gebotserhöhung um jeweils einen Euro, erläutert Kötter, bevor er zur Tat schreitet.


Doch halt – etwas Wärmendes braucht der Waldläufer: Erst einmal genehmigen sich alle ein Schnäpschen. Und dieses alte Holzauktionsritual wiederholt sich noch zweimal während der Versteigerung.

Das corpus delicti liegt derweil vor den Bietern: geschlagen, auf Meterlänge geschnitten, in vier oder mehr Teile gespalten und am Wegrand sauber und akkurat aufgeschichtet.

Schnell und meist zum Preis von einem bis zwei Euro über der Taxe wechseln zunächst fünf Meter Buche den Besitzer. Reges Interesse herrscht auch bei den anschließend zur Versteigerung kommenden Ein- und Zweimeterstößen.

Dass weniger Interessenten gekommen sind, macht sich aber im weiteren Verlauf der Auktion bemerkbar: Für etliche Dreimeterstöße sowie die beiden größten Stapel findet sich zum Taxpreis kein Abnehmer. Sie verbleiben im Besitz der Gemeinde. Das sind 23 Meter Buchenholz, die Auktionator Kötter freilich nicht in den eigenen Ofen schieben muss: Erfahrungsgemäß werden sie in den folgenden Wochen noch im Rathaus gekauft. Schon am Montag waren sieben Meter weg.

Ab heute können die Abfuhrscheine bei der Gemeinde abgeholt werden, dann soll das Holz möglichst bald abgefahren werden – zum einen im eigenen Interesse des Käufers, um eventuellen diebischen Trittbrettfahrern zuvorzukommen, zum anderen drängen aber auch die Jäger auf ein baldiges Ende der Traktorfahrten im Wald, damit das Wild wieder zur Ruhe kommt.
Von Revier zu Revier ist der finale Termin
etwas unterschiedlich, Försterin Hermine Link hat für das Holz im Wohnbacher Wald den
30. April festgesetzt.

Bei der Versteigerung aber wird auf die Besitzerwechsel mit noch einem Schnäpschen angestoßen, und am Waldhäuschen haben Gemeindebedienstete den Grill und ein paar Kästen Flüssigbrot aufgebaut.

»Eine Brennholzversteigerung hat keine große wirtschaftliche Bedeutung für den Forst«, stellt der stellvertretende Niddaer Forstamtsleiter Werner Schaaf auf WZ-Anfrage klar. Die Arbeitsschritte vom Baum bis zum Schichtholz seien personal- und damit kostenintensiv. Man wolle aber den Menschen in den Orten die Möglichkeit zur Brennholzbeschaffung bieten, mit ihnen in Kontakt bleiben und sie bei der Gelegenheit über die aktuellen Entwicklungen im Wald informieren. Und schließlich sei die Holzauktion nicht nur im Grunewald, sondern auch in der Wetterau ein Stück Tradition. Kleine Waldrundgänge gehörten dazu, sofern sich das wetter- und terminmäßig einrichten lasse.



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Artikel vom 10.04.2008 - 00.00 Uhr
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